Das gab’s noch nicht in Fellbach: Eine für Eltern reservierte Parkbucht. Foto: Patricia Sigerist

Wer seinen Nachwuchs am liebsten bis ins Klassenzimmer begleiten würde, blockiert mit seiner Karosse auch gleich die Straße. Oft kommt nicht mal mehr der Bus durch. In Fellbach reagiert man nun mit einer „Elternhaltestelle“.

Fellbach - Am Mittwoch geht die Schule wieder los – erstmals nicht an einem Montag. In Fellbach gibt es noch ein zweites Novum, ein vor das Maickler-Schulzentrum gestelltes Verkehrsschild. Unterm rot-blauen Halteverbots-Zeichen ist dort jetzt eine „Elternhaltestelle“ eingerichtet. Mit einem Piktogramm wird Autofahrern erklärt, dass auf den etwa vier Plätzen morgens zwischen 7.30 und 9 Uhr nur Eltern halten dürfen, um ihre Kinder zur Schule zu bringen.

Beschwerden über „Helikoptereltern“ häufen sich

Verantwortlich für das neue Verkehrszeichen ist die Stadt Fellbach, angeregt haben es die Grundschulrektorin Verena Weiß und die Elternbeiratsvorsitzende Claudia Bell. Denn sie sehen in der stetig steigenden Zahl so genannter Elterntaxis eine ernsthafte Gefahr für alle zu Fuß in die Maicklerschule laufenden Kinder. „Es kommt vor Schulbeginn täglich zu haarsträubenden Situationen, teilweise wird mitten auf dem Zebrastreifen gewendet. Das ist einfach lebensgefährlich“, echauffiert sich die Mutter.

Beschwerden über „Helikoptereltern“ häufen sich allerdings nicht nur, weil die eiligen Mütter und Väter ihre Kinder oft direkt bis zum Schulgelände kutschieren.

Für die Buslinie 215 gibt es oft kein Durchkommen mehr

Wer seinen Nachwuchs am liebsten bis ins Klassenzimmer begleiten würde, blockiert mit seiner Karosse auch gleich die Straße. „Da kommst Du oft noch nicht mal auf den Lehrerparkplatz“, weiß Andreas Wersch, Konrektor der benachbarten Auberlen-Realschule. Auch Hans-Jürgen Meyer vom städtischen Ordnungsamt kennt die Lage: Geparkt wird wahlweise auf dem Gehweg oder dem Zebrastreifen, zur Not auch einfach in zweiter Reihe. Für die Buslinie 215, die direkt an der Maickler-Grundschule vorbeiführt, gibt es oft kein Durchkommen mehr. Deswegen ist nun also die Elternhalte-stelle eingerichtet worden. „Wir erhoffen uns eine Verbesserung der Verkehrssituation“, sagt Meyer. Der Mann vom Ordnungsamt spricht von einem Pilot-versuch, das Verfahren sei mit der Schule und dem Auto Club Europa (ACE) abgestimmt worden. Bisher ist das Schild nur an der Maicklerschule angebracht und umfasst vier Parkplätze. Man wolle erst beobachten, ob es seinen Zweck erfüllt.

In Facebook-Gruppen wird heftig über das Schild diskutiert

Gut möglich, dass die Stadt mit der Extrawurst für Elterntaxis weitere Wünsche weckt. Im Internet schlägt eine Userin bereits vor: „Das Schild sollten sie vor den Christoph-Kindergarten machen.“ Und ein anderer Fellbacher ergänzt auf Facebook, dass es auch vor der Zeppelinschule jeden Morgen einen Stau durch Schulverkehr gebe. Hans-Jürgen Meyer vom Fellbacher Ordnungsamt spricht deshalb von einem „gesellschaftlichen Problem“. Die Eltern würden zwar gebeten, ihre Kinder nicht mit dem Auto zur Schule zu fahren. Wie das tägliche Chaos vor dem Schuleingang zeigt, fühlen sich aber nicht viele Mütter und Väter von dem Appell wirklich angesprochen. Laut einer forsa-Umfrage werden mittlerweile 20 Prozent der Kinder mit dem Elterntaxi zur Schule gebracht. Vor Jahrzehnten noch kam es nur in Ausnahmefällen vor, dass ein ABC-Schütze auf vier Rädern in den Unterricht rollte.

Schon 2013 befragte der ADAC Eltern nach ihren Motiven

In Facebook-Gruppen wird in Fellbach bereits heftig über das Schild diskutiert. „Unsereins ist zu jeder Jahreszeit bei jedem Wetter kilometerweit zu Fuß gelaufen“, erinnert sich Sabine Ammann an ihre Jugend. Und Matthias Baum bestätigt die Notwendigkeit der Elternhaltestelle: „Es ist eine reine Katastrophe an dieser Schule. Die ganze Straße wird von Elterntaxis blockiert.“ Andere schreiben von mörderischen Wendemanövern. Schon 2013 befragte der ADAC zur Schule fahrende Eltern nach ihren Motiven. Zeitmangel war in der Umfrage noch das kleinste Problem. „Hauptursache für Hol- und Bringverkehr sind als unsicher empfundene Schulwege“, heißt es. Ironischerweise zeigt die Unfallstatistik, dass es für Kinder gefährlicher ist, im Auto mit zu fahren als zu Fuß zu gehen.

Vorreiter ist Fellbach mit der Elternhaltestelle übrigens nicht. In Karlsruhe, Memmingen oder auch Graz wurden ähnliche Schilder aufgestellt. In Mühlheim zog Schulleiter Martin Zeller nach dreimonatiger Testphase eine positive Bilanz: Vor den Toren seiner Grundschule, gab er zu Protokoll, gehe es jetzt ruhiger zu.

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