Die Zeit der Provisorien ist vorbei. Am Mittwoch wurde der Neubau von Esslingens jüngster Realschule offiziell eröffnet.
Die Neue Schule in der Pliensauvorstadt ist das jüngste Pflänzchen in der Esslinger Schullandschaft. Die Realschule wurde 2020 auf dem Gelände der ehemaligen Adalbert-Stifter-Schule gegründet, die 2019 als Werkrealschule wegen immer weiter sinkender Schülerzahlen aufgegeben wurde.
Die neue Realschule an der Eberhard-Bauer-Straße indes ist in den vergangenen fünf Jahren stetig gewachsen. Begonnen wurde mit 56 Schülerinnen und Schülern, vom kommenden Schuljahr an werden es 340 sein. Der Pionier-Jahrgang, der sich anmeldete, als es die Schule erst auf dem Papier gab, wird 2026 mittlere Reife machen. Von Anfang an war klar, dass der Bestandsbau der früheren Stifterschule für die mit drei Zügen geplante Realschule nicht ausreicht und auf dem Gelände erweitert werden muss.
Clusterartige Anordnung und flexible Raumgestaltung
Seit Anfang des Jahres ist der gut 18 Millionen teure Neubau fertig. Der Einzug war bereits im Februar, die offizielle Eröffnung fand am Mittwoch statt. Der Oberbürgermeister Matthias Klopfer zeigte sich begeistert von der modernen Architektur. Innen ist die Schule geprägt von Sichtbeton und hellem Holz. Die Klassenzimmer sind clusterartig angeordnet und je nach Lernform flexibel einsetzbar. Zum Konzept gehören auch zentrale Begegnungsflächen. Selbst die Treppen sind Aufenthaltsorte und zum Teil mit Kissen ausgestattet. „Sensationell – so muss eine Schule der Zukunft aussehen“, lobte Klopfer, der eifrig Fotos für seinen Sohn machte, der als Realschullehrer vom Fach ist.
Während der Bauzeit fand Unterricht auch in Containern statt
Einfach war es nicht, Unterricht und eine Großbaustelle unter einen Hut zu bringen. „Aber wir sind daran auch sehr gewachsen“, sagte die Schulleiterin Maren Hamm. Schülerinnen und Schüler mussten in ein Container-Dorf auf dem VfL-Postgelände ausweichen. Auch Räume der benachbarten Waldorfschule wurden interimsweise genutzt. Begonnen hatten die Arbeiten im März 2023, nachdem der Hauptriegel der Stifterschule abgerissen worden war. Ein Gebäude, das bereits 2012 saniert und überbaut wurde, blieb erhalten.
„Das Gebäude inspiriert und beflügelt“
Neu errichtet drei Gebäudeteile mit einer Fläche von rund 4350 Quadratmetern. Die Stahlbeton-Konstruktion nach Entwürfen des Esslingers Architektenbüros Fritzen 28 ist wie Flügel einer Windmühle angelegt. Das Gebäude besteht aus einem Fachklassentrakt für Biologie-, Physik-und Chemieunterricht sowie zwei Lernhäusern mit Klassenzimmern. In der Schnittstelle zwischen Alt- und Neubau gibt es einen Aufzug, sodass alle Bereiche barrierefrei erreichbar sind.
Die Windmühlen-Optik ist nicht nur Spielerei. Durch diese Anordnung sind innen wie außen Freiflächen entstanden, die für besondere Aktionen wie etwa Schulgarten oder ein grünes Klassenzimmer genutzt werden. „Wir merken, wie uns das Gebäude inspiriert und beflügelt“, sagte Maren Hamm.
Dass die Zeit der Provisorien vorbei ist, schlägt sich auch im Schulnamen nieder. Denn die Neue Schule legt ihren Arbeitstitel ab und heißt künftig nach einer der Mütter des Grundgesetzes Elisabeth-Selbert-Realschule. Bei dem Festakt würdigte der Schulsprecher Can Atli die Namensgeberin als Vorbild. Sie habe Werte wie Gleichberechtigung und Durchhaltevermögen vermittelt. Die Schule orientiert sich am Konzept der Neuen Autorität, bei dem ein gewaltfreies, sicheres und unterstützendes Umfeld im Vordergrund steht, ergänzte die Rektorin. Der Elternbeiratsvorsitzende Alexander Hampel lobte die besondere Schulgemeinschaft. „Es ist ein echtes Wir-Gefühl entstanden, das man überall spürt“, sagte er. „Diese Schule ist mehr als ein Bildungsort. Sie ist ein Ort der Persönlichkeitsentwicklung, der Chancen und des Aufbruchs“, hob die Schulamtsdirektorin Kirstin Braun hervor.