Geht die Teichwiesenschule als Ganztagsschule in die Zukunft? Diese Entscheidung soll im Sommer fallen. Foto: factum/Weise

Die „Schulstadt“ Korntal-Münchingen hat in diesem Jahr wichtige Weichen für die Schulentwicklung gestellt. Viel Spielraum hatte sie dabei jedoch nicht – und von einigen Plänen musste sie Abstand nehmen.

Korntal-Münchingen - Korntal-Münchingen hat eine lange Tradition als Schulstadt. Es gibt diverse Schulformen, vom Gymnasium über die Realschule bis hin zur Förderschule. Im zu Ende gehenden Jahr wurden wichtige Weichen für die Schulentwicklung gestellt. Dabei mussten Verwaltung und Gemeinderat von ihren eigentlichen, umfangreichen Plänen zum Teil abweichen – weil andernfalls noch höhere Schulden drohten als die Stadt ohnehin machen muss.

Beinahe an jeder Schule gab es Handlungsbedarf. Die Realschule war viel zu eng geworden, auch in der Grundschule Teichwiesenschule in Korntal hätte es auf absehbare Zeit zu wenig Platz gegeben. Das Gymnasium musste ebenso aufwendig saniert werden wie die Flattichschule in Münchingen. Und am Münchinger Schulareal gab es Handlungsbedarf, was die Mensa angeht.

Eigentlich hatte der Gemeinderat schon richtungsweisende Beschlüsse gefasst. So sollten zwei Jahrgänge der Realschule in die leer werdenden Räume des auslaufenden Werkrealschulzweigs in Münchingen ziehen. Und auf dem dortigen Campus sollte ein eigenständiges Mensa-Gebäude neu gebaut werden. Weil mit diesem umfangreicheren Schulentwicklungsplan jedoch entsprechend hohe Kosten verbunden waren, stellte die Verwaltung diese Beschlüsse wieder in Frage – denn es hätte eine Verschuldung von bis zu 14 Millionen Euro im Jahr 2019 gedroht.

„Schulentwicklungsplanung light“

Die Verwaltung zauberte neue Ideen aus dem Hut, der Bürgermeister Joachim Wolf sprach damals von einer „Schulentwicklungsplanung light“. Der Gemeinderat verschob eine geplante Beschlussfassung über die Schulentwicklung zwar auf Antrag der CDU kurzerhand, weil es noch „erheblichen Diskussionsbedarf“ gegeben hat. In der Sommerpause traf sich der Gemeinderat eigens dafür noch einmal. Und beschloss: die Realschule bleibt vollständig am jetzigen Korntaler Standort. Weil es dort aber nach wie vor zu eng ist, werden die Züge reduziert. Die Klassen fünf bis sieben sollen nur noch dreizügig sein, erst von Klasse acht an sollen es vier Züge sein. Das könnte zu Lasten auswärtiger Schüler gehen, weil wohl mehr Schüler abgewiesen werden müssen.

In die frei werdenden Räume der Flattichschule zieht statt Realschülern die Strohgäuschule, die derzeit noch in der Teichwiesenschule in Korntal untergebracht ist. Damit gibt es dort mehr Platz, um auf den erweiterten Stundenplan zu reagieren – und einen möglichen Ganztag. Dessen Einführung an der Grundschule ist schon länger im Gespräch, die Schule hat einen Plan dafür erarbeitet. Viele Eltern waren jedoch dagegen, es wurden gar Unterschriften gesammelt. Der Schulleiter Gebhard Götz hingegen war lange ein Verfechter des Ganztags. Angesichts des Lehrermangels, durch den der Rektor schon im laufenden Betrieb Probleme hatte, alle Stellen zu besetzen, hat sich Götz zuletzt jedoch zurückhaltender geäußert. Der Gemeinderat hat den Grundsatzbeschluss mehrfach verschoben; im ersten Quartal des neuen Jahres soll er nun fallen.

Die Verschuldung steigt trotzdem

Die neue Mensa wollte die Verwaltung in ihrem ersten Änderungsvorschlag in ein bestehendes Schulgebäude in Münchingen integrieren. Beschlossen wurde dann im zweiten Anlauf jedoch, die Mensa tatsächlich als Neubau umzusetzen.

Umfassend saniert wurde seit 2011 das Gymnasium in Korntal, die Arbeiten sind größtenteils abgeschlossen. In der Flattichschule steht die Sanierung noch an; in seiner letzten Sitzung in diesem Jahr hat der Gemeinderat dafür die Weichen gestellt. Dabei werden auch die Voraussetzungen für den Umzug der Strohgäuschule im Frühjahr 2018 geschaffen, zudem gibt es grundsätzlichen Renovierungsbedarf. So ist eine zeitgemäße Medienausstattung geplant, ebenso ein neuer Innenanstrich und amoksichere Türbeschläge.

Bis Ende 2018 werden die verschiedenen Arbeiten andauern. Die für 2019 prognostizierte Verschuldung indes, die die Räte hatten eindämmen wollen, wird nun wohl schon Ende 2017 überschritten. Bis Ende des Jahres rechnet die Verwaltung mit Schulden von 16 Millionen Euro – trotz der „Schulentwicklung light“.

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