Vor allem Privatpatienten haben Probleme, einen Impfstoff auf Rezept zu erhalten – einen offiziellen Mangel gibt es aber nicht.
Stuttgart/Berlin - Privatversicherte, die sich einen Grippeimpfstoff auf Rezept kaufen wollen, müssen sich derzeit auf eine Odyssee einstellen. Denn in Ballungsgebieten wie etwa in Stuttgart heißt es seitens der Apotheker häufig: kein Impfstoff mehr verfügbar. Man könne sich aber gerne auf eine Warteliste eintragen lassen – „Wir informieren dann, wenn wir eine Lieferung bekommen sollten“, lautet die freundliche Antwort. Selbst auf dem Land vermelden die Apotheken Versorgungsengpässe. Dabei hat die Impfsaison doch erst gerade angefangen.
Man braucht etwas Geduld
Prompt werden Stimmen laut, die befürchten, dass die Grippeimpfstoffe nicht für alle reichen, die sich tatsächlich impfen lassen wollen. Apothekerkammern beobachten erste lokale Lieferengpässe: „Man benötigt im Moment etwas Geduld“, heißt es seitens der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg. „Wir erhalten vereinzelte Rückmeldungen, dass die Nachfrage nach einer Grippeimpfung für Anfang Oktober schon sehr hoch ist“, so die Sprecherin Susanne Donath. Auch wurde offenbar seitens der Ärzteschaft schon sehr früh mit den Grippeimpfungen begonnen. Der Rat der Apotheker an alle Impfwillige lautet daher: „Am besten direkt beim Arzt oder in der Apotheke nachfragen, ob der Grippeimpfstoff gerade vorrätig ist und dann einen Termin ausmachen.“
Einen offiziellen Mangel gibt es nicht
Auch der Hausärzteverband Baden-Württemberg sieht Versorgungsengpässe insbesondere bei Privatpatienten, die den Impfstoff auf Rezept holen müssen. „Die haben Probleme“, so der Sprecher Manfred King. Dagegen sieht es für Kassenpatienten, die sich nur um einen Impftermin kümmern müssen, noch gut aus: „Aktuell scheinen die Praxen mit Impfstoff für ihre Patienten versorgt zu sein“, sagt Manfred King. „Die Impfdosen wurden von den Hausärzten rechtzeitig geordert und stehen größtenteils zur Verfügung.“
Einen offiziellen Mangel an Grippeimpfstoffen gibt es nicht. Das hat der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aktuell bestätigt: Es könne momentan lokal und zeitlich zu Lieferengpässen kommen, sagte er am Mittwoch in Berlin. „Das heißt aber nicht, dass wir Versorgungsengpässe bei diesem Grippeimpfstoff haben.“ Das Bundesgesundheitsministerium hat nach eigenen Angaben für diese Saison 26 Millionen Dosen bestellt. „So viele Impfdosen standen noch nie zuvor in Deutschland für die Grippeimpfung zur Verfügung“, sagte Spahn. Der Impfstoff werde nicht an einem Tag ausgeliefert, sondern stehe nach und nach zur Verfügung. Es sei sinnvoll, sich auch noch im November oder Dezember impfen zu lassen.
Nach Angaben des Paul-Ehrlicher-Instituts (PEI), dem Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, wurden aktuell 19,1 Millionen Impfstoffdosen freigegeben. „Das sind mehr als in den vergangenen drei Jahren zu diesem Zeitpunkt“, sagt die PEI-Sprecherin Susanne Stöcker.
Es reicht, wenn sich Risikogruppen impfen lassen
Selbst wenn doch eine Mangelsituation eintreten sollte, so werde man mit den Herstellern über die Versorgung mit Extradosen für Deutschland sprechen und versuchen, Abhilfe zu schaffen. Auf diese Möglichkeit griff Bundesgesundheitsminister Spahn schon öfter zurück, auch wurde dadurch der Import von Pneumokokken-Vakzinen im März dieses Jahres möglich, und auch Grippeimpfstoffe wurden 2018/19 nach Bekanntgabe eines Versorgungsmangels importiert.
Doch ist es überhaupt sinnvoll, dass sich jeder gegen Grippe impfen lässt? Laut der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts reiche es aus, wenn sich die Risikogruppe impfen lassen – also Schwangere, chronisch Kranke sowie Personen ab 60 Jahren. Empfohlen wird die Immunisierung auch medizinischem Personal sowie Angehörigen, die mit einem Risikopatienten zusammenwohnen oder ihn betreuen. Bei allen anderen ist eine Impfung nicht nötig: „Eine Influenza-Erkrankung bei gesunden Kindern oder bei Erwachsenen unter 60 Jahren verläuft in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen“, so die Begründung der Experten. Daran ändere auch die Corona-Pandemie nichts.
Wann sollte man impfen?
Da das Influenzavirus sehr wandlungsfähig ist, ist eine jährliche Anpassung des Impfstoffs und entsprechend eine jährliche Impfung notwendig. Impfstoffe bieten nur für die aktuelle Saison den besten Schutz. Auch für Jahre, in denen sich die Impfstoffzusammensetzung nicht geändert hat, wird eine neue Impfung empfohlen. Grund ist, dass der Schutz nachlässt, je länger die Impfung zurückliegt und viele Geimpfte nach Ablauf eines Jahres nicht ausreichend geschützt sind. (red)