Die Experten der Polizei mit Oberbürgermeister Christoph Traub (Vierter von links) und den Kooperationspartnern des Sicherheitstages in Sielmingen Foto: Gabriel Bock

Für Ganoven sind verschlossene Fenster kein Hindernis. Aber es gibt Möglichkeiten, sich zu schützen. Beim Sicherheitstag in Filderstadt gibt die Polizei Tipps.

Filderstadt - Selbst der schönste Urlaub wird zum Albtraum, wenn man an dessen Ende erschöpft von der langen Reise heimkommt und die Räume durchwühlt vorfindet. Dann sind meistens nicht nur Wertsachen, Fernseher und andere teure Gegenstände, die sich leicht mitnehmen lassen, weg. Für die meisten Einbruchsopfer ist es weitaus schlimmer, dass das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit im eigenen Zuhause verloren geht.

Oftmals haben die Einbrecher leichtes Spiel. Dank alter Fensterrahmen und sparsamen Sicherheitsvorkehrungen brauchen sie nur wenige Sekunden, um ins Haus zu kommen. Das Einzige, was dagegen hilft, ist Prävention. Deshalb berät das Polizeipräsidium Reutlingen in den Kommunen auf den Fildern immer wieder, was Bürger tun können, um den Verbrechern buchstäblich einen Riegel vorzuschieben. Zuletzt hat die Polizei beim vierten Filderstädter Sicherheitstag kostenlose Tipps verteilt. Dieser war am Freitag in Sielmingen.

80 Prozent der Einbrecher gehen durchs Fenster

„In Filderstadt gab es 2017 insgesamt 74 Einbrüche, von denen aber 26 beim Versuch steckenblieben. Das zeigt, dass Sicherheitsmaßnamen extrem wichtig sind“, sagte Thomas Pitzinger, der Leiter des Polizeireviers in Filderstadt. In Sielmingen war das Polizeipräsidium mit einem ganzen Beratungstruck angerückt und half jedem Interessierten. Dafür hat die Polizei Experten wie Hendrik Kaiser. Der Hauptkommissar ist Fachmann, wenn es ums Thema Einbruchsprävention geht. „Eigentlich muss man die Einbrecher nur etwa drei bis fünf Minuten aufhalten, dann geben sie schon auf“, sagt er. Dafür gibt es mehrere Ansätze. Die wichtigste Schutzmethode sind für Kaiser mechanische Einrichtungen. „8o Prozent aller Einbrecher gehen durch die Fenster. Als Erstes versuchen sie, diese aufzuhebeln. Viele Fenster kann man dagegen mit sicheren Beschlägen oder aufgeschraubten Riegeln schützen“, sagt er. An den gesicherten Fensterrahmen beißen sich die meisten Einbrecher die Zähne aus. Die Fensterscheiben werden höchstens an einer Stelle durchschlagen um den Fenstergriff zu öffnen, ist der aber abschließbar, hat der Einbrecher wenig Chancen. „Das Risiko mit viel Lärm eine ganze Scheibe auszuschlagen, geht kaum ein Einbrecher ein, das ist denen zu laut, außerdem ist dabei das Risiko groß, dass wir später DNA-Spuren finden“, erklärt der Experte Kaiser.

Neben den mechanischen Maßnahmen gibt es noch die elektronischen. Darunter Fallen Einbruchmeldeanlagen und Maßnahmen, die Einbrecher täuschen sollen. Dazu gehören zum Beispiel Zeitschaltuhren an LED-Lampen, diese suggerieren ein bewohntes Haus. „Heute gibt es auch die sogenannten Smart-Home-Systeme, mit denen man Licht und Rollläden aus der Distanz steuern kann. Zudem erinnern die einen, wenn offene Fenster vergessen wurden“, sagt Kaiser.

Die Polizei kommt zur Beratung nach Hause

Weil eigentlich jedes Haus und jede Wohnung eine individuelle Lösung brauchen, kommen Kaiser und seine Kollegen auf Wunsch in jeden Haushalt und beraten dort individuell, was getan werden kann. „Das kostet nichts, und wir behalten auch die Geldbeutel der Bewohner im Auge, wenn es darum geht, was wir empfehlen“, sagt Kaiser.

Wer die Beratung in Anspruch nehmen möchte, muss lediglich bei der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle des Präsidiums anrufen. Diese ist erreichbar unter der Nummer 0 71 21/9 42 12 02. Allgemeine Informationen und Tipps zu einbruchsicherem Verhalten stellt die Polizei online unter www.k-einbruch.de bereit.

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