Burkard Miller vor seiner neuen Schule in der Ludwigstraße. Foto: Eva Funke

In zwei Klassenzimmern des Stuttgarter Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums kann aufgrund fehlender Brandschutzmaßnahmen nicht unterrichtet werden. Ob sich die Maßnahmen bis nach den Herbstferien erledigen lassen, ist ungewiss.

S-Nord - „Der Mann ist eine Rakete“. Damit meint der Hausmeister des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums (Ebelu) den kommissarischen Schulleiter Burkard Miller. Und der flitzt über den Schulhof und erklärt den neuen Fünftklässlern, wo sie zur Einschulungsfeier hin müssen. Die beginnt um 11 Uhr. Jetzt ist es 10.15 Uhr, und Miller muss seine Rede noch vorbereiten. „Das schaff ich“, sagt er, schnappt sich ein belegtes Brötchen vom Buffet, denn gefrühstückt hat er noch nicht und zeigt auf das Schild: „Eberhard-Ludwigs-Gymnasium“ an der Fassade. „Es wurde gerade noch rechtzeitig geliefert“, sagt Miller.

Am Ebelu herrscht Trubel, wie immer, wenn nach den Sommerferien die Schule los geht. Allerdings ist es noch turbulenter als sonst. Denn 450 Schüler und ihre Lehrer sind erstmals in ihrem Interimsgebäude Ludwigstraße. Während es mit der Montage des Schilds geklappt hat, gingen andere Dinge nicht so problemlos über die Bühne: Die Lehrer standen am ersten Schultag vor dem Lehrerzimmer, konnten nicht rein. Das Schloss ist ausgewechselt worden, und die Software dafür hat nicht funktioniert. „Das haben meine Kollegen und ich mit Humor genommen“, sagt Miller. Damit die Lehrer nicht ausgesperrt bleiben, hat der Hausmeister ein provisorisches Schloss eingebaut.

Nicht mit Humor, sondern enttäuscht reagierte das Kollegium auf die Tatsache, dass in den beiden Klassenräumen im zweiten Untergeschoss doch nicht unterrichtet werden kann. Die Bauarbeiten, die für den Brandschutz notwendig sind, stehen noch aus. Grund ist nach Auskunft von Philipp Forstner vom Schulverwaltungsamt, dass die Baufirmen ausgelastet waren. Ob die Arbeiten bis zu den Herbstferien erledigt werden können, ist noch unklar. Forstner: „Das hängt von den Lieferzeiten für Bauteile ab und von der noch ausstehenden baurechtlichen Genehmigung.“ Weil die Räume dringend benötigt werden, hat die Schule zugestimmt, dass die Arbeiten während des Schulbetriebs ausgeführt werden können. Miller: „Weil Beton gesägt werden muss, wird das laut.“

Einschulungsfeier in der Pauluskirche

Ein Tauziehen mit der Schulverwaltung gab es laut Schulleitung auch um die Proberäume fürs Orchester des Musikgymnasium des Ebelu. Die Behörde hält die Mensa dafür für geeignet und verweist außerdem auf eine Vereinbarung, dass der Raumbedarf durch die Musik- und Musikhochschule gedeckt wird, falls an der Schule zu wenig Proberäume vorhanden sind. Laut Miller ist die Mensa jedoch zu klein und zu niedrig. Außerdem passten in die Übungsräume im neuen Quartier keine Flügel. Die Paulusgemeinde hat angeboten, dass die jungen Musiker im Gemeindehaus proben können. Doch das kostet Miete, und die wollte die Behörde zunächst nicht übernehmen. „Im Nachklapp hat das Amt sich einverstanden erklärt“, so Miller. Für repräsentative Anlässe wie jetzt die Einschulungsfeier der neuen Fünftklässler gibt es im Interimsbau ebenfalls keine passenden Räume. Die Schulverwaltung hatte dafür plädierte, auf städtische Einrichtungen wie Turnhallen auszuweichen. Dafür genutzt wird jetzt die nur hundert Meter entfernte Pauluskirche. Allerdings muss das Ebelu die Kosten dafür aus dem Schuletat bestreiten.

Die Schüler haben derweil die neue Umgebung gut angenommen. „Die Klassenzimmer sind viel größer als vorher sagt Marius (13). Das finden Artur und Oskar (12 und 13) auch. Sie kritisieren allerdings, dass Fahrradständer fehlen. Über die größeren Klassenzimmer freuen sich Miller und seine Kollegen genau so wie ihre Schüler. Die fehlenden Fahrradständer werden laut Miller noch geliefert. Außerdem haben die Schüler künftig längere Pausen, damit die Lehrer, die noch an einem Gebäude im Herdweg unterrichten, genügend Zeit haben, zwischen den Standorten hin- und her zu pendeln. Damit das nicht auf Kosten der Unterrichtsdauer geht, beginnt die Schule statt um 8 Uhr bereits um 7.50 Uhr und endet statt um 13.10 erst um 13.20 Uhr.

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