In Baden-Württemberg steht eine Schulreform an. (Symbolbild) Foto: IMAGO/Funke Foto Services//

Nach der Verständigung der grün-schwarzen Koalition beim Thema Schulreform will Ministerpräsident Winfried Kretschmann um die Zustimmung von SPD und FDP werben. Die ersten Schulverbände sind angetan. Kritik übt der Landeselternbeirat.

Die ersten Reaktionen von Schul- und Lehrerverbänden auf die grün-schwarzen Vorstellungen über Strukturreformen im Schulsystem von Baden-Württemberg sind überwiegend zustimmend ausgefallen. Die Koalition hat sich nach langwierigen Verhandlungen auf die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium ab dem Schuljahr 2025/26, die Überführung der Haupt- und Werkrealschulen in Verbünde mit Real- oder Gemeinschaftsschulen und die Einführung verbindlicher Ganztagsgrundschulen in Bildungsbrennpunkten verständigt. Die Gymnasien sollen aber auch weiter die Möglichkeit haben, eigene G8-Züge anzubieten. Das Ziel ist ein schlankeres und leistungsfähigeres Bildungssystem.

 

Zudem will die Landesregierung die Entscheidungsfreiheit der Eltern über die Schullaufbahn ihrer Kinder durch eine Grundschulempfehlung mit höherer Verbindlichkeit wieder stärker beschränken. Während der Landeselternbeirat von einer Entmündigung der Eltern sprach, lobte der Realschullehrerverband diesen Schritt. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und auch der Verein für Gemeinschaftsschulen begrüßten die grün-schwarze Einigung.

Spitzengespräch am Donnerstag

Diese übertreffe seine Erwartungen, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in der Landespressekonferenz. Man habe sich „in einer sehr breiten Form über die ganz wichtigen Fragen geeinigt“. An diesem Donnerstag will er bei einem Spitzengespräch die Chancen ausloten, zwischen der Koalition und den Oppositionsparteien SPD und FDP zu einem übergreifenden Konsens über die Grundstrukturen des Bildungssystems im Land zu kommen.

Dabei betonte Kretschmann im Vorfeld dieses Bildungsallianzgesprächs die grundsätzliche Offenheit für Verbesserungsvorschläge der Opposition, zog aber enge finanzpolitische Grenzen. „Das Bessere ist immer der Feind des Guten. Wenn SPD und FDP Vorschläge bringen, die CDU und Grüne überzeugen, dann sind wir dafür selbstverständlich offen“, sagte der Regierungschef. „Die Milliarden-Geldsäcke, die die SPD sieht, haben wir definitiv nicht.“ Kretschmann machte in der Landespressekonferenz deutlich, dass Grüne und CDU mit ihren Reformvorschlägen aus seiner Sicht den Graben, der linkes und konservatives Lager in der Bildungspolitik traditionell trennt, bereits überbrückt haben.

Landesregierung unter Druck

Ursprünglich wollte Grün-Schwarz wegen Uneinigkeit in der Bildungspolitik in dieser Wahlperiode keine Schulreformen anpacken. Wegen der Unzufriedenheit mit dem achtjährigen Gymnasium und weil immer mehr Kinder und Jugendliche im Land nicht mehr ausreichend Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, ist die Landesregierung zunehmend unter Druck geraten.