Maultaschen sind aus der schwäbischen Küche nicht wegzudenken. Foto: dpa

In Stuttgart gibt es viele Gelegenheiten, sich von Wahlschwaben regional bekochen zu lassen. Dazu zählt auch Nektarios Theodosiadis, Inhaber des „Spätzleschwob“, der im Stuttgarter Westen gutbürgerliche Gerichte anbietet.

Stuttgart - Ob Maultaschenfüllung oder Kartoffelsalat: Im Ländle schwört man am Herd auf Tradition. So wie’s die Mutter gemacht hat, ist es am besten. Noch die vermeintlich simple Flädlesupp ist vom Hauch des Küchengeheimnisses umweht. Doch die heißen Tipps werden längst nicht mehr nur von Urschwaben gehütet. Wer Rat sucht, kann ohne weiteres auch bei Burhan und Fuat Sabanoglu im „Murrhardter Hof“ nachfragen. Ihre anatolischen Wurzeln haben die beiden nicht davon abgehalten, es in der Zubereitung hiesiger Spezialitäten zu wahrer Meisterschaft zu bringen. Sie sind nicht die einzigen Stuttgarter Gastronomen mit Migrationshintergrund, die Schwäbisches auftischen. Auch Nektarios Theodosiadis, Inhaber und Küchenchef des „Spätzleschwob“ im Westen bietet vorzügliche, gutbürgerliche Gerichte. Und das schon seit 25 Jahren.

„Zum Spätzleschwob“ prangt es in metallenen Lettern an der Jugendstilfassade des Eckhauses an der Vogelsang- und Seyfferstraße. Was Sandstein und Rundfenster an urigem Flair versprechen, halten die Innenräume mit ihren hohen Decken und der soliden Einrichtung. Sofort liegt einem das Wort „Gasthaus“ auf der Zunge. Nicht nur, weil die Speisekarte von selbstgemachten Spätzle und Maultaschen-Variationen über Saure Kutteln bis zum Zwiebelrostbraten voll auf schwäbische Hausmannskost setzt, sondern auch, weil Inhaber Nektarios Theodosiadis viel Wert auf Gastlichkeit legt. Gäste werden von ihm und Ehefrau Elizabeta nicht nur mit Speis und Trank versorgt, da ist ein kleiner Plausch ebenso wichtig, wie die typisch schwäbischen und gutbürgerlichen Gerichte.

„Ich habe die gutbürgerliche Küche ­quasi im Blut“

„Wir hatten das Glück, dass hier von Anfang an ein tolles, gemischtes Publikum einkehrte“, erinnert sich Theodosiadis an die Anfänge vor 25 Jahren. Schon vorher hatte sich in dem denkmalgeschützten Gebäude eine Gaststätte befunden, die auch gerne von Sportvereinen besucht wurde, wenn sie in den Hallen der Schwab- oder Vogelsangschule trainiert hatten. Die Sportler fühlten sich auch im neuen Ambiente schnell heimisch. Dass ein Grieche Gaisburger Marsch statt Moussaka serviert, fand niemand weiter verwunderlich.

„Meine Eltern haben ebenfalls ein Lokal mit schwäbischen Gerichten geführt, verrät der Küchenchef. Die „Spitta-Ecke“ lag nur wenig entfernt in den Räumen der heutigen „Taverna Yol“. Hier wuchs Nektarios zwischen Weinblättern und Kartoffelsalat auf. „Ich habe die gutbürgerliche Küche ­quasi im Blut“, sagt er. „So exotisch finde ich das nicht. Über Schwaben, die Olivenöl verkaufen, wundert sich ja auch niemand.“ Mit der bloßen Pflege des familiären Erbes gibt sich der passionierte Koch allerdings nicht zufrieden. Experimente wie die „Nemme Normal“ Chili-Käsespätzle mit Peperoni oder ein feuriger Maultaschenauflauf machen dem 45-Jährigen besonders Freude. „Wir bleiben uns treu“, sagt er. „Die Basis ist traditionelle Kost aus frischen, regionalen Zutaten. Wir verfeinern das Angebot aber gerne mit einer eigenen Note.“ Zum Jubiläum stellt Theodosiadis weitere kulinarische Eigenkreationen in Aussicht. Derzeit bietet er ein Metzgergulasch von Rind und Schwein, abgeschmeckt mit Kellerbier und das passende Getränk in der Bügelflasche zum Sonderpreis an.

Eien vegetarische Maultasche ist in Planung

75 Gäste finden im „Spätzleschwob“ Platz. 40 können im Sommer den Außenbereich genießen. „Als uns Anfang der 90er eine Straßenbestuhlung genehmigt wurde, waren wir hier im Quartier das erste Lokal, in dem man draußen sitzen konnte“, rekapituliert der Hausherr die Anfänge. „Als ich im Alter von 15 Jahren in Paris war und die ganzen Straßencafés sah, war ich ganz baff. So etwas kannte man hier einfach nicht.“

Unverändert ist die Lust des Ehepaars am Kochen. Was der landläufigen Meinung nach als ausgesprochen heikel gilt, ist für die beiden Alltag: Sie arbeiten in der Gastronomie zusammen und stehen auch privat gerne gemeinsam in der Küche. Die ist im „Spätzleschwob“ stets für neugierige Blicke offen. „Die Gäste sollen sehen, dass alles mit Liebe zubereitet wird“, erklärt Theodosiadis. „Wenn es zu Stoßzeiten so richtig heiß hergeht, ist das für den Beobachter sicher ganz großes Kino!“

Phasen, in denen der Laden brummt, gibt es häufig. Das Publikum ist dabei sehr gemischt. Familien mit Kindern, Stammgäste, junge Leute, Schwaben und Nei­gschmeckte – Nektarios Theodosiadis hat für jeden etwas zu bieten und auch noch Ideen in petto. Derzeit tüftelt er an einer raffinierten vegetarischen Maultasche.

Hausmannskost international

Murrhardter Hof Rieslingkutteln mit Bratkartoffeln oder Orientalischer Salat mit Fetakäse? Bei Vater und Sohn Sabanoglu am Wilhelmsplatz gibt es beides. Der Schwerpunkt liegt jedoch eindeutig auf schwäbischen Spezialitäten.

Zum Spätzleschwob Das Riesenschnitzel benötigt einen Teller mit einem Durchmesser von 28 Zentimetern. Der feurige Maultaschenauflauf braucht weniger Platz, hat es aber in sich. Während hier Debrecziner-Würste auf schwäbische Tradition treffen, sind die meisten anderen Speisen, die Nektarios Theodosiadis im historischen Gebäude an der Ecke Vogelsang-/Seyfferstraße serviert, total regional.

Trollinger Stubn Seit 2007 führt Ugur Ceyhan das Lokal am Rotebühlplatz 50, das in einer Bauernstube aus dem Jahr 1750 untergebracht ist und Gästen neben Gaumenfreuden einen Blick auf den Feuersee und die Johanneskirche bietet. Hier wird auch überregional gespeist. Neuerdings sogar Bison vom Holzkohlegrill.

Hirsch Wenn Vincenzo di Napoli Teig zubereitet, dann nicht, um Pizza zu backen, sondern um Spätzle zu schaben. Der ehemalige Betreiber des Restaurants Weinstube Klink in der Epplestraße bekocht inzwischen die Gäste im Hirsch in Zuffenhausen (Bottwarstraße 10).

Rössle Regionale Küchenklassiker und kroatische Grillspezialitäten gibt es seit 2005 im Familienbetrieb von Mirko Šarac in Münster. In familiärer Atmosphäre kommen in der Kocherstraße 23 Linsen und Spätzle oder Maultaschen ebenso selbstverständlich auf den Tisch wie hausgemachte ĆCevapcici.

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