Am Schulstandort Stammheim herrscht akuter Platzmangel. Foto: Bernd Zeyer

Am Schulstandort Stammheim stocken die Umbaumaßnahmen und es herrscht akuter Platzmangel. Rektoren der beiden Schulen haben im Bezirksbeirat von der dramatischen Situation berichtet.

Stammheim - Auf ausdrücklichen Wunsch der Bezirksbeiräte ging es in deren jüngster Sitzung um den Schulstandort Stammheim. Sowohl Anja Paky-Hofherr, die Rektorin der Grundschule, Philipp Malhotra, der Leiter der Park-Realschule, als auch Schulsozialarbeiter Andreas Fischer waren in die Hohensteinhalle gekommen, um die Situation aus ihren Blickwinkeln zu schildern.

„Wir wissen nicht mehr, wo wir die Kinder unterbringen sollen“, sagte Anja Paky-Hofherr und brachte damit die Situation am gesamten Schulstandort auf den Punkt: Der Platzmangel bestimmt den Alltag an den beiden Lehranstalten, die sich den Standort am Fliegenweg teilen. Alle Räume seien doppelt belegt, weder für die Inklusionsschüler noch für Konferenzen stünden eigene Zimmer zur Verfügung. Selbst das Lehrerzimmer müssten sich die Kollegen der beiden Schulen teilen. „Elterngespräche müssen auf dem Flur stattfinden“, berichtete Paky-Hofherr und meinte: „Wir stapeln uns gefühlt in den Räumen.“ Nur die Erstklässler könnten am Standort essen, alle anderen müssten dies außerhalb tun.

Zu wenig Platz, zu viele Schüler

Philipp Malhotra bestätigte diese Zustände. Es gebe keinerlei Räume für vertrauliche Gespräche, zudem könnten die Kinder ihrem Bewegungsdrang nicht nachkommen, da der Pausenhof aufgrund der Bauarbeiten viel zu eng sei. Gebe es momentan nicht die Corona-Einschränkungen, würden sich dort rund 1000 Kinder auf engstem Raum drängen. Er habe große Bedenken, wenn er an den bevorstehenden Wechselunterricht denke. Malhotra erläuterte, dass der Interimsschulhof eigentlich im Herbst/Winter hätte fertig werden sollen, nun werde es voraussichtlich Mai. Auch andere Arbeiten würden sich immer weiter verzögern – beispielsweise der Bau der Grundschule, statt August sei nun wohl Mai 2022 angedacht. Praktisch alle Arbeiten würden um ein bis fünf Jahre nach hinten verschoben. Nach aktuellem Kenntnisstand gehe er davon aus, dass erst 2031 alles fertig werde.

Beide Schulleiter kritisierten die Informationspolitik der beteiligten Behörden als auch deren gegenseitige Zusammenarbeit. Paky-Hofherr erläuterte, dass sie manchmal erst von den Arbeitern erfahre, wenn etwas gerade gemacht werde. „Das Schulverwaltungsamt sollte öfter vor Ort sein“, forderte Malhotra.

Andreas Fischer, Sozialarbeiter an der Grundschule, erläuterte, dass die Situation den Kindern großen Stress bereite: „Der Schulstandort ist stark belastet.“ Umso wichtiger sei es, die Schulsozialarbeit zu erhöhen. Momentan sei nur eine 50-Prozent-Stelle, also 20 Wochenstunden, genehmigt. Das reiche nicht.

Bezirksbeiräte sind fassungslos

„Fassungslos“ zeigte sich Bezirksvorsteherin Susanne Korge, nachdem die Berichte geendet hatten. Diese Meinung traf auf breiten Konsens am Ratstisch. „Wir stehen vor einem Trümmerhaufen, und es wird immer noch schlechter“, meinte Judith Vowinkel (SPD) und sagte: „Wir wollen Transparenz und eine Planungsperspektive.“ Brigitte Lauber (Bündnis 90/Die Grünen) schlug vor, leere Kita-Räume sozusagen auf die Schulen umzuschichten, um wenigstens etwas zusätzlichen Platz zu bekommen. „Das wird schwierig“, entgegnete Susanne Korge, versprach aber, nachzufragen.

Am Dienstag, 4. Mai, trifft sich der Stammheimer Bezirksbeirat zu seiner nächsten Sitzung. Es ist vorgesehen, dass dann Schulverwaltungsamt und Hochbauamt zur baulichen Situation Stellung nehmen. „Die Sitzung wird spannend“, sagte Korge – und erntete allgemeines Kopfnicken in der Runde.

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