Trotz teils schwieriger Umstände würden die Schulsozialarbeiter der SOS-Kinderdörfer ihren Beruf so wieder wählen. Foto: /Giacinto Carlucci​

Die Schulsozialarbeit in Göppingen kann Schüler und Lehrkräfte unterstützen und ihnen bei Problemen zur Seite stehen. Nun soll sie umstrukturiert werden. Wie geht es den Beschäftigten damit? Einblick in eine herausfordernde Arbeit.

In einer Debatte des Göppinger Gemeinderat wurde kürzlich beschlossen, die 15,15 Stellen der Schulsozialarbeit in Göppingen keinesfalls aufzustocken. Die bestehenden Stellen werden zudem umverteilt, mit der Gefahr, dass manche Schüler weniger Unterstützung erhalten könnten. Beate Wagner vom SOS-Kinderdorf in Göppingen berichtet, dass die Schulsozialarbeit vermehrt in Anspruch genommen wird. Die psychischen Belastungen der Kinder und Jugendlichen führt sie zum einen auf die Nachwirkungen der Corona-Pandemie zurück. Zum anderen habe aber auch das Aufwachsen der Kinder mit einer gewissen Omnipräsenz der sozialen Medien Auswirkung auf die Aufmerksamkeitsspanne und die Psyche der Kinder. Dennoch kann sie den hohen Zahlen der Kinder, die Schulsozialarbeit in Anspruch nehmen, auch etwas Positives abgewinnen. „Die Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen, ist definitiv gesunken“, früher sei die Schulsozialarbeit verpönt gewesen, jetzt seien die meisten dankbar für das Angebot.

 

Schulsozialarbeit als Qualitätsmerkmal

Schulsozialarbeit werde heute als Qualitätsmerkmal wahrgenommen, sagte Wagner. Dennoch fehle es definitiv an Stellen, gerade schwierige Fälle würden viele Kapazitäten bündeln, da bliebe kaum noch Zeit für andere Angebote, wie Schülercafés oder Pausenangebote, berichtete Wagner von Erfahrungen ihrer Kollegen.

Helen Scholz ist Schulsozialarbeiterin an der Walther-Hensel-Schule in Göppingen. „Mein Vormittag ist stark geprägt durch Beratungen“, erklärt sie. Hierbei gehe es mal um kleinere Streitigkeiten und Konflikte, welche die Schüler nicht selbstständig schlichten können, über Selbstwertstärkung, bis hin zu schwereren Themen wie Abklärung von Kindeswohlgefährdung oder Suizidalität. So bunt gemischt die Schüler hier sind, so vielfältig seien auch ihre Themen, beschreibt Scholz. Ist sie nicht in Beratungen gebunden, gehöre unter anderem die Begleitung einer Vorbereitungsklasse zu ihren Aufgaben. „In den Vorbereitungsklassen sind Schüler, die noch nicht so lange in Deutschland leben und noch wenige bis keine Deutschkenntnisse haben“, beschreibt die Schulsozialarbeiterin.

Ein „vielfältiger und bunter Job“

Außerdem organisiere sie zusammen mit ihrer Kollegin regelmäßig Klassenprojekte zur Stärkung des Zusammenhalts. Regelmäßige Austauschtermine mit der Schulleitung und Gespräche mit den Lehrkräften gehörten genauso zu ihrem Berufsalltag wie die Suche nach Therapieplätzen, Gespräche mit Eltern oder die Suche nach weiteren Anlaufstellen für ihre Klienten. In regelmäßigen Teamsitzungen mit anderen Schulsozialarbeitern und Supervisionen könne sie über ihre Fälle sprechen und sich mit ihren Kollegen austauschen, beschreibt Scholz. Auf die Frage, ob sie ihren Job heute wieder ergreifen würde, antwortet sie mit einem klaren Ja. „Mein Job ist bunt, vielfältig und bietet jeden Tag neue Herausforderungen, die immer wieder durch sichtbar werdende Fortschritte belohnt werden.“ Das sei für sie das Schönste an ihrer Arbeit.

Der Alltag von Anna Glaser sieht ähnlich aus, sie arbeitet sowohl am Werner-Heisenberg-Gymnasium, als auch an der Janusz-Korczak-Grundschule als Schulsozialarbeiterin. Ihr Morgen am WHG beginne ebenfalls mit Beratungsgesprächen, beispielsweise in der Streitschlichtung. Aber auch Beratungsgespräche mit Klassenlehrern gehörten zu ihrem Alltag. „In einer neunten Klasse fällt ein Schüler immer wieder mit seinem Verhalten im Unterricht und in den Pausen auf“, gemeinsam würden dann Handlungsoptionen besprochen, zu denen auch ein Gespräch mit ihr gehörte. Zudem gäbe es einen wöchentlichen Jour fixe mit der Schulleitung, bei welchem Fälle und Projekte be- und abgesprochen werden.

Projekte mit Klassen gehören zu ihrem Alltag

Auch Gespräche mit Eltern fänden öfter statt, manche würden sich Hilfe suchend an sie wenden, berichtet Glaser. Projekte mit Klassen, Dokumentation und Planung von Projekten gehörten genauso zu ihrem Alltag wie die nachmittäglichen Teambesprechungen. Diese sieht sie als sehr wichtig, da „der wöchentliche Austausch die Schulsozialarbeitenden stärkt, die häufig Einzelkämpfer an den Schulen sind.“

Ein Traumjob – trotz aller Widrigkeiten

Berufswahl
 Trotz all der Umstände würden sowohl Wagner als auch ihre Kollegen den Beruf der Schulsozialarbeit heute wieder ergreifen. Der Beruf gebe ihnen viel Freude, „es kommt viel zurück.“ Wie beispielsweise leuchtende Kinderaugen und die Offenheit der Kinder und Jugendlichen. Man begleite die Kinder von der fünften Klasse bis zum Abschluss und sehe die Entwicklung, erklärt Wagner. ​

Kapazität
 Trotz allem wünschen sie und ihre Kollegen sich, dass mehr Kapazitäten für die Schulsozialarbeit bereitgehalten würden, in manchen Schulen gäbe es nicht einmal gesonderte Räume für die Schulsozialarbeit. Auch bräuchte es mehr Männer, die den Beruf ergreifen.