Schweden Umstrittenes Sex-Gesetz tritt in Kraft

Von red/dpa 

Das „Einverständnis-Gesetz“ legt fest, dass beide Partner ausdrücklich und erkennbar mit Geschlechtsverkehr einverstanden sein müssen (Symbolfoto). Foto: dpa
Das „Einverständnis-Gesetz“ legt fest, dass beide Partner ausdrücklich und erkennbar mit Geschlechtsverkehr einverstanden sein müssen (Symbolfoto). Foto: dpa

Die Schweden haben ab Sonntag ein schärferes Sex-Gesetz als Deutschland. Künftig müssen sich Vergewaltigungsopfer nicht mehr wehren oder Nein sagen. Sex ist nur mit Zustimmung erlaubt. Doch das birgt noch einige Probleme.

Stockholm - In Schweden gilt von diesem Sonntag an das umstrittene neue Gesetz zu Sex und Vergewaltigung. Das „Einverständnis-Gesetz“ legt fest, dass beide Partner ausdrücklich und erkennbar mit Geschlechtsverkehr einverstanden sein müssen. Alles andere wird als Vergewaltigung gewertet. Noch immer wird allerdings diskutiert, wie die neue Regelung vor Gericht gewertet werden kann - und was als verbale oder nonverbale Zustimmung gilt.

Die schwedische Regierung, die sich selbst als feministisch bezeichnet, hatte das neue Gesetz nach der heftigen „#MeToo“-Debatte im vergangenen Sommer vorangetrieben. In dem für seine Gleichberechtigung bekannten skandinavischen Land hatte die Kampagne gegen sexuelle Belästigung besonders hohe Wellen geschlagen. Tausende Frauen gingen mit ihren Geschichten an die Öffentlichkeit. In einer Branche nach der anderen - Schauspielerinnen, Juristinnen, Bauarbeiterinnen.

Passivität soll nicht länger als stilles Einverständnis interpretiert werden können

„Sex muss freiwillig sein“, hatte Regierungschef Stefan Löfven bei der Vorstellung seines neuen Gesetzes betont. Im Unterschied zur bisherigen Gesetzgebung wird jetzt jede sexuelle Handlung strafbar, die nicht im gegenseitigen Einverständnis geschieht - unabhängig davon, ob das Opfer seinen Widerstand durch Worte oder Handlungen zum Ausdruck gebracht hat oder nicht. Passivität soll nicht länger als stilles Einverständnis interpretiert werden können.

Mit der Neuregelung hatten sich die Skandinavier international allerdings auch blinden Spott eingehandelt. Bald sei Sex nur noch mit vorherigem Vertrag erlaubt, witzelten Kommentatoren. Das mache doch die Stimmung im Schlafzimmer zunichte. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sprach sich zugleich aber fast jeder zweite Befragte dafür aus, ein ähnliches Gesetz auch in Deutschland einzuführen. Hier gilt bisher das Prinzip „Nein heißt Nein“. Demnach muss ein Vergewaltigungs-Opfer - anders als künftig in Schweden - aktiv werden und mit Worten oder Gesten zum Ausdruck bringen, dass es keinen Sex möchte.

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