Gabriele Roegers, Leiterin der Ludwig-Uhland-Schule (Mitte) und Elternvertreterin Silke Quass(rechts) versuchten, den Stadträten und Bürgermeister Alexander Ludwig (links) erneut die Vorteile einer Gemeinschaftsschule schmackhaft zu machen – vergeblich. Die bürgerlichen Fraktionen sorgen sich vielmehr um die Zukunft der Immanuel-Kant-Realschule. Foto: Natalie Kanter

Der zuständige Gemeinderatsausschuss hat die Debatte beendet. In Leinfelden-Echterdingen wird es vorerst keine Gemeinschaftsschule geben.

Leinfelden-Echterdingen - Nun ist also doch eine Entscheidung gefallen. In Leinfelden-Echterdingen wird es keine Gemeinschaftsschule (GMS) geben. Die Ludwig-Uhland-Schule (LUS) wird damit zunächst Grund- und Werkrealschule bleiben, aber wohl über kurz oder lang, vor allem dann, wenn die Anmeldezahlen weiter sinken, den Status einer weiterführenden Schule verlieren. Das steht seit Mittwoch fest.

Der Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss hat an diesem Abend gleich zweimal Nein gesagt. Nein zu der neuen Schulform und Nein dazu, die Entscheidung auf den Herbst zu verschieben. „Damit ist das Thema vom Tisch“, sagt Schulbürgermeister Alexander Ludwig einen Tag später der Zeitung. In den Gemeinderat, der das nächste Mal am 24. März tagt, werde dann wohl nur noch die abgespeckte Version des Verwaltungsvorschlages eingebracht.

Zwei Anträge – zwei Stoßrichtungen

Zur Erklärung: Auf Antrag der bürgerlichen Fraktionen wurden drei Punkte aus dem Empfehlungsbeschlussantrag gestrichen. Als Gegenstand der Beratung im Plenum bleibt dann nur noch der Auftrag an die Verwaltung, mit der Immanuel-Kant-Realschule (IKR) umgehend über deren Perspektiven und Ziele zu sprechen.

Zwei Anträge – mit ganz unterschiedlicher Stoßrichtung – haben für diese Entwicklung gesorgt. Zunächst hatte die SPD-Fraktion gemeinsam mit den Grünen die Verwaltungsspitze aufgefordert, beim Kultusministerium unverzüglich einen Antrag zur Weiterentwicklung der LUS zur Gemeinschaftschule zu stellen.

„Zahlreiche Städte wären froh, wenn sie eine Schule gehabt hätten, die von sich aus bereit ist, diesen Weg zu gehen“, sagte SPD-Stadträtin Barbara Sinner-Bartels. „Es geht um den Erhalt der Schule und den Erhalt eines ganztätigen Angebots“, ergänzte Grünen-Stadträtin Eva Barth-Rapp. Dieser Vorstoß fand aber keine Mehrheit im Ausschuss. Bei sechs Ja-Stimmen und acht Nein-Stimmen, darunter auch jene von Oberbürgermeister Roland Klenk, haben die Befürworter der neuen Schulart am Mittwoch den Kürzeren gezogen.

OB wollte Entscheidung verschieben

Das Papier richtete sich gegen die zwischen Ludwig und Klenk im Vorfeld der Sitzung ausgehandelte Kompromisslösung. Die Herren hatten sich darauf verständigt, die Entscheidung für oder gegen eine GMS auf das vierte Quartal 2015 zu verschieben. Treibende Kraft war hierbei allerdings der OB. „Ich sehe mich nicht in der Lage, diese Frage zu beantworten, solange nicht klar ist, was mit der Realschule passiert“, sagte Klenk zu Beginn des Tagungsordnungspunktes.

Der Hintergrund: Das Land plant zum Schuljahr 2016/2017 eine Schulgesetzänderung. Demnach kann an Realschulen künftig auch der Hauptschulabschluss absolviert werden.

Der Rathauschef stellte die Frage in den Raum: „Macht eine Gemeinschaftsschule dann überhaupt noch einen Sinn?“ Er hege vielmehr den Verdacht, dass, wenn man in L.-E. diese Schulart einführe, es zu massiven Konkurrenzverhältnissen komme. Vor allem dann, wenn sich die Realschule unter diesem Druck in Richtung Ganztagsschule entwickle.

Stadträte gegen Verschiebung

Ludwig dagegen erklärte in der Sitzung: „Ich persönlich könnte bereits jetzt dem Antrag der LUS zustimmen. Und: „Konkurrenz belebt nicht nur in der freien Marktwirtschaft das Geschäft.“

Mit einem Aufschub der Entscheidung mitgehen, das wollten aber auch die Kritiker der neuen Schulart nicht. Die Christdemokraten, die Freien Wähler und FDP-Stadträte beantragten, ebenfalls als Gruppe, die Diskussion um eine Gemeinschaftschule umgehend zu beenden und den Schulfrieden in L.-E. wieder herzustellen.

Sie erzielten mit sieben Ja- und sechs Nein-Stimmen sowie einer Enthaltung eine knappe Mehrheit. Drei Punkte wurden aus der Beschlussvorlage für den Gemeinderat gestrichen. Der Verwaltung, insbesondere Ludwig, wurde der klare Auftrag erteilt, unverzüglich Gespräche mit der Realschule zu deren Perspektiven und Zielen aufzunehmen. „Das halten wir für dringend notwendig“, erklärte Ilona Koch (CDU) dazu in der Sitzung.

Ärger über Bürgermeister Ludwig

Die Stadträtin las im Auftrag der bürgerlichen Fraktionen deren mehrseitige Stellungnahme vor. Unter anderem heißt es darin: „Seit November liegt das Konzept der Landesregierung zur Weiterentwicklung der Realschulen vor.“ Die Verwaltung habe darauf nicht reagiert. Es werde umgehend eine umfassende Unterstützung und Stärkung der Realschule erwartet. Wie zu erfahren war, hat man sich sehr über das Vorgehen des Schulbürgermeisters geärgert, der bis dato zu diesem Thema mit der IKR-Leitung noch nicht gesprochen haben soll.

Umsonst zur Sitzung gekommen waren hingehen Gabriele Roegers, die Leiterin der LUS, und Silke Quass, die Vorsitzende des Gesamtelternbeirates. Sie versuchten vergeblich, den Kritikern unter den Stadträten erneut die Vorteile der neuen Schulart schmackhaft zu machen. „Der etwas andere pädagogische Ansatz kann Türen öffnen. Das würden wir gerne weiterverfolgen“, sagte Roegers. Zumal auf die Stadt, außer für den Kauf von Schulbüchern, kaum Kosten zukommen würden. Das Ganztagskonzept sei langjährig erprobt. „Jugendeinrichtungen und Vereine sitzen mit im Boot. Warum sollten wir das beenden?“ Fast das ganze Kollegium habe sich für die Gemeinschaftsschule ausgesprochen. „Warum sollten wir dies zurückweisen?“ Quass sprach sich für eine sachliche Diskussion aus. Eltern sollten eine weitere Wahlmöglichkeit für ihre Kinder erhalten. Doch daraus wird nun wohl eher nichts.

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