Es ist eines der größten Schulbauvorhaben in Deutschland: In Heilbronn kann der Bau der Josef-Schwarz-Schule beginnen. Die Architekten der Privatschule sind keine Unbekannten – und auch die finanziellen Förderer nicht.
Heilbronn - Mit nicht einmal fünf Wortmeldungen genehmigte der Heilbronner Gemeinderat die 50 Seiten starke Gemeinderatsdrucksache Bebauungsplan „Schule Neckarbogen“. Der neue Stadtteil Neckarbogen, 2019 fand hier die Bundesgartenschau (Buga) statt und die zweite Phase der Bebauung beginnt gerade, wird dann 3500 Einwohner haben. Nun kommen noch einmal 1000 Schüler hinzu. Die zweite „Josef-Schwarz-Schule“, die die Dieter Schwarz Stiftung hier baut, ist ihren Angaben nach eines der derzeit größten Schulbauvorhaben Deutschlands – und gewiss auch eines der aufwendigsten.
Nun als baut das Architektenbüro für die Schwarz-Stiftung. Zu den Kosten gibt es bisher keine offizielle Auskunft. Die nach dem Firmengründer der Schwarzgruppe (Lidl, Kaufland) benannte Privatschule ist Teil des Schulentwicklungsplanes der Stadt. Erklärt wird der Bedarf an der Schule damit, dass Heilbronn als „Sitz vieler Weltmarktfirmen“ eine Anziehungskraft auf „international orientierte Fach-und Führungskräfte“ ausübe.
Das Schulgeld für die bilingualen Schulen liegt bei mehreren hundert Euro
Die Schwarz-Stiftung begründet den Bau mit einer großen Nachfrage: „Die Dieter Schwarz Stiftung als Förderer und Phorms Education als Schulträger wollen auf dem ehemaligen Buga-Gelände einen architektonisch und pädagogisch zukunftsweisenden Neubau mit einer Gesamtfläche von etwa 50 000 Quadratmetern verwirklichen.“
Phorms Education SE, gegründet 2005 als Phorms Management AG von deutschen Unternehmern, befand sich noch vor einigen Jahren in finanzieller Bedrängnis. Davon ist nun nicht mehr die Rede. Silke Lohmiller, Geschäftsführerin der Schwarz-Stiftung, spricht von einem „tollen Job“ den Phorms Education leiste. Das Schulgeld für die zweisprachigen Schulen liegt in der Regel bei mehreren hundert Euro im Monat, das Phorms-Konzept ist vor allem leistungsorientiert, deshalb nicht unumstritten. In der entsprechenden Gemeinderatssitzung wurde es mit keinem Wort hinterfragt.
Die Schule soll allen Kindern offen stehen, heißt es von der Stiftung
Die Bebauung des Quartiers Neckarbogen sieht als Quote für den „geförderten Wohnbau“ 20 beziehungsweise 30 Prozent vor. Eine Lösung zu finden für die hier lebenden Familien, die sich kein Schulgeld leisten können, den Prachtbau und die privilegierte Schülerschar aber täglich vor Augen haben, stand schon im Kaufvertrag. Wie sie aussehen soll, war auch kein Thema in der besagten Gemeinderatssitzung.
Perspektivisches Planen ist Regel in der Schwarz-Stiftung, die Antworten auf mehrfaches Nachfragen aber waren weniger konkret: „Die Schule steht selbstverständlich allen Kindern offen. Wichtig ist, dass das Konzept der Schule auch zu den Kindern passt. Die Höhe des Schulgeldes wird an der Höhe des Einkommens der Eltern bemessen. So haben alle die Möglichkeit die Schule zu besuchen.“ In Bezug auf das Schulgesetz heißt es noch: „Die Josef-Schwarz-Schule erhält, wie jede Ersatzschule, staatliche Förderung nach dem Privatschulgesetz. Weitere Finanzierungsquellen sind das Schulgeld sowie die Unterstützung durch die Dieter Schwarz Stiftung.“ Von der Stadt Heilbronn kam nur dieser Satz: „Wir sind mit der Dieter-Schwarz-Stiftung bzw. mit Phorms als Schulträger noch in Gesprächen zu einer Regelung für die Kinder aus dem Gebiet Neckarbogen.“
Ein weiterer Baustein für die Bildungsstadt Heilbronn
Die dreizügige Schule (Grundschule bis Hochschulreife), ist ein weiterer Baustein für die „Bildungsstadt Heilbronn“. Mit den unbegrenzten Geldmitteln der Schwarz-Stiftung entstand hier nicht nur der Bildungscampus, unter anderem mit der Ansiedlung der Technischen Universität München oder der IT-Kaderschmiede „école 42“. Die dahinter stehende ehrgeizige Strategie geht eindeutig auf den Namensgeber der Stiftung zurück, unübersehbar sind dabei auch die Verbindungen zur Politik.
Zur Einweihung des Bildungscampus 2019, er wird noch weiter wachsen, fand auch Ministerpräsident Kretschmann nur lobende Worte. Diese finanzielle wie auch inhaltliche Omnipräsenz und Omnipotenz in der Stadt anzusprechen oder gar kritisch zu hinterfragen, ist schwierig. Ein Stadtrat, er will ungenannt bleiben, nennt es „Segen und Fluch zugleich“, dass über die Stadtentwicklung nicht nur im Rathaus entschieden werde. Die einzige Gegenstimme zur Schwarz-Schule kam von den Linken.
In der ursprünglichen Version dieses Textes hieß es, „der öffentliche Schulbau könnte sich Vergleichbares nicht leisten, angefangen bei der Arbeit vom Büro Behnisch Architekten aus Stuttgart“. Damit wurde ein Sachverhalt suggeriert, der nicht der Realität entspricht. Behnisch Architekten haben bereits eine Fülle an Schulen für die öffentliche Hand geplant. Zu den Kosten des Schulprojekts in Heilbronn will sich die Schwarz-Stiftung weiterhin nicht äußern.