Wenn die Föhrichschule frei wird, sollen die Räume von der Bach-Grundschule genutzt werden. Foto: Torsten Ströbele

Ein neuer Masterplan sieht vor, ehemalige Sonderschulen zusammenzulegen. Aus elf Standorten sollen sieben werden. Das löst vor allem in den betroffenen Stadtbezirken Kritik aus – auch in Feuerbach. Dort soll die Föhrichschule an die Seelachschule nach Weilimdorf ziehen.

Stuttgart-Feuerbach - Die Pläne der Stadtverwaltung, wie es ab dem kommenden Schuljahr mit den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) – also den ehemaligen Sonderschulen – mit dem Förderschwerpunkt Lernen weitergeht, stoßen in vielen Bezirksbeiräten auf Widerstand (wir berichteten). So auch in Feuerbach.

Die Föhrichschule ist eine von vier Einrichtungen in Stuttgart, die geschlossen beziehungsweise mit einer anderen Schule zusammengelegt werden soll. Im Fall der Feuerbacher Schule soll der Umzug der aktuell knapp 50 Schüler nach Weilimdorf erfolgen – in das Gebäude der Seelachschule. Dass die beiden Einrichtungen eng zusammenarbeiten, ist nicht neu. „Schon zum Schuljahresbeginn 2018/2019 war es schwierig, an beiden Standorten die Lehrerversorgung zu gewährleisten“, erklärte Philipp Forstner vom Schulverwaltungsamt in der jüngsten Sitzung des Feuerbacher Bezirksbeirates. „Die Zusammenführung läuft deshalb bereits, aber am Standort Föhrichschule.“

Auch die benachbarte Grundschule leidet am Raummangel

Warum nun der Standort wechseln soll, begründet Forstner unter anderem damit, dass die Entwicklung zur Ganztagsschule aus Platzgründen nur in Weilimdorf möglich sei. Zudem sei die Seelachschule besser mit dem Öffentlichen Personennahverkehr zu erreichen. Und: „Ich kann nicht verhehlen, dass der Raumbedarf an der benachbarten Bachschule auch ein Faktor ist.“ Das Schulverwaltungsamt würde gerne im Fall der Zusammenlegung der beiden SBBZ das Gebäude der Föhrichschule der nahe gelegenen Grundschule zur Verfügung stellen, die aufgrund steigender Schülerzahlen dringend mehr Platz benötigt.

Die Mehrheit der Bezirksbeiräte wollte einem Umzug nach Weilimdorf, der übrigens erst zum Schuljahr 2022/2023 erfolgen soll, nicht zustimmen. Dirk Teichmann (CDU) machte sich für den Schulstandort Feuerbach stark. Zudem liege Feuerbach wesentlich zentraler als Weilimdorf. Das sei ein entscheidender Faktor, nachdem auch Kinder aus Neuwirtshaus, Stammheim und Stuttgart-Nord dort beschult werden sollen. „Ganz überzeugt bin ich auch nicht“, sagte Sven Baumstark (SPD). Und Reiner Götz (Grüne) ergänzte: „Mir gefällt beides nicht. Weder der Umzug der Föhrichschule nach Weilimdorf, noch der Raumbedarf der Bachschule. Es ist schwer, sich zu entscheiden. Wenn wir gegen den Umzug stimmen, kommen Sie morgen wieder und fragen, was wir nun mit der Bachschule machen. Zu Recht.“ Zunächst wollte sich Götz bei der Abstimmung enthalten, votierte dann aber doch wie acht seiner Ratskollegen gegen eine Zusammenlegung am Standort Weilimdorf. Weitere neun Bezirksbeiräte enthielten sich.

Eine Konzeption zur Schülerbeförderung ist in Arbeit

Aber nicht nur der geplante Umzug nach Weilimdorf missfiel den Lokalpolitikern. Jochen Heidenwag (Freie Wähler) bemängelte beispielsweise die fehlende Lösung beim Thema Schülerbeförderung: „Warum ist in der Vorlage darüber nichts zu finden?“ Es sei absolut richtig, dass dies ein wichtiges Thema sei, sagte Forstner. In den nächsten Wochen werde es dazu einen ausgearbeiteten Vorschlag geben. „Die momentane Regelung muss überarbeitet werden. Sie sieht vor, dass eine Begleitperson ein Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr bekommt. Wir brauchen unbedingt andere Konzepte.“

Eine andere Lösung benötigt die Stadtverwaltung auch für die zwei sogenannten Igel-Klassen (Integrierte Gemeinsame Lerngruppe), die derzeit in der Seelachschule unterrichtet werden. Das Projekt, in dem die Albert-Schweitzer-Schule (privates SBBZ mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung), die Seelachschule und die sozialräumlichen Hilfen zur Erziehung zusammenarbeiten, besteht seit 2014 an der Schule. Die rund 20 Mädchen und Buben sollen künftig eine Kooperation mit einer Grundschule in Weilimdorf eingehen. „Gespräche laufen hierzu schon“, sagte Forstner.

Der Stuttgarter Gemeinderat hat vor, am 20. Mai über die neue Struktur der SBBZ abzustimmen.

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