Das Kindertagheim wird zur Zeit noch von Schulkindern und Kindergartenkindern gemeinsam besucht. Foto: factum/Bach

Die Betreuung von Schulkindern wird 2018 umgestellt. Am späten Nachmittag sollen dann Angebote der Stadt die Ganztagsschule ergänzen. Eltern sind kritisch, sollen aber in die Detailplanung einbezogen werden.

Gerlingen - Eigentlich wollten Eltern, dass der Gemeinderat den Beschluss über die Änderung der Schulkindbetreuung aufschiebt – das haben sie nicht erreicht. Das Gremium entschied am Mittwochabend einstimmig, die Schulkindbetreuung aus dem Kindertagheim herauszunehmen. Die Eltern sollen aber weiter gehört und in die Detailplanung mit einbezogen werden. Vorgesehen sind Angebote der Stadt nach der nachmittäglichen Betreuung in der Schule. Jens König, der Vorsitzende des Gerlinger Gesamtelternbeirats, sieht das mit gemischten Gefühlen: Den Eltern gehe es vor allem um längere und flexiblere Betreuung. Er erkennt aber auch die Chance, die im Dialog liege: „Wir können richtig gute Ideen schaffen.“

Das Kindertagheim wurde vor Jahrzehnten als Modell gegründet – eine gemeinsame Einrichtung für Kindergarten- und Schulkinder, in deren Gruppen das Alter gemischt war. Das änderte sich im Lauf der Jahre: Es kamen immer mehr Schulkinder, dadurch gab es weniger Platz für Drei- bis Sechsjährige, eine geringe Auslastung am Vormittag und starken Besuch am Nachmittag. Das belastete nicht nur die Erzieherinnen.

Den Eltern sind bedarfsgerechte Öffnungszeiten wichtig

Mit dem Ausbau der Ganztagsschule im Herbst 2018 will die Stadt aus dem Tagheim eine reguläre Kita ohne Schulkinder machen – und stößt auf Widerstand von Eltern. Ihnen sind bedarfsgerechte Öffnungszeiten für ihre Grundschulkinder wichtig. Die Gespräche dazu brachten keine für alle akzeptable Lösung. Auch das Angebot, die Kernzeitbetreuung an der Breitwiesenschule aufzustocken und an der Pestalozzischule eine ergänzende Betreuung am Nachmittag einzuführen, wurde als zu unflexibel abgelehnt. Deshalb soll der Dialog zwischen Verwaltung und Eltern weitergehen. Bei den Gesprächen sollen Schulleitungen und der Gemeinderat eingebunden sein. Jens König begrüßt das und betont: „Wir müssen uns dafür Zeit nehmen. Vielleicht ist auch die Lösung der Stadt gut, und wir verstehen sie nur noch nicht, weil uns Informationen fehlen.“

„Wir wollen nicht mit dem Kopf durch die Wand“, betonte Petra Bischoff von den Freien Wählern. Für Barbara Günther (SPD) trägt die Stadtverwaltung nicht nur Verantwortung für die in ihren Einrichtungen betreuten Kinder, sondern auch für die beschäftigten Erzieherinnen. Die Umstellung des Kindertagheims sei „der Entwicklung geschuldet“, meinte Rolf Schneider (Grüne). Ihm fehle „die klare Kommunikation“, sagte er. Dem Argument, der Bund und das Land wollten Vorgaben machen und diese müsse man abwarten, entgegnete er: „Es kann lange dauern, bis da etwas Klares kommt.“ In Gerlingen solle man vorher herausfinden, was geschehen könne.

Stadt muss auch die Finanzierung regeln

„Die Landesregierung wird uns keine Räume und kein Personal rüberschieben“, sagte der Bürgermeister Georg Brenner. In der Stadt müsse man selbst überlegen, „wie kriegen wir das hin“ – auch die Finanzierung: „Alleine schaffen wir das nicht.“ Und die Erste Beigeordnete Martina Koch-Haßdenteufel sagte: „Wenn Ängste da sind, ist es legitim, im Gespräch zu bleiben.“ Der nächste Termin der Elternvertreter mit ihr ist in der kommenden Woche.

Dazu Peter Zydel von der FDP: „Wir müssen den Eltern sagen, was wir leisten können. Und die Eltern müssen sagen, was sie möchten. Und dann muss man aufeinander zugehen.“ Der „tatsächliche Flaschenhals“, so Christian Haag von der CDU, sei es, geeignetes Personal zu bekommen. Die Politik äußere Vorstellungen unabhängig vom Arbeitsmarkt. Deshalb sei es notwendig, Details erst später zu besprechen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: