Seit sie neun Jahre alt ist, spielt Theresa Jäschke Posaune. Foto: Gottfried Stoppel

Theresa Jäschke posiert mit ihrer Posaune für den Blasmusikkalender 2017. Sie will damit zeigen, dass die Blasmusik nicht nur aus Polka und Märschen besteht, sondern auch jung und modern daher kommen kann.

Schwaikheim - Natürlich fällt einem sofort der Kalender eines bekannten Motorsägenherstellers ein. Damen, die eher knapp bekleidet mit verschiedenen Gartengeräten posieren. Ob sie diese vor dem Fotoshooting schon einmal in der Hand hatten, darf bezweifelt werden. Bei den Models des Blasmusikkalenders 2017 sieht das etwas anders aus. „Wir alle spielen unsere Instrumente schon seit vielen Jahren“, erzählt Theresa Jäschke. Und bei der Präsentation des Kalenders hätten alle Models zusammen auf der Bühne musiziert – ohne eine einzige Probe. „Das war wirklich toll“, sagt Mama Birgit Jäschke.

Sich in einem Musikverein zu engagieren und die Blasmusik zu pflegen, sei im Casting wichtiger gewesen als die körperlichen Maße. „Wobei es dieses Jahr echt hübsche Mädels sind“, sagt die Schwaikheimerin, die man da ruhig dazuzählen darf. Zu ihrem attraktiven Äußeren kommt die innere Verbundenheit zur Blasmusik. „Der Opa hat mir eine kleine Posaune in die Hand gedrückt, als ich neun Jahre alt war“, erzählt die Schwaikheimerin.

Auf der Suche nach interessanten Typen

Seit elf Jahren spielt sie im örtlichen Musikverein, mit ungebrochener Begeisterung für ihr Instrument. „Ich finde den Klang einfach schön. Und die Vielfalt – ich kann symphonische Stücke mitspielen, bei einer Polka, aber auch in einer Big Band“, sagt Theresa Jäschke, die es auch ganz gut findet, kein klassisches Mädcheninstrument zu spielen. „Im tiefen Blech sind wir meistens ganz wenige.“ Das sei beim Casting gut angekommen, genauso wie die Tatsache, dass Theresa Jäschke passionierte Motorradfahrerin ist. „Das Kalenderteam war schon auf der Suche nach interessanten Typen“, erzählt sie, die mit ihren roten Haaren, den Festivalbändern am Handgelenk und den Tatöwierungen auf dem Körper nicht ganz zu dem Bild passt, das man vielleicht von einem Musikvereinsmitglied hat.

Einen Tag vor Bewerbungsschluss reichte sie ganz spontan ihre Unterlagen ein: „Ich habe erst am 15. März entdeckt, dass es diesen Kalender überhaupt gibt. Am 16. März war Einsendeschluss. Ich fand das eine tolle Sache und dachte: jetzt oder nie“, erzählt sie. Zum einen findet die angehende Maschinenbautechnikerin das Projekt gut, weil es die Blasmusik auf etwas andere Art und Weise präsentiert. „Zudem wird mit dem Kalender kein Profit gemacht. Was übrig bleibt, geht an Musikvereine, die finanzielle Hilfe brauchen“, erklärt sie.

Fotografien in Dirndl, Lederhose und Unterwäsche

60 weibliche und 30 männliche Musiker hatten sich beworben – von dem Kalender gibt es für jedes Geschlecht eine eigene Edition. Das Shooting fand dann im Allgäu statt, mitten auf einem öffentlichen Weg. „Es kam auch prompt ein Radfahrer vorbei, der etwas komisch geschaut hat“, erzählt Theresa Jäschke und lacht. Allerdings wurde sie nicht nur in Dessous fotografiert. Erst in Dirndl, dann in Lederhose und schließlich in Unterwäsche. „Das war alles so locker, dass ich mich gleich wohl gefühlt habe“, sagt die 22-Jährige, die sich mit dem Shooting auch ein bisschen selbst belohnt hat: „Ich hatte davor abgenommen und das war dann schon toll.“

Die Reaktionen auf die Fotos seien bisher nur positiv gewesen. Auch von Papa Klaus Jäschke, dem Stuttgarter Sternekoch: „Er war am Anfang etwas skeptisch. Aber als er die Bilder gesehen hat, war er dann schon sehr stolz“, sagt Theresa Jäschke. Zur Präsentation des Kalenders war extra eine 20-köpfige Abordnung des Musikvereins Schwaikheim ins Allgäu gereist. Einige der insgesamt 3000 Exemplare des Kalenders dürften gleich an dem Abend den Weg nach Schwaikheim gemacht haben. „Der Vorstand hat auch noch ein lebensgroßes Standbild von mir gekauft“, erzählt sie, die jetzt viel angesprochen wird – auch von Musikanten befreundeter Kapellen. „Wer weiß, vielleicht macht das auch anderen Mädels und Jungs aus der Region Mut, da mitzumachen.“ Sie selbst kann sich gut vorstellen, sich noch einmal zu bewerben. „Das war echt eine coole Erfahrung.“

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