Luftig und mit einem Hauch von weiter Welt– so stellen sich Schüler des Fanny-Leicht-Gymnasiums ihre Schultoiletten vor Foto: Lichtgut/Christian Hass

Schultoiletten waren lange ein Stiefkind der Schulverwaltung. Nach und nach arbeitet die Verwaltung nun die dringendsten Sanierungsfälle ab, doch auch Schüler beteiligen sich an der Verschönerung des stillen Örtchens.

Stuttgart - Gesprenkelte Fliesenböden, graue Wände, traurig herabhängende Türklinken und Berge von Papierhandtüchern auf dem Boden – solche Bilder ruft der Gedanke an Schulklos hervor. Am Fanny-Leicht-Gymnasium in Vaihingen soll das jetzt anders werden. „Die Schülermitverwaltung (SMV) hat befunden, dass die Toiletten nicht gerade der sehenswerteste Ort der Schule sind“, sagt Elias Zia (18) von der SMV, Schüler der zwölften Klasse. Sieben Schultoiletten gibt es insgesamt in dem Gymnasium, vier davon sind laut Gerda Mendler vor einigen Jahren saniert worden. „Wir wollten, dass die Schüler selbst kreativ werden, in Zusammenarbeit mit Eltern und Lehrern“, sagt die Rektorin. Daraufhin organisierte die SMV einen Wettbewerb ums Schulklo.

Eine Weltkarte im Jungensklo

„Alle Klassen konnten Konzepte einschicken, die sieben besten haben wir ausgewählt“, erläutert Luca Frommelt von der SMV. Für diese sieben Klassen haben der Freundeskreis und der Elternbeirat jeweils 100 Euro zur Verfügung gestellt Sie ließen die Wände der Toiletten vorstreichen und warten jetzt gespannt auf das Ergebnis, das am kommenden Donnerstag präsentiert wird. Ein Blick in die Toiletten zeigt, dass sie zum Kunstraum geworden sind. In einer schwärmen unzählige bunte Schmetterlinge über die Wand, der Willkommensgruß ist in mehreren Sprachen aufgetragen. Lena Fux (15) zeigt, was der neunten Klasse wichtig war: Jede Kabine ansprechend zu machen – mit Fotos, Zeichnungen und Symbolen für unterschiedliche Themen wie Schönheit, Musik oder weite Welt. Eine sechste Klasse spielt im Jungensklo mit den Umrissen all jener Länder, mit denen das Fanny den Schüleraustausch pflegt. Ein Relief, mit Sprühdose in Regenbogenfarben getaucht, zeigt eine Weltkarte.

Während dort harte Kontraste vorherrschen, haben die Fünftklässler das Mädchenklo zu einem hellen Platz für „Luxus-Girls“ gemacht: Glitzersteine, Töpfchen mit Kräuterimitaten und Motive aus der Natur machen das stille Örtchen zum romantischen. Die Achtklässler wiederum gestalteten ihre Toilette zu einem Jet der „fanny-airlines“: Wer auf dem Klo sitzt, ist flankiert von typischen Flugzeugbullaugen, die aus Folie ausgeschnitten und aufgeklebt wurden.

Jury bestimmt drei Gewinner

Bis zu diesem Montag hatten die Gymnasiasten noch Zeit für den Feinschliff, dann begutachtete eine Jury aus Schülern, Eltern, Lehrern und der Schulleitung das Ergebnis und bestimmt drei Gewinner. Die Plätze vier bis sieben bekommen einen Trostpreis, die Drittplatzierten dürfen einen Tag im Klettergarten verbringen, die Klasse, die den zweiten Platz ergattern, gewinnt einen Kinobesuch, und die Gewinnerklasse darf einen Tag im Fellbacher Freizeitbad F3 verbringen. Eine Prognose wagt keiner, Jakob Schulz-Klein (15) legt Wert auf Fairness und sagt: „Möge der Bessere gewinnen.“

Das Thema Schultoiletten beschäftigt die Verwaltung schon seit mehreren Jahren. Übler Gestank, defekte Wasserspülungen, angeschlagene Becken waren in vielen Schulen Grund für Ärger. Im Jahr 2013 sind im Rahmen des Schulsanierungsprogramms der Stadt Stuttgart die Toilettenanlagen an 22 Schulen auf einen neuen Stand gebracht worden zum Preis von 2,684 Millionen Euro, im Doppelhaushalt 2014/15 standen weitere 8,098 Millionen Euro für weitere 40 Schulen zur Verfügung. In den nächsten zwei Jahren stehen die Sanitärräume der Louis-Leitz-Schule, der Schwabschule, der Silcher-/Haldenrainschule und der Ernst-Abbe-Schule auf dem Sanierungsprogramm der Stadt. Bei der Leibnitz-Schule und der Schloss-Realschule für Mädchen müssen für unerwartete Mehrkosten zusätzlich 190 000 Euro investiert werden.

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