Tanzen soll Spaß machen – wo er aufhört, hilft Luisa. Foto: pitangacherry - stock.adobe.com

In Ludwigsburg droht ein Präventionsprojekt für feiernde Frauen zu scheitern. Bis jetzt will sich nämlich kein Klubbetreiber daran beteiligen. Der Initiator Uwe Trentsch gibt die Hoffnung aber noch nicht auf.

Ludwigsburg - Luisa hilft Frauen aus brenzligen Situationen. Wer dieses Codewort in Klubs, Discos oder Kneipen an der Theke sagt, signalisiert, dass er Hilfe braucht. In mehr als 40 Städten gibt es das Projekt bereits, auch in Ludwigsburg soll es möglichst bald eingeführt werden. Allerdings mangelt es bis jetzt noch am Interesse der Gastronomen.

Herr Trentsch, Sie möchten Luisa nach Ludwigsburg holen. Wer ist Luisa?
Luisa ist ein Präventionsprojekt. Es wurde vom Frauen-Notruf Münster ins Leben gerufen und ermöglicht Frauen ein sicheres Feiern. Luisa soll Frauen in Klubs, Kneipen und Discos vor Übergriffen schützen.
Wie kann Luisa da helfen?
Luisa fungiert als Codewort. Nicht alle Frauen sind so selbstbewusst und melden bei der Security, wenn sie sich von jemandem bedrängt fühlen. Frauen, denen das nicht so leicht fällt, können an die Theke gehen und einen Mitarbeiter fragen: Ist Luisa hier? Das Personal weiß dann, dass die Frau Hilfe braucht.
Und dann?
Dann wird erst mal geschaut, dass die Frau aus der Situation rausgeholt wird. Zum Beispiel kann sich ein Mitarbeiter mit ihr in einen Raum zurückziehen und dort in Ruhe schauen, was die Frau braucht. Soll man ein Taxi rufen oder in größeren Fällen die Polizei? Manchmal reicht es schon, die Freundin auszurufen, die womöglich noch auf der Tanzfläche ist.
Was ist ein typischer Einsatz für Luisa?
Zum Beispiel wenn eine Frau im Klub immer wieder angetanzt wird und der Typ nicht aufhört, obwohl dies Frau deutlich zum Ausdruck bringt. Wenn die Frau irgendwann nicht mehr weiß, was sie noch tun soll, kann sie nach Luisa fragen. Natürlich könnte sie den Klub auch einfach verlassen. Aber wer garantiert, dass der Typ sie nicht verfolgt?
Warum soll Luisa nach Ludwigsburg kommen. Sind die Männer hier besonders übergriffig?
Nein, um Gottes Willen! Darum geht es auch gar nicht! Es geht darum, dass man die Wahrscheinlichkeit von Übergriffen verringert. Durch meine Arbeit mit Betroffenen und Angehörigen sehe ich, wie oft so etwas vorkommt – und wie oft sich niemand Hilfe holt. Aber wenn man in dem Moment, in dem etwas passiert, Hilfe bekommt, kommt es vielleicht gar nicht erst zu einem Trauma und man kann sein Leben ganz normal weiterleben.
Nächste Woche planen Sie mit dem Verein Frauen für Frauen eine Infoveranstaltung für die Gastronomen in Ludwigsburg. Bis jetzt hat sich aber noch niemand dafür angemeldet. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Ich befürchte, dass die Gastronomen denken könnten: Wenn wir uns an dem Projekt beteiligen, dann sieht das so aus, als ob Übergriffe bei uns gang und gäbe wären. Allerdings bezweifle ich, dass ein Klubgänger oder sonst jemand wirklich so denkt. Ich denke, für die Gastronomen ist die Teilnahme nur von Vorteil, zumal sie kostenlos ist: Eine Frau, die weiß, in Klub A gibt es im Zweifel kompetente Hilfe, in Klub B hingegen nicht, die feiert eher in Klub A. Der Gastronom zeigt so ja auch, dass er zu seinen Gästen steht, dass ihm ihre Sicherheit wichtig ist.
Wie haben Sie die Ludwigsburger Gastronomen mit Luisa bisher bekannt gemacht?
Wir haben ungefähr 25 Lokalchefs kontaktiert. Mal sind wir persönlich vorbei gegangen, mal haben wir einen Brief geschrieben, eine Mail geschickt oder telefoniert. Die, die wir persönlich erreicht haben, waren sehr freundlich. Reagiert in Form einer Anmeldung hat bis jetzt trotzdem keiner. Diese Zurückhaltung finde ich ziemlich traurig.
Wie war das in anderen Städten?
Luisa gibt es inzwischen in mehr als 40 Städten und mehr als 1000 Einrichtungen bundesweit. Bisher waren die Gastronomen immer sehr aufgeschlossen.
Findet Ihre Infoveranstaltung am nächsten Dienstag auf alle Fälle statt?
Das kommt drauf an: Wenn sich gar niemand anmeldet, kann es sein, dass wir die Veranstaltung absagen. Aber wenn sich auch nur zwei Teilnehmer meldeten, dann würden wir sie abhalten. Jeder einzelne ist wichtig.
Wie ist das Feedback von Frauen aus anderen Städten?
Frauen, die Luisa kennen, finden sie toll. Sie finden es richtig und wichtig, dass etwas getan wird, und sie finden es beruhigend zu wissen, dass im Falle des Falles jederzeit Hilfe da wäre.

Großer Einsatz für großes Ziel

Projekt
Luisa als Codewort gibt es seit dem Jahr 2016. Die teilnehmenden Lokalitäten sind an Plakaten, Aufklebern und Flyern zu erkennen. Zur Verfügung gestellt werden sie von der Gruppe, die Luisa jeweils vor Ort initiiert. Sie schult auch die Mitarbeiter. Die Veranstaltung in Ludwigsburg ist für Dienstag, 30. Januar, um 16 Uhr in der Abel-straße 11 geplant.

Gruppe
In Ludwigsburg macht sich die Selbsthilfegruppe Wildrose für Luisa stark. Ihr Gründer Uwe Trentsch, 42, hat als Kind selbst sexuelle Gewalt erlebt. Gastronomen, die Interesse an Luisa haben, können Uwe Trentsch anrufen unter 0 71 41/9 56 28 83 oder eine Mail schreiben an info@luisa-bw.de

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