Der stellvertretende Landrat Martin Wuttke sät symbolisch Samen aus. Foto: factum/Granville

Landwirte und Jäger im Oberen Gäu haben einen Plan. Sie wollen die Tiere vor dem drohenden Aussterben retten. Und sie können schon erste Erfolge verzeichnen.

Böblingen - Dem Rebhuhn geht es schlecht. Deutschlandweit leben nur noch wenige Tiere in freier Wildbahn, stetig werden es weniger. Doch einige Jäger und Landwirte im Oberen Gäu stemmen sich gegen diesen Trend. Einer von ihnen ist Helmut Kayser. Der Landwirt betreibt einen Hof in Gäufelden-Tailfingen und war einer der ersten, die sich im Rebhuhn-Schutzprojekt engagiert haben. Es war von Landwirten wie ihm, Jägern, Naturschützern sowie den Kommunen Jettingen, Bondorf, Mötzingen und Gäufelden im Jahr 2016 ins Leben gerufen worden.

Jetzt, gut zwei Jahre später, steht er auf einem etwa 25 Ar großen Stück Land neben einem seiner Äcker und füllt Saatgut in eine Streuwanne. Während eine Hälfte des Geländes frisch abgemäht ist, wogt auf der anderen ein Dickicht aus kniehohen Gräsern, vertrockneten Sonnenblumen und anderen Pflanzen aus dem Vorjahr im Wind. „Das bleibt so stehen“, erklärt der Landwirt und deutet auf eine Stelle in der Mitte des Pflanzendurcheinanders. „Da hinten habe ich erst neulich ein Rebhuhn-Paar gesehen.“

Hotspot für Rebhühner

Im vergangenen Jahr hatte er an dieser Stelle Pflanzen wie Lupinen, Rotklee und Ringelblumen gesät. Diese nicht wieder abzumähen, sei wichtig für Rebhühner, da ihnen das Dickicht auch im Winter noch Futter sowie Schutz bei der Aufzucht der Jungtiere böte. Das gelte natürlich auch für andere Tierarten wie den Feldhasen oder diverse Insekten.

Auf der anderen Hälfte des Flurstücks sollen diese Pflanzen dem Rebhuhn zuliebe demnächst auch sprießen, deshalb schnallt sich der stellvertretende Böblinger Landrat Martin Wuttke die Streuwanne um und verteilt einige symbolische Handvoll Samen auf dem Gelände. Das Obere Gäu habe einen der besten Böden im Kreis und sei einer „der Hotspots für Rebhühner“, sagt Wuttke. 40 Brutpaare seien hier gezählt worden. Allerdings bedrohe die intensive Landwirtschaft den Lebensraum der Tiere. „Deshalb haben wir die Verpflichtung, etwas für ihren Schutz zu tun.“

Erste Erfolge sind sichtbar

Denn die Lage ist ernst. „Seit den 1970er Jahren hat der Bestand des Rebhuhns um 90 Prozent abgenommen“, erklärt Ralf Wegerer, der Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbands (LEV) im Kreis Böblingen, der das Rebhuhn-Schutzprojekt koordiniert. Versuche in Niedersachsen hätten allerdings gezeigt, dass das Anlegen mehrjähriger Buntbrachen den Bestand der Rebhühner stabilisieren könne.

Und so entstand der Plan, Teile des Oberen Gäus zu einem Rückzugsort für die bedrohten Tiere umzugestalten. Nach einer Erfassung des Rebhuhn-Bestands im Jahr 2016 wurden daher die ersten Altgrasstreifen und Blühflächen im vergangenen Jahr angelegt, sieben Hektar Land hatten die teilnehmenden Landwirte dafür zur Verfügung gestellt. In diesem Jahr werden es schon acht Hektar Rebhuhn-Land sein, da sich noch mehr Bauern beteiligen.

Die ersten Erfolge des Projekts sind bereits sichtbar. „Wir hatten hier im Frühjahr zwölf Rebhühner, das ist ein schöner Bruterfolg“, sagt Kayser. An anderer Stelle in Tailfingen gebe es drei weitere Paare. Alle Beteiligten hoffen nun, dass sich noch mehr Landwirte finden, die Teile ihrer Flächen zur Verfügung stellen. Denn unterschiedlicher Fördertöpfe sei Dank müsse Kayser keinen finanziellen Nachteil hinnehmen, auch wenn er einen Teil seines Landes nicht aktiv bewirtschafte. „Ich komme auf Null raus.“

Interessenten können sich unter info@levbb.de melden.

Rebhuhn-Rettung im Fokus

Rems-Murr-Kreis:
Nicht nur im Kreis Böblingen kämpft man um den Erhalt der Rebhühner. So konnten Tierschützer in Fellbach im vergangenen Jahr gar keinen Bruterfolg beobachten, in Rommelshausen wurde 2017 kein einziges Rebhuhn gesichtet. Im Fellbacher Rathaus hat man nun reagiert: Der Gemeinderat hat die Ausweisung einer Wildschutzzone bei Schmiden und Oeffingen beschlossen, in der Hunde von April bis Ende August an die Leine genommen werden müssen, um die verbliebenen Tiere zu schützen.

Kreis Esslingen:
Auf den Fildern steht der Schutz des Rebhuhns schon seit 1999 auf der Agenda. Damals wurde das dortige Artenschutzprogramm Rebhuhn gegründet, sagt Peter Endl, der stellvertretende Vorsitzende des Naturschutzbundes Filderstadt/Leinfelden-Echterdingen. Er hat gute Nachrichten: „Seit zwei Jahren hat sich die Zahl der Brutpaare in Leinfelden-Echterdingen erfreulicherweise erholt.“ Zehn wurden gezählt. Zum Vergleich: 1991 waren es noch 19 Paare gewesen, zwischen 2000 und 2016 schwankte ihre Zahl zwischen vier und acht.

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