Jürgen Sautter nimmt seine Urkunde von Karin Bogen-Dittrich entgegen. Foto: Fatma Tetik

Schulleiter und Stadträte schwänzen eine Feierstunde für Rektor Jürgen Sautter an der Gotthard-Müller-Schule in Filderstadt-Bernhausen.

Filderstadt - Nach zwölf Jahren hängt Jürgen Sautter seinen Job als Schulleiter der Gotthard-Müller-Schule (GMS) an den Nagel. Langjährige Wegbegleiter, Freunde, Kollegen und Schüler verabschiedeten den 63-Jährigen am Mittwoch in der Gotthard-Müller-Halle. Dabei kam es auch zu einem Eklat, der die locker-heitere Stimmung überschattete. Bis auf zwei Fraktionsvorsitzende glänzten nicht nur die Filder­städter Stadträte durch Abwesenheit. Auffallend war auch das Fehlen vieler Schulleiter.

Der Geschäftsführende Schulleiter der Filderstädter Schulen, Ralph Schindler, hatte seine Teilnahme an der Veranstaltung abgesagt. Der Grund dafür war, so hieß es am Rande der Veranstaltung, dass Schindler als Sprecher der Schulleiter nicht auf die Rednerliste der Veranstaltung gesetzt worden war.

Eine persönliche Rede gewünscht

Sautter hatte sich für seinen Abschied stattdessen eine persönliche Rede von Peter Bizer, dem Schulleiter des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, gewünscht. Zwischen den beiden Rektoren war in den vergangenen Jahren eine enge Freundschaft entstanden. Die Beziehung Sautters zum Rektor der Werkrealschule Seefälle in Bonlanden, Ralph Schindler, gilt hingegen als schwierig und belastet.

„Es gab einen schriftlichen Aufruf von Herrn Schindler an die Schulleitungen, der Veranstaltung fernzubleiben“, so ein Informant, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Einen Boykottaufruf weist Schindler allerdings weit von sich. „Es ist ein Unding, mir so etwas zu unterstellen. Das wäre nicht nur ein höchst unprofessionelles, sondern auch ein unsoziales Verhalten“, äußerte sich Schindler auf Anfrage gegenüber unserer Zeitung.

Die Hälfte der Schulleiter hat gefehlt

Als Gründe für sein Fernbleiben führte er neben einer „dienstlichen Verpflichtung“ allerdings auch das schwierige Verhältnis zum Kollegen an. „Da ich nicht in meiner Funktion als Geschäftsführender Schulleiter eingeladen war, hatte ich folglich auch keinen Grund, der Verabschiedung beizuwohnen“, fügt er hinzu. In den Tagen vor der Veranstaltung habe er zwar in persönlichen Gesprächen einigen Schulleitern seine Beweggründe für die Absage mitgeteilt, per E-Mail zum Boykott aufgerufen zu haben, weist der Schulleiter jedoch entschieden von sich. „Dass unser Verhältnis getrübt war, ist kein Geheimnis, aber deshalb muss man meine Einschätzung nicht teilen“, so Schindler.

Fakt ist, dass etwa die Hälfte der Filder­städter Schulleiter bei der Feier gefehlt hat. Er sei „traurig, aber nicht erschüttert“, kommentierte Sautter die unschöne Begleitmusik. Er habe niemandem auf den Schlips treten wollen. „Ich wollte lediglich eine kleine, persönliche Abschiedsfeier“, so der Schulleiter, der nun Abschied nimmt.

„Die Gleise für die Gemeinschaftsschule gelegt“

Zu Wort kam neben Peter Bizer, der seinem Kollegen eine „engagierte Gelassenheit“ attestierte, auch Karin Bogen-Dittrich vom Staatlichen Schulamt Nürtingen, die Sautter noch von seiner Studienzeit kennt. Sie habe ihn als „uneitel und innovativ bis zum Schluss“ erlebt. „Es ist dir immer um die Sache gegangen, du hast Schulleitung als Teamaufgabe gesehen und Personen neben dir wachsen lassen“, so die Schulamtsdirektorin.

Oberbürgermeister Christoph Traub bezeichnete Jürgen Sautter als einen „Freund und Ratgeber in allen Lebenslagen auf dem Schulgelände. Ihre stets gerechte Haltung und die lösungsorientierten Diskussionen werden mir fehlen“, so das Stadtoberhaupt. Der langjährige Elternbeiratsvorsitzende Jens Fischer dankte für die konstruktive und zeitweise auch kritische Zusammenarbeit, die aber stets im Sinne der Schüler und Eltern gestanden habe. „Sie haben die Gleise für die Gemeinschaftsschule gelegt und die Weichen für die Zukunft gestellt“, so Fischer.

Umrahmt wurde die Abschiedsfeier von musikalischen Darbietungen aus der Schule und einer humorvollen Video- und Fotopräsentation mit Schüler- und Lehrerstimmen. Seinen Abschied krönte der Rektor, der sich nun stärker Familie, Freunden und Hobbys widmen möchte, mit einem Zitat von Marlene Dietrich: „Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Nur ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: