Burkard Miller geht davon aus, dass die Umzugskartons bald gepackt werden. Foto: Eva Funke

Das Musikgymnasium des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums arbeitet künftig mit den Stuttgarter Chören zusammen. Die ersten jungen Sänger sind bereits angemeldet. Und dann steht da noch der große Umzug an . . .

S-Nord - Der Brief von Bürgermeisterin Isabel Fezer liegt bereits auf dem Schreibtisch von Burkard Miller: es geht darin um den Startschuss für den Umzug des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums (Ebelu) in das Interims-Gebäude an der Ludwigstraße. „Wir sind zuversichtlich, dass wir in diesen Sommerferien tatsächlich umziehen und es endlich mit der Sanierung der Schule und auch mit dem Neubau losgeht“, sagt er.

Miller ist stellvertretender Schulleiter am Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums und hat nach dem für alle überraschenden Wechsel der Ex- Schulleiterin Karin Winkler in das neue Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung kommissarisch die Schulleitung übernommen. Damit verbunden ist auch die Planung für den Umzug, der im vergangenen Jahr kurz bevor es los gehen sollte auf Grund von Einsprüchen aus der Nachbarschaft gestoppt werden musste.

Diesmal ist die Schule mit den Vorbereitungen noch ein Stück weiter als im vergangenen Jahr: Rund 450 von insgesamt 1200 Umzugskartons stapeln sich bereits vor der Turnhalle und die Termine mit der Umzugsfirma stehen: Zwei Wochen vor den großen Ferien geht es los.

Nach dem ersten Schreck über Winklers plötzlichen Abgang haben das Kollegium, Schüler und Eltern ein Stück Gelassenheit zurückgewonnen: „Die Organisation des Umzugablaufs ist zwar eine große Herausforderung. Aber sehr viele Kollegen haben ihre Hilfe angeboten, und Eltern machen bei den Projekttagen vor den Ferien mit und übernehmen die Leitung Wandergruppen, sodass wir früh loslegen können“, sagt Miller. Dass Karin Winkler sich anderen Aufgaben zuwendet, hat auch er erst etwa drei Wochen vor dem Wechsel erfahren. „Sie war die ideale Chefin“, bedauert er.

Rund 100 Schülerinnen und Schüler sind am Musikgymnasium

Auf die Anmeldungen im Ebelu hat sich laut Miller die Aufregung um die Schulsanierung, deren Verzögerung und der Wechsel in der Schulleitung nicht ausgewirkt. „Wir haben zwei gut gefüllte Klassen mit jeweils 28 Schülerinnen und Schülern“, stellt Miller fest und wundert sich selbst darüber, dass die Skepsis der Eltern im Vergleich zum vergangenen in diesem Jahr kaum eine Rolle gespielt hat.

Von den rund 450 Schülerinnen und Schülern besuchen mittlerweile rund 100 das 2013 gegründete Musikgymnasium des Ebelu – eine Zahl, die Miller, der selbst Musiklehrer ist, freut. „Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden“, sagt er. In diesem Jahr aufgenommen worden sind rund ein Dutzend Schülerinnen und Schüler. Erstmals dabei sind auch Kinder von den Hymnus-Chorknaben, dem Knabenchor Collegium iuvenum Stuttgart und der Mädchenkantorei. „Zu der Öffnung entschlossen haben wir uns, weil es auch unter den jungen Sängern große Talente gibt“, stellt Miller fest.

Dass das Gymnasium zunächst nur Kinder, die ein Instrument spielen, aufgenommen hat, erklärt Miller damit, dass sich die Stimme der Jungs im Stimmbruch und aber auch die der Mädchen in der Pubertät so stark verändern kann, dass sie den hohen Anforderungen des Musikgymnasiums nicht standhält. Miller: „Einmal im Jahr sind Prüfungen. Wer durchfällt, muss das Musikgymnasium verlassen.“ Damit das nicht passiert, werden die jungen Sänger angehalten, auch noch ein Instrument zu erlernen. „Dann sind sie in der 7. oder 8. Klasse soweit, dass sie die Anforderungen auf dem Instrument erfüllen können“, hofft Miller. Von der Zusammenarbeit mit dm Ebelu profitieren die Chöre, weil sie dann genau wissen, wann die Kinder schulfreie Nachmittage haben und die Chorproben zumindest für die Ebelu-Schüler in die freie Zeit legen können

Für die rund 100 Musikschüler am Ebelu hat der Umzug einen ganz großen Vorteil: Viele kommen mit der S-Bahn. Deren Haltestelle ist ganz in der Nähe des für drei Jahre gedachten Ausweichquartiers. Außer in der Ludwigstraße wird während der Bauphase auch im Modulgebäude am Herdweg 49 unterrichtet. Damit die Schülerinnen und Schüler die zwei Kilometer zwischen den Gebäuden in der Pause nicht hin- und her flitzen müssen, soll der Unterricht der in Fachräumen in der Ludwigstraße stattfinden muss, auf einen Tag gelegt werden. Außerdem sollen die Pausen verlängert werden, da die Lehrer ja hin- und her rennen müssen. Wie die Stundenpläne dann genau aussehen, daran tüftelt Miller noch.

Und wie geht es nach den großen Ferien mit der Schulleitung weiter? Die Bewerbungsphase für den Posten ist abgeschlossen. Ob Miller unter den Kandidaten ist?. Der 58-Jährige verneint das nicht.

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