Eine Mehrheit der Stadträte hat am Mittwochabend eine Mini-Variante der Lucie beschlossen. Die Vision von Schienen durch die Barockstadt wird nach drei Jahren Planung eingestampft.
Rund drei Jahre nach einer Entscheidung für die Stadtbahn Lucie hat eine Mehrheit im Ludwigsburger Gemeinderat Teile der Stadtbahnplanungen gestoppt. Am Mittwochabend stimmten CDU, Freie Wähler, AfD, FDP und Teile der Grünen dafür, sämtliche Trassenführungen durch das Stadtgebiet Ludwigsburg und nach Pattonville einzustellen. Zudem wurde beschlossen, dass der Zweckverband weitere Planungen und Ausgaben stoppen soll.
Damit ist das zentrale Element des bislang größten Infrastrukturprojekts im Landkreis Ludwigsburg faktisch beendet. Nach aktuellem Stand bleibt lediglich die Reaktivierung der bestehenden Gleisstrecke zwischen Markgröningen und dem Bahnhof Ludwigsburg bestehen.
Nach jahrzehntelangem Hin und Her hatten mehrere Kommunen sowie das Landratsamt im Jahr 2022 beschlossen, eine Stadtbahn von Markgröningen über das Ludwigsburger Stadtgebiet bis nach Pattonville zu entwickeln. Doch personelle Wechsel im Zweckverband Stadtbahn, unerwartete Probleme mit der damals beschlossenen Trassenvariante sowie wiederholte Kommunikationsschwierigkeiten ließen den Rückhalt des Ludwigsburger Gemeinderats und der Bürger in das Projekt im vergangenen Jahr zunehmend schwinden.
Folgen jetzt Schadensersatzforderungen?
Besonders ausschlaggebend war, dass sich die CDU-Fraktion – eine der beiden größten Fraktionen im Gremium – in den vergangenen Wochen immer deutlicher von dem Vorhaben distanzierte. Mit ihrem Entzug der Unterstützung war die nun getroffene Entscheidung faktisch vorgezeichnet. „Die wechselnden Trassenführungen und fehlenden Informationen haben zu einem Vertrauensverlust geführt“, erklärte CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Herrmann während der Sitzung.
Welche endgültigen Folgen der Beschluss hat, ist allerdings noch offen. Die Entscheidungshoheit liegt letztlich bei der Zweckverbandsversammlung, in der Vertreterinnen und Vertreter unter anderem aus Markgröningen, Remseck und dem Landratsamt sitzen.
Ohne Rückhalt aus der Ludwigsburger Stadtpolitik und Verwaltung erscheint der Zweckverband jedoch geschwächt. Es gilt als kaum vorstellbar, dass weiterhin auf einem Gemeindegebiet ein Infrastrukturprojekt geplant wird, dessen politische Führung sich klar dagegen ausspricht.
Landrat Dietmar Allgaier und weitere Verantwortliche des Zweckverbands kündigten jedoch bereits an, den Beschluss nicht einfach hinzunehmen. Sie brachten sogar mögliche Schadensersatzforderungen ins Spiel – mit der Begründung, dass der Landkreis, Markgröningen und Remseck im Vertrauen auf die vollständige Umsetzung des Projekts bereits Geld investiert hätten.