Champagnerfarbenes Ufo: Das Hotel Intercontinental in Davos besticht - und polarisiert - durch seine Architektur. Foto: Hotel Intercontinental (1), Stefan Rambow (2), Andrea Weller (2)

Schweizer Alpen-Resorts werden immer öfter zum futuristischen Wahrzeichen ihrer Gemeinde. Das neue Hotel Intercontinental in Davos polarisiert.

Kaskade aus Paneelen
Zauber-Ei, Ufo, Luxusliner - das champagnergold schimmernde, blasenförmige Bauwerk oberhalb des Davosersees weckt seltsame Assoziationen. Und es polarisiert. Manche Einwohner der höchstgelegenen Stadt Europas empfinden die außergewöhnliche Architektur als Bereicherung zu den im Ortszentrum vorgeschriebenen alpinen Flachdächern, die bereits Anfang des 20. Jahrhunderts aus der Sanatoriums-architektur des damaligen Höhenkurorts hervorgingen. Andere sehen das Ende Dezember 2013 eröffnete Luxushotel als Fremdkörper. Erst nach einem heftig umstrittenen Bürgerentscheid durfte es errichtet werden. „Wir wollten ein Objekt setzen, das sich klar von bekannten Hotelbauten abhebt und in die aufschwingenden Hänge der umliegenden Bergwelt einfügt“, erklärt Oliver Hofmeister, Managing Director des maßgeblich verantwortlich zeichnenden Architekturbüros Oikios aus München. Von der anderen Talseite aus, mit gehörigem Abstand, wird die gelungene Einbettung in die Landschaft in der Tat ersichtlich. Beim Näherkommen wandelt sich der eiförmige Baukörper zu einer Kaskade verführerisch goldglänzender Wellenformen. 790 beschichtete Aluminium-Paneele verbinden sich zu einer äußerst komplexen Gebäudehülle - jedes Fassadenbauteil ein Unikat.

„Beim Planungsverfahren bewegten wir uns am obersten Limit dessen, was in der Architektur überhaupt machbar ist“, sagt Oliver Hofmeister. Sechs Jahre lang wurde die Fassade berechnet und nach neuesten Verfahren auf dem Computer programmiert. Mehr als 60 000 Einzelteile, insgesamt 820 Tonnen Stahl, verbaute die Spezialfirma Seele - unter anderem auch verantwortlich für die Münchner Allianz-Arena - schließlich für die Gebäudehülle. Trotz der futuristischen Metallic-Fassade reflektiert das Hotel Intercontinental Davos seine alpine Umgebung - über die im Gebäudeinneren verwendeten Hauptelemente Holz und Stein, aber auch über zahlreiche charmant-skurrile Details. Im Eingangsbereich der Lobby empfängt ein Sternenhimmel aus 1600 einzelnen Lämpchen den Gast. Den Treppenaufgang zwischen den Konferenzräumen im Untergeschoss und der Lobby begleiten Schneeflocken aus rostigem Stahl an der Wand, deren Struktur sich als Muster auf der cremefarbenen Tapete wiederholt. Ein gestalterischer Leckerbissen befindet sich in der obersten Etage: Stardesigner Henry Chebaane hat das Gourmetrestaurant namens Studio Grigio als eine Art Kunstgalerie eingerichtet. In Skulpturen übertragene Albrecht-Dürer-Hasen und Manga-Steinböcke erinnern hier an die alpine Fauna. Knapp 126 Millionen Euro wurden in den Bau des Intercontinental Davos investiert, nicht ohne ökonomisches Kalkül. Das Premiumhaus ist eines der größten Tagungshotels der Schweiz. Es soll Davos in Zeiten eines schrumpfenden Skisportmarktes als Kongresszentrum der Alpen stärken. Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums, hat die Eröffnungs- und Schlussparty der diesjährigen Veranstaltung Ende Januar bereits im sogenannten Goldenen Ei steigen lassen.

Alpiner Chic der Superlative
Andere Skiorte wie Andermatt setzen vermehrt auf finanzstarke Wintersportler, entsprechend auf Luxushotellerie - und auf die Modernisierung ihrer Liftanlagen. Mit dem Ägypter Samih Sawiris hat das Dorf im Schweizer Kanton Uri einen erfahrenen Investor mit Visionen an seiner Seite. Der Milliardär möchte in Andermatt das größte Luxus-Resort der Alpen errichten: sechs Hotels mit 850 Zimmern, dazu 500 Ferienwohnungen und 25 Villen - alle im Vier- und Fünf-Sterne-Segment. Ende Dezember 2013 wurde The Chedi Andermatt, das Aushängeschild des ambitionierten Megaprojekts, eröffnet. „Andermatt war im Ausland völlig unbekannt. Meine Planungsvorgabe für das Chedi war: , erzählt Stararchitekt und Designer Jean-Michel Gathy. Im Ergebnis sieht das Hauptgebäude aus wie ein extrem überdimensioniertes Chalet. In Grundstruktur, Materialien und Farben der traditionellen lokalen Architektur angepasst, entspricht die Ausdehnung des Resort-Komplexes in etwa der Größe des ursprünglichen mittelalterlichen Dorfkerns. Und dennoch wirkt das Ensemble aufgrund zeitgemäßer Fassadendetails wie dem vertikalen Lamellenraster nicht fehl am Platz. Im Inneren erfüllen geschickt über den Loungebereich verteilte Sitzgruppen, Wein- und Zigarrenrefugium mit begehbarem Humidor, Gourmet-Dining mit vier Atelierküchen und die Wellnessoase mit einem 35 Meter langen Innenschwimmbad höchste Ansprüche. Viel Holz und alpine Gestaltungselemente wie offene Kaminfeuer, Wolldecken und Kunstfellkissen, kombiniert mit asiatischer Deko, unterstützen das Wohlfühlambiente.

Verbindungsgang zur Gondel
Besonderen Komfort mit Designfaktor bietet seit November 2011 auch das Nira Alpina, nur fünf Kilometer vom mondänen St. Moritz entfernt. Es ist das einzige Hotel des Engadins mit einem direkten Verbindungsgang zu einer Gondel. Sie führt auf den 3000 Meter hohen Piz Corvatsch. Das Gebäude fügt sich terrassenförmig in den Hang ein, Panoramafenster öffnen den Blick weit auf den Silvaplanersee. Architekt Guido Tschvor verbindet im Hausinneren natürliche Materialien mit Kunstobjekten zu einem modernen Schweizer Alpenstil.

Eigene Bergbahn inklusive
Etwas mehr spielerische Extravaganz leistet sich dagegen das Tschuggen Grand Hotel Arosa mit der Wahl von Carlo Rampazzi als Interior Designer und Mario Botta als Spa-Architekt. Das Grandhotel ist durch die gläserne Flügelarchitektur bekannt geworden. Das Haus verfügt sogar als einziges Hotel der Schweiz über eine eigene Bergbahn: Der Tschuggen Express bringt die Hausgäste direkt ins Skigebiet. Die maximale Steigung des exklusiven Schienentaxis liegt bei 52 Prozent - da ist das Limit dann doch erreicht.

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