Christian Lindner wäre gern Finanzminister in einer schwarz-gelben Koalition. Foto: AFP/TOBIAS SCHWARZ

Schwarz-Gelb ist die einzige verbliebene Option für die FDP. Sollte sie kurz vor der Wahl nicht absehbar sein, droht der Partei erst recht der Fall unter die Fünf-Prozent-Hürde, kommentiert unser Hauptstadtkorrespondent Tobias Peter.

Mal angenommen, ein Kind hat im Sandkasten drei mögliche Spielkameraden. Wenn es nun einem davon hart in den Magen boxt und sich über die Sandformen des anderen ständig lustig macht, bleibt nur noch ein potenzieller Freund übrig. So ergeht es gerade der FDP.

 

Alles, was man weiß, legt nahe, dass Christian Lindner den Bruch der Ampelkoalition zum Schluss systematisch betrieben hat. So sieht es jedenfalls auch die SPD, die mit einer FDP unter der Führung Lindners nicht mehr koalieren wird. Der gegenseitige Streit von FDP und Grünen in der Ampel ist den meisten Menschen so sehr auf die Nerven gegangen, dass es höchst unwahrscheinlich ist, die beiden im Bund allzu bald wieder gemeinsam in einer Regierung zu sehen. Für die FDP bleibt also als möglicher Koalitionspartner, realistisch betrachtet, fürs Erste nur die Union.

Größere Schnittmengen

Inhaltlich gibt es gerade in der Wirtschaftspolitik größere Schnittmengen zwischen Union und FDP – auch wenn die Positionierung von CDU und CSU zu einer Reform der Schuldenbremse alles andere als eindeutig ist. Auf welches Bündnis Friedrich Merz im Fall eines Wahlsiegs zielt, ist zu diesem Zeitpunkt offen. Es ist möglich, dass er seine Strategie im Licht von Umfrageergebnissen in den kommenden Wochen ein ums andere Mal neu sortieren muss.

Wenn die FDP kurz vor der Wahl in Umfragen unter fünf Prozent liegt, ist für die Union nur eine Strategie plausibel: Sie wird dann versuchen, der FDP aggressiv jede Stimme abzujagen, die sie bekommen kann. Für die FDP wiederum gilt: Wenn in den zwei Wochen vor der Wahl eine Mehrheit für ein Bündnis aus Union und FDP wenig realistisch scheint, wird der Anreiz für schwarz-gelbe Wechselwähler gering sein, ihr die Stimme zu geben. Lindner hat die FDP strategisch in eine Sackgasse manövriert. Im äußersten Fall kann sie das die Existenz kosten.