Schwäbischer Albverein Jeder Zweite hält sich mit Wandern fit

Von Annette Mohl 

Immer häufiger schnüren auch jüngere Menschen inzwischen die Wanderstiefel. Foto: StN
Immer häufiger schnüren auch jüngere Menschen inzwischen die Wanderstiefel. Foto: StN

Wandern liegt im Trend. Auch immer mehr jüngere Menschen entdecken, dass Bewegung in der Natur mehr Spaß macht als im Studio. Der Schwäbische Albverein, der mit 110 000 Mitgliedern größte Wanderverein Europas, feiert jetzt sein 125-jähriges Bestehen.

Plochingen - Jedes Jahr melden sich beim Schwäbischen Albverein 3500 neue Mitglieder an. „Das sind vor allem auch junge Familien“, weiß Vizepräsident Reinhard Wolf. Wer als Kind mit den Eltern wandere, kehre dem Verein vielleicht während der beruflichen Orientierung den Rücken. „Wenn sie eine eigene Familie haben, kommen viele aber wieder zurück“, weiß Wolf.

So ist es dem Schwäbischen Albverein gelungen, seine Mitgliederzahl von anfangs 500 auf 110.000 hochzuschrauben. Der Höchststand war 118.000. Einen Einbruch gab es während der 1970er- und 1980er- Jahre, als das Wandern eine Weile als piefig und angestaubt galt. „Das lag am damaligen Zeitgeist. Niemand machte mehr zu Hause Urlaub, alle zog es ins Ausland“, erinnert Wolf. Die Heimat, wurde vielen zu eng. Das hat sich komplett geändert: Urlaub zu Hause ist hipp, es wird geradelt oder eben gewandert. Längst hat der letzte Wandersmann die roten Strümpfe ausgezogen. Wanderkleidung ist heute chic und bequem.

Einen wesentlichen Beitrag zum Wanderboom trägt der Schwäbische Albverein durch sein markiertes und gut gepflegtes Wanderwegenetz bei. „Eine Infrastruktur zu schaffen, war vor 125 Jahren mit der Anlass für unsere Gründung“, sagt Reinhard Wolf. Zuvor hieß es bei Anfragen lapidar: „Man nehme sich einen örtlichen Führer . . .“

Suche nach Ehrenamtlichen schwer

Heute umfasst das Netz 23.000 Kilometer und gliedert sich in drei Kategorien: Wanderwege, die sich aus der lokalen Situation ergeben, also auf dem kürzesten Weg von A nach B führen. Außerdem zwölf Hauptwanderwege im Vereinsgebiet, das von der Tauber bis zum Bodensee reicht. Im Westen mündet es ins Schwarzwaldnetz. Dritte Kategorie sind die vor 20 Jahren geschaffenen Europäischen Fernwanderwege vom Nordkap bis Sizilien. Aufgebaut und zweimal pro Jahr kontrolliert werden sie von den Wegewarten der 572 Ortsgruppen und der Gaue des Vereins. „Es wird aber immer schwieriger, Ehrenamtliche zu finden“, räumt Reinhard Wolf ein.

Der Schwäbische Albverein sieht sich seit ein paar Jahren auch seiner Monopolstellung beraubt, die ihm der ehemalige Ministerpräsident Erwin Teufel zugesagt hat. „Das ist ein bisschen in Vergessenheit geraten“, sagt Wolf. Nach der Vereinbarung verpflichten sich Land und Verein, keine neuen Wege mehr zu markieren, weil das Netz dicht genug sei. Nun preschen laut Wolf aber einige Tourismus-Verbände vor und wollen ein eigene Netz aufbauen – teils auf den vom Schwäbischen Albverein schon markierten Wegen. Der Kreis Böblingen etwa, der Alb-Donau-Kreis und Städte wie Bad Urach und Albstadt wollten oder hätten bereits ihr eigenes Netz. „Die doppelte Markierung führt zu einem Wirrwar“, kritisiert der Vizepräsident. Und über die Bezeichnung „Albsteig“ für den Nordrand-Weg an der Alb kann er nur den Kopf schütteln: „Das ist ein 365 Meter langer Wanderweg, den kann man doch nicht als Steig bezeichnen.“

Plädoyer für Wandern in der Gruppe

Dass inzwischen auch die Tourismusverbände das Wandern als Werbemittel entdeckt haben, bestätigt aber nur den Trend, Erholung und Fitness in der Natur zu suchen. Im Jubiläumsjahr startet der Verein die Aktion Gesundheitswandern. Das sind kürzere Routen von drei bis fünf Kilometern mit ausgewählten Übungen. Die Wirkung wurde von der Martin-Luther-Uni Halle-Wittenberg untersucht. So profitierten die Probanden innerhalb von zehn Wochen von einem 2,3 Kilo reduzierten Körpergewicht, 2,7 Zentimeter weniger Hüftumfang, Verringerung der Herzfrequenz (zwölf Pulsschläge weniger) und einer deutlichen Blutdrucksenkung. Wer wandert, verbraucht 350 Kilokalorien pro Stunde mehr), stärkt Immunsystem und Bewegungsapparat und reduziert Stress.

Der Albverein plädiert für das Wandern in der Gruppe: „Das macht mehr Spaß und fördert auch soziale Kontakte“, sagt Präsident Hans-Ulrich Rauchfuß. Der Verein bietet unterschiedliche Touren für Familien, ältere Menschen und ambitionierte Wanderer an.

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