In vielen Gebäuden des Landes Baden-Württemberg gibt es Schädlinge. Eine Mitarbeiterin soll sogar mit dem Hanta-Virus infiziert worden sein. Wie ernst ist die Lage in Stuttgart?
Vor einiger Zeit gab es in einem vom Land genutzten Gebäude einen hygienischen Notfall, der weitreichende Folgen hatte – das hat nun eine Anfrage im Landtag ergeben. Wegen eines Schädlingsbefalls wurde das Gebäude für zwei Monate geschlossen. Die Arbeit der Mitarbeitenden musste in dieser Zeit laut Auskunft aus dem Finanzministerium ins Homeoffice verlegt werden. Laut eines Berichts des SWR handelt es sich dabei um das Gebäude ‚Bandtäle 2’ der Universität Stuttgart.
Laut Informationen des Robert-Koch-Instituts sind in der Regel Nagetiere Überträger für Hantaviren. Die Tiere scheiden das Virus über Speichel, Urin und Kot aus. Wenn diese Hinterlassenschaften eintrocknen, kann der virushaltige Staub aufgewirbelt und eingeatmet werden. Die Symptome einer Infektion mit dem Hantavirus treten meist erst zwei bis vier Wochen nach dem Kontakt mit den Erregern auf – und können Grippesymptomen ähneln. Dazu gehören hohes Fieber, Schüttelfrost sowie Rücken-, Kopf- und Gliederschmerzen.
Die Stadt hatte in der Vergangenheit immer wieder der Rattenpopulation den Kampf angesagt. Vor einigen Jahren gab es laut Experten einen regelrechten Ausbruch einer Plage. Aktuell gibt die Stadt im Jahr 130000 Euro für die Rattenbekämpfung aus. Zudem hat sie einmalig vor einigen Jahren für 225000 Euro spezielle Köderboxen angeschafft.
Gefährdung für Mitarbeiter?
Zurück zu den Landesgebäuden. Es blieb nämlich nicht bei diesem einen Vorfall in Stuttgart. Der FDP-Landtagsabgeordnete Friedrich Haag ist der Frage nachgegangen, wie belastend die Rattenplage für die 730 Gebäude des Landes in den vergangenen Jahren tatsächlich gewesen sind. Der Politiker hatte im Oktober eine kleine Anfrage im Landtag an das Finanzministerium gestellt, um mehr Informationen zu dem Thema zu erhalten. Er stellte zudem die Frage, inwiefern die Arbeit der Landesministerien in Baden-Württemberg durch Schädlinge in den Gebäuden eingeschränkt wird und die Mitarbeiter gesundheitlich gefährdet sind.
In ihrem Antwortschreiben führt das Finanzministerium eine detaillierte Statistik auf, in der aufgeführt wird, an welchen Standorten welche Art von Schädlingen bekämpft wurden. Betroffen sind 121 Gebäude und Standorte.
Neues Schloss besonders häufig befallen
Besonders häufig betroffen sind demnach etwa das Neue Schloss und die Gebäude der Uni Stuttgart im Pfaffenwaldring-Komplex in Vaihingen. In der Statistik wird der Befall durch Insekten und sogenannte Schadnager zwischen den Jahren 2023 und 2025 aufgelistet. Der Begriff Schadnager umfasst unter anderem Ratten und Mäuse. In einem Fall im Neuen Schloss soll es beispielsweise auch einen Waschbären im Gebäude gegeben haben.
Auch die Stadt Stuttgart führt eine eigene Statistik über die Rattenpopulation. Vor gut fünf Jahren hatte die Stadt hochmoderne Rattenfallen in den Kanalisationenssystemen verteilt. Es handelt sich dabei um das Modell Tox-Protect 1402 Ex. Die mit Infrarot ausgestattete Köderbox erlaubt es zu erfassen, wie oft ein Nager durchgelaufen ist. So seien laut Auskunft der Stadt zwischen 2023 und 2025 zwischen 60000 und 71000 Zugänge in den Boxen erfasst worden. Besonders häufig habe man Bewegung in der Innenstadt um das Gebiet des Hauptbahnhofs registriert sowie am Schlossplatz, der Marienstraße und in Bad Cannstatt um den Wilhelmsplatz und in der Marktstraße.
Finanzamt korrigiert Aussage
„Die vom Land genannten Fälle bestätigen die vielen Hinweise, die ich erhalten habe“, sagt der Abgeordnete Haag. Dass es sogar einen konkreten Verdacht auf eine Hantavirus-Infektion gab, zeige, dass es nicht um Bagatellen gegangen sei. Unter anderem waren auch Polizeidienststellen betroffen.
Auf Nachfrage korrigiert das Finanzministerium nochmals die Angaben, die es in dem Antwortschreiben im Landtag gemacht hat. Trotz der aufgeführten Fälle könne man nicht davon sprechen, dass es einen außergewöhnlichen Schädlingsbefall in den vom Land genutzten Gebäude gebe.
Die angegeben Maßnahmen umfassen demnach alles, was präventiv getan werde, um Schädlinge fernzuhalten. „In vielen Fällen handelt es sich um routinemäßige Vorsorgemaßnahmen wie sie bei öffentlichen Gebäuden in vergleichbarer Lage üblich sind“, sagt ein Sprecher.
Genaue Angaben über die Kosten für die Schädlingsbekämpfung macht das Finanzministerium keine. Es wird lediglich angegeben, dass die Kosten in den Jahren 2024 und 2025 0,2 Prozent der Bewirtschaftungskosten für die Gebäude ausgemacht habe. Zu diesen Kosten zählen etwa die Instandhaltung und Wartung der Gebäude.