Das internetfähige Smartphone gehört bei vielen Kindern und Jugendlichen zur Grundausstattung. Foto: dpa/Tobias Hase

Vielen Kindern und Jugendlichen ist nicht klar, wie viele Informationen sie am Smartphone preisgeben. Die Körschtalschule hat nun Eltern Tipps zur Vorbeugung gegeben. Denn: Sie haben oft keine Ahnung, was ihre Kinder online tun.

Plieningen - Seit Mitte 2017 ist auf der Instagram-Seite nichts mehr passiert, die Infos sind dennoch nach wie vor online und für jeden lesbar. Über ein anonymes Profil haben Schüler der Körschtalschule öffentlich private Daten ausgetauscht. Wer heißt wie, wer ist mit wem befreundet, wie alt, welche Klasse? Es ist nur eines von unzähligen Beispielen, die zeigen, wie unbedarft Kinder und Jugendliche bisweilen im Internet unterwegs sind. Die Eltern haben oft keine Ahnung.

Die Körschtalschule will das ändern. In der Plieninger Gemeinschaftsschule fand nun zum zweiten Mal ein Eltern-Infoabend zum Thema Prävention statt. An Expertenständen ging es um Essstörungen, um Gewalt und Drogen, um K.o.-Tropfen, um Bodybuilding und Fitnesswahn.

Die Kinder denken, sie sind im Netz anonym

Den größten Informationshunger gab es augenscheinlich aber zum Thema Mediennutzung. „Es gibt ein großes Bedürfnis der Eltern, sich untereinander auszutauschen“, sagte der Informatiklehrer Dennis Kienle. Er ist der Präventionsbeauftragte an der Schule und weiß: Smartphones sind ein großes Thema. Bei Mädchen sei vor allem die App Tik Tok in, über die sich Videos ansehen, aufnehmen und bearbeiten lassen, bei Jungs vor allem Instagram und Youtube.

In der Regel sei der Umgang damit harmlos, manchmal verselbstständige sich aber auch etwas. „Dass sich vieles über Whatsapp-Gruppen verteilt, ist klar. Da muss man sensibel sein und ein offenes Ohr haben“, erklärte Dennis Kienle.

Was passieren kann, erlebt die Polizistin Sandra Grimme aktuell an einer Schule auf der Filderebene. Schüler hätten ein Bild einer Lehrerin verfremdet, es weitergeleitet und sich lustig gemacht, erzählte sie. „Das Phänomen beobachte ich an vielen Schulen“, sagte die Expertin aus dem Referat Prävention. Mit wenigen Klicks könnten Köpfe auf nackte Körper gesetzt oder mit Hitler-Bärten versehen werden. „Die Kinder meinen, sie sind im Netz anonym, aber im Gegenteil. Das Internet vergisst nichts.“ Sie klärt regelmäßig in Klassen auf, was strafbar ist oder wann welche Rechte verletzt werden. „Mobbing findet fast nur noch online statt“, hat die Oberkommissarin festgestellt. Sie empfiehlt Eltern, offen mit ihren Kindern über die Gefahren zu sprechen – und notfalls auch Handys zu kontrollieren. „Eigentlich sind die Eltern in der Pflicht“, sagte Sandra Grimme.

Klare Regeln in Sachen Handynutzung

Die Regeln für die 600 Plieninger Schüler sind laut der Rektorin Stefanie Lenuzza klar: kein Handy im Schulhaus, außer es wird explizit zur Recherche benötigt oder die Jugendlichen befinden sich im Rahmen der Ganztagsbetreuung im Schülercafé. „Wir sind da recht streng. Wir nehmen die Handys auch ab“, erklärte die Schulleiterin.

Es war der zweite Themen-Elternabend dieser Art. Angeregt hatte die Veranstaltung im vergangenen Jahr die Mutter Barbara Geißler-Kösling. „Mir war es wichtig, bei heiklen Themen aufzuzeigen, wie Eltern sich ein Netzwerk schaffen können“, sagte sie. Schule als Ort, wo Kinder einen Großteil ihrer Zeit verbringen und wo sich viel abspielt, sei für so ein Treffen ideal. Auch, um sich in entspannter Atmosphäre Ansprechpartnern wie der Polizei zu nähern, fand Barbara Geißler-Kösling, „das macht man normalerweise erst, wenn es passiert ist“. Und auch Stefanie Lenuzza sagte: „Es ist wichtig, dass man als Eltern so gut wie möglich Bescheid weiß.“

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