Foto: Eveline Blohmer

Das Essen für die städtischen Kindertageseinrichtungen wird im Klinikum Stuttgart zubereitet und anderntags an 156 Kitas geliefert. Die im Chausseefeld ist eine davon.

Steckfeld - Es klingt ein bisschen wie ein neuer Freizeittrend. Hinter dem englischen Begriff „Cook and Chill“ steckt allerdings nicht Kochen mit anschließendem Ausruhen, sondern die Form der Mittagessensversorgung von 156 städtischen Kindertagesstätten in Stuttgart. Die Tageseinrichtung für Kinder im Chausseefeld ist eine davon. Was hier mittags in den 60 Kindermündern (oder auch mal auf Kleidern) landet, wird am Vortag im Klinikum Stuttgart vorbereitet.

„Das beste System ist das, was Sie zuhause machen: ,Cook and Serve‘“, sagt Gerd Danner, der beim Jugendamt die Abteilung Küchen und Ernährung leitet. Auch in den Kitas direkt vom Herd auf den Teller servieren zu können, wäre für den gelernten Küchenmeister ein Traum, wie er sagt. Doch personell wie finanziell sei das bei 1,6 Millionen Essen im Jahr nicht machbar. Heinrich Korn, der stellvertretende Jugendamtsleiter, sieht in der zentralisierten Zubereitung im Versorgungszentrum des Klinikums einen Vorteil: „Wir können für jede Gruppierung etwas anbieten“, sagt er und meint beispielsweise Kinder mit Allergien oder religiös bedingten Abstinenzen. Lebensmittelunverträglichkeiten müssen allerdings mittels ärztlichem Attest belegt werden. „Wir gehen auf alles ein, aber wir nehmen keine Extravaganzen ernst“, sagt Gerd Danner.

Raumschiff Küche

In der Kita im Chausseefeld gibt es laut ihrer Leiterin Gabriele Heller-Klenk acht muslimische Kinder und derzeit keine Allergiker. Zur Lasagne mit Rinderhackfüllung greifen an jenem Mittag also alle, die kleine Clara zum Beispiel geht gleich drei Mal zu der Form mit der italienischen Schichtspeise, der man die Großküche höchstens am mangelnden Härtegrad der Nudeln anschmeckt. „Wenn die Kinder zu uns kommen, sind sie dem Essen gegenüber oft eher kritisch. Aber bisher haben wir noch alle dazu gebracht“, sagt Heller-Klenk. Wie zum Beweis finden sich auf jedem Tellerchen ein paar Salatblätter, und die Kinder bestätigen, dass es schmeckt.

Dabei hat die Hauswirtschafterin Rosalia Pitrillo heute den Inhalt der angelieferten Gastronormschalen gar nicht nachgewürzt, wie sie es sonst bei Bedarf tut. Heute hat sie die großen Edelstahlbehälter nur in den Konvektomaten geschoben und nach mitgelieferter Anleitung regeneriert: „30 M/150øC/zu//15 M/150øC/“ steht auf dem Etikett. Pitrillo übersetzt das in 30 Minuten bei 150 Grad mit geschlossenem Deckel und weitere 15 Minuten ohne und bedient den futuristisch anmutenden Konvektomaten wie ein Astronaut sein Raumschiff: „Man gewöhnt sich dran“, sagt die Hauswirtschafterin im vorschriftsmäßigem Küchenhabit.

Probieren empfohlen

Pirtrillo wird, wie die Einrichtungsleiterin Heller-Klenk sagt, von den Kindern „heiß geliebt“. Dass die Hauswirtschafterinnen in den städtischen Einrichtungen eigentlich nur die angelieferten Gerichte erwärmen müssen, stimmt aus der Sicht Gerd Danners nicht: „Es macht einen großen Unterschied, wie lange man zum Beispiel eine Pizza drin lässt.“

Zwischen seine Dienststelle und die Hauswirtschaften sind die Regionalküchenleitungen geschaltet, die regelmäßig in die Einrichtungen kommen. Außerdem schreibt Danner regelmäßig Newsletter, in denen immer wieder der Tipp steht, zu probieren und nachzuwürzen. „Wir brauchen Personen vor Ort, die die Bedürfnisse kennen“, sagt er. Deshalb dürfen laut Danner die Pädagogen in der jeweiligen Kita auch ein Wörtchen mitreden. Mitessen tun sie allerdings nur einen sogenannten „pädagogischen Happen“. Der kleinen Clara ist es recht: bleibt schon mehr für sie. „Meine Mama macht nie Lasagne“, sagt sie zwischen zwei Bissen.

Das System „Cook and Chill“

„Cook and Chill“ wurde 2009 eingeführt. Seither bekommen die städtischen Kindertageseinrichtungen das Essen gekühlt angeliefert. Täglich sind das in Stuttgart etwa 7000 Portionen. Zubereitet werden diese jeweils am Vortag im Versorgungszentrum des Klinikums Stuttgart. Kurz bevor das Essen fertig gegart ist, wird es innerhalb von 90 Minuten auf drei Grad heruntergekühlt. Daher das Wort „Chill“. Kühltransporter fahren nachts das Essen ins Kommissionier- und Servicezentrum des Jugendamts. Von 5.30 Uhr an portionieren und kommissionieren die 30 Mitarbeiter das Essen für die Einrichtungen, die vormittags die zehn Tage im Voraus bestellten Portionen bekommen.Weitere Informationen zum Essen in den Kindertagesstätten der Stadt gibt es hier. Wie es beispielsweise in einer Eltern-Kind-Gruppe funktioniert, ist hier nachzulesen.

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