Bereits beim Domino Day im vergangenen Herbst hat die Schulgemeinschaft Teamgeist unter Beweis gestellt. Foto: Roberto Bulgrin

Auf dem Papier sind die Schulen in Hohengehren und Baltmannsweiler längst eine Einheit. Dieser Prozess braucht seine Zeit. Doch jetzt tut sich was.

Baltmannsweiler - Aus zwei mach eins, so lautete die Formel, als die beiden Grundschulen in Baltmannsweiler und Hohengehren 2021 zu einer Bildungseinheit verschmolzen wurden. Formal ist diese Fusion längst vollzogen und der Schulalltag an den zwei Standorten wird von Rektor Friedemann Warth und Konrektorin Marlen Rommel organisiert. Damit das Zusammenleben auch inhaltlich funktioniert, arbeiten die Akteure an einem gemeinsamen Schulprofil, und auch die beiden Schulfördervereine streben die Vereinigung an.

 

Die beiden Fördervereine nähern sich an

Noch gibt es zwei eigenständige Vereine für Hohengehren und für Baltmannsweiler. Nachdem beide Vereine ihre Vorstandsteams neu gewählt haben, gab es ein erstes gemeinsames Treffen, bei dem sich die Beteiligten kennenlernen konnten und die Frage erörterten, wo sie künftig gemeinsam ansetzen könnten. „Wir wollen die Kinder in den Vordergrund stellen“ und es solle nicht um Befindlichkeiten zwischen den zwei Ortsteilen gehen, auf diesen Nenner bringt Markus Weber das Anliegen des Vereins der Freunde und Förderer der Grundschule Baltmannsweiler. Weber möchte mit den Partnern in Hohengehren ein gemeinschaftliches und harmonisches Konzept in Sachen Schulförderung umsetzen und damit auch an Bewährtes wie die Forschertage im Wald, den Fredericktag oder das Selbstbehauptungstraining anknüpfen.

Gedacht werde außerdem an eine gemeinsam organisierte Einschulungsfeier, eine Eiersuche vor den Osterferien, aber auch an Kräuterwanderungen und Aktionen wie Müllsammeln. Und auch ein Schulfest soll endlich mal wieder stattfinden, falls es die pandemische Lage erlaubt.

Auch Claudia Moik vom Förderverein Hohengehren und ihre Mitstreiter sehen ihre Aufgabe darin, den Kindern etwas Gutes zu tun. Dazu habe man jetzt einen gemeinsamen Jahresplan erarbeitet, zu dem auch besagte Überraschungen vor den Ferien zählten. An den beiden Standorten seien annähernd gleiche Aktionen geplant und man wolle schauen, was sowieso schon gleich gemacht werde und was man adaptieren könne.

Das neue Miteinander spielerisch umgesetzt

Ein schönes Beispiel für das neue Miteinander der Schule mit zwei Standorten hat sich bereits im November mit dem gemeinsamen Domino Day ereignet. „Wir wollen damit zeigen, dass wir eine Schule sind“, unterstrich Rektor Friedemann Warth damals. „Bis September 2021 waren wir noch zwei eigenständige Grundschulen. Nun sind wir eine Grundschule unter einer Schulleitung“, hieß es ergänzend auf der Internetseite der Schule. Und diese enge Verbundenheit sollte mit dem Aktionstag an beiden Standorten lebendig werden, zumal die gemeinsame Aufgabe nach Monaten des Online-Unterrichts nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch das soziale Mitgefühl fördere.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Corona im Klassenzimmer

Ähnlich wie die Kettenreaktion beim Domino Day muss auch im gemeinsamen Schulalltag ein Rädchen ins nächste greifen. Für Warth liegt es auf der Hand, dass sich das entwickeln muss: „Das ist ein Prozess, der im Schulalltag noch spürbar ist“, erklärt der Pädagoge, der bereits als Konrektor in einer Grundschule im Remstal und sieben Jahre als Klassenlehrer in einer großen Gemeinschaftsschule arbeitete. Immerhin hätten die beiden Standorte Hohengehren und Baltmannsweiler über lange Zeit als völlig eigenständige Schulen mit ihren eigenen Schulleitungen agiert.

Bei ihm sei der Wunsch schon lange wach gewesen, die nächste Stufe zum Rektorenamt anzustreben. Und die Aufgabe in Baltmannsweiler mit dieser Fusion betrachte er als schöne Herausforderung. Und so sei auch die Fusion der beiden Schulfördervereine ein Prozess, der Zeit brauche und nicht übers Knie gebrochen werden solle.

Auf dem Weg zu einem neuen Leitbild

Entwicklung braucht Zeit, das zeigt auch die Arbeit an dem gemeinsamen Leitbild, an dem Lehrkräfte, Eltern und Schulleitung momentan arbeiten und das in ein neues Schulprofil münden soll. Fünf Leitsätze sind bereits von den Beteiligten formuliert worden. Darin geht es auch um „gegenseitige Wertschätzung, Toleranz, Anerkennung, Rücksichtnahme und Höflichkeit“. Mit gezielten Projekten und Angeboten der Schulsozialarbeit sollen „in Zusammenarbeit mit den Lehrkräften, soziale Kompetenzen in den Klassenstufen erkannt und gefördert. Durch diese Mitwirkung aller am Schulleben Beteiligten, entsteht die Grundlage für eine achtsame und vertrauensvolle Lebens- und Lernumgebung“, heißt es im ersten Leitsatz.

Leitsatz zwei ist der Gemeinschaft gewidmet und der förderlichen Schul- und Klassenatmosphäre die Kinder brauchen, „um sich wohl zu fühlen und sich individuell entfalten zu können. Lehr- und Lernkultur pflegen“, ist der dritte Leitsatz überschrieben, in dem es heißt: „Wir wecken die Freude am selbstständigen und eigenverantwortlichen Lernen, vermitteln passende Methoden und stärken durch eine positive Rückmeldekultur das Vertrauen in die persönliche Leistungsfähigkeit.“ Auch die Vernetzung mit außerschulischen Partnern wird postuliert. Für den Schutz der Umwelt und nachhaltiges Handeln möchte die Schule ebenfalls sensibilisieren und dies im Schulalltag umsetzen.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Die Kommune plagen Geldsorgen

Eine Schule an zwei Standorten

Führung
Die Grundschule Hohengehren hat ihre Eigenständigkeit im Sommer 2020 aufgegeben. Damals verabschiedete sich deren Rektor Bernhard Idler nach 27 Jahren in den Ruhestand. Bis zum Eintritt des neuen Rektors Friedemann Warth, der heute die beiden Standorte Hohengehren und Baltmannsweiler als eine Schule leitet, lag die kommissarische Leitung in den Händen von Konrektorin Marlen Rommel.

Aufgabe
Von den insgesamt 183 Schulkindern besuchen rund 70 die Schule in Hohengehren. An beiden Standorten wird Schulkindbetreuung angeboten.