Im Kreis Ludwigsburg warten viele ehemals gut besuchte Restaurants auf einen Nachfolger. Teils stehen die Räumlichkeiten seit Jahren leer. Laut der Dehoga gäbe es eine einfache Möglichkeit, die Situation zu verbessern.
Im Kreis Ludwigsburg suchen viele Restaurantbesitzer einen Nachfolger, teils stehen Räumlichkeiten seit Jahren leer. Welche Gründe haben die Schließungen und was könnte die Situation deutlich verbessern?
In Ludwigsburg suchen die Staatlichen Schlösser derzeit eine Nachfolge für Marco Bissoli. Zehn Jahre lang war er für das Café-Restaurant Schlosswache zuständig, am 6. Januar war sein letzter Tag als Pächter. Unter den Arkaden des vorderen Schlosshofs wird Platz für einen neuen Betreiber. Der Schlossverwalter Stephan Hurst, freut sich „auf Gastronomen, die mit einem überzeugenden Konzept und dem nötigen Respekt für diesen geschichtsträchtigen Ort die Erfolgsgeschichte fortschreiben möchten.“
Die Stadtverwaltung Marbach hat zum 31. Dezember den Pachtvertrag mit Simone und Patrick Dietrich beendet. Zwei Jahre lang hat das Ehepaar das in die Stadthalle integrierte Restaurant Schillerhöhe betrieben, das Eigentum der Stadt ist. Die sucht nun schnellstmöglich eine Nachfolge. „Es gibt schon Personen, die nicht abgeneigt sind, einzusteigen“, versichert Bürgermeister Jan Trost.
Gastronomen bemerken zurückhaltendes Verhalten bei Gästen
Laut Andreas Müller, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Kreisstelle Ludwigsburg und Gastronom im Danza Ludwigsburg, sind Schließungen zum Jahreswechsel nicht ungewöhnlich. „Pachtverträge laufen zum Jahreswechsel häufig aus und werden nicht verlängert, dazu kommen die Gastronomen, die aus betriebswirtschaftlichen Gründen aufhören müssen“, sagt er. Müller kennt die Gründe für den Leerstand und die Schwierigkeiten, Nachfolger zu finden. „Wir hatten zwei Jahre mit extremer Inflation zu kämpfen, dann die Abschaffung der reduzierten Mehrwegsteuer – das sind Kosten, die konnten die Gastronomen gar nicht an die Gäste weitergeben“, sagt er.
Dazu komme der Personalmangel. Während der Corona-Pandemie seien viele Aushilfen in andere Bereiche abgewandert und nicht zurückgekommen. Außerdem bemerke man ein zurückhaltendes Gastverhalten, „da wird keine Flasche Wein mehr bestellt, keine drei Gänge“, sagt Müller. Der Pro-Kopf-Umsatz sei deutlich zurückgegangen.
Auch im Bahnhöfle des Steinheimer Stadtteils Kleinbottwar bleibt seit Mitte vergangenen Jahres der Herd kalt, die Gaststätte ist geschlossen. „Die Pächterin hat aus wirtschaftlichen Gründen aufgehört“, erklärte Stephan Retter, Erster Beigeordneter der Kommune damals. Die Stadt hat die Immobilie gekauft und bemüht sich seither um eine Nachfolge – nun laufen Vertragsverhandlungen mit einem neuen Pächter. „Das dauert einfach seine Zeit“, sagt Retter.
Mitte Juli 2024 dann nach 27 Jahren auch das Aus in der Weinstube Klingel in Ludwigsburg. Richard Leheis hat sich aus gesundheitlichen Gründen entschlossen, das Traditionsgasthaus zu schließen. Wie geht es weiter? „Über ungelegte Eier gackert man nicht“, sagt er gegenüber unserer Zeitung, eines kann er aber verraten: Es gibt Angebote, die er als ernsthaft erachtet.
Ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen schloss bereits im Oktober 2022 das Stadthallenrestaurant in Beilstein. „Es war uns eine Freude, Sie hier bewirten zu dürfen“, schrieb Rolf Sälzle damals. Der Koch war bereits für die Schleyerhalle und Stadthalle Leonberg zuständig, betrieb jahrelang das Restaurant „I-Dipfele“ in der Marbacher Altstadt und schließlich mehr als drei Jahre lang das Stadthallenrestaurant. Beilsteiner wünschen sich, dass die Stadt einen neuen Pächter findet.
Bundestagswahl wird für Gastronomen entscheidend sein
Die Küche im Burgrestaurant Hohenbeilstein ist erst seit einigen Tagen kalt. Thomas Mayer hat seinen Pachtvertrag zum Ende des vergangenen Jahres gekündigt und will nun seinen Ruhestand genießen. Die Stadt sucht einen Nachfolger, der möglichst am 1. April mit der Bewirtung der Gäste beginnen soll.
Die vielen Schließungen sind laut Andreas Müller von der Dehoga ein bundesweiter Trend. „Da hat Ludwigsburg keine Sonderstellung.“ Wie das Jahr 2025 weitergeht, hänge zum einen an der Bundestagswahl Ende Februar, aber auch an Faktoren, die man nicht beeinflussen könne. „Eine große Weichenstellung wird Herr Trump sein.“ Hohe Absatzzölle würden sich auf die Automobilbranche auswirken und die wiederum habe Einflüsse auf jeden Metzger, Bäcker und Gastronom. „Wenn die Leute, die bei Bosch, Trumpf und Porsche arbeiten, Unsicherheiten verspüren – und wir sind nun mal ein Autoindustrie-Standort – , dann kündigen sie natürlich nicht direkt ihre Wohnung, sondern sagen erst einmal: morgen gehen wir nicht essen.“ Die Gastronomie lebe von der guten Stimmung.
Ein Werkzeug, um den Gastronomen schnell zu helfen, gebe es aber. „Die einzige Chance, um den Trend umzukehren, ist die Rückkehr zu sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen“, sagt Müller.