Immer weniger Schüler besuchen eine Haupt- oder Werkrealschule. Foto: dpa

Weil immer weniger Schüler eine Haupt- oder Werkrealschule besuchen sollen 18 Standorte in Stuttgart geschlossen werden. In Bad Cannstatt steht die Schillerschule in der Diskussion. Der Rektor und der Bezirksbeirat wehren sich.

Bad Cannstatt - Haupt- und Werkrealschulen werden bei Eltern und Schülern immer unbeliebter. Während im Stadtbezirk Bad Cannstatt zum Schuljahr 2004/2005 noch 36,8 Prozent aller Grundschüler in diese Schulart wechselten, waren es zum Beginn des laufenden Schuljahres gerade einmal 14,8 Prozent. Die Negativkurve habe zwar durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung im vergangenen Jahr nochmals einen Knick nach unten erfahren, der Trend als solcher zeichne sich aber schon lange ab, sagte Rudolf Steiner, der stellvertretende Leiter des Schulverwaltungsamts, dem Bezirksbeirat Bad Cannstatt am Mittwoch. Aus diesem Grund sollen im Stadtgebiet wie berichtet 18 Werkrealschulstandorte aufgegeben werden. In Bad Cannstatt steht die Schillerschule auf der Streichliste. Entscheidend für den Vorschlag, die Schillerschule aufzugeben, seien Schülerzahlen sowie strategische Überlegungen gewesen, sagte Steiner: „Die Qualität der Lehre war kein Kriterium.“ Vielmehr sei das Ziel, die verbleibenden Werkrealschulen möglichst gleichmäßig im Stadtgebiet zu verteilen, weshalb sich das Schulverwaltungsamt für die im westlichen Teil des Stadtbezirks liegende Altenburgschule und die am östlichen Ende Bad Cannstatts befindliche Eichendorffschule ausgesprochen habe.

Die Pädagogik kommt zu kurz

Gerade dieses Argument lässt Ralf Hermann, der Leiter der Schillerschule, nicht gelten: „Es kann nicht sein, dass ein Sekundarstufenstandort im Zentrum jetzt geschlossen wird.“ Die Schillerschule sei die am zentralsten gelegene Werkrealschule Cannstatts und man könne von Eltern und Schülern aus der Altstadt oder auch dem Kurparkviertel nicht erwarten, dass sie künftig für 39 Euro eine Karte für den öffentlichen Nahverkehr kauften, um auf den Hallschlag zur Schule zu gelangen. „Die Konsequenz wird sein, dass auch Schüler, die von ihren Fähigkeiten her nicht auf eine Realschule gehören, künftig auf die Jahn- und die Brunnenrealschule gehen werden“, prophezeit Hermann. In der Diskussion um die Zukunft der Werkrealschulen kommt ihm die Pädagogik zu kurz: „Die Schillerschule ist seit Anfang der 90er Jahre gebundene Ganztagsschule traditioneller Art, in der Lehrer sämtliche Aktivitäten am Nachmittag betreuen, und hat damit eine Sonderstellung“, so Hermann.

Rückendeckung aus dem Bezirksbeirat

Rückendeckung gab es für Hermann aus dem Bezirksbeirat. Alle Fraktionen sprachen sich am Mittwoch gegen eine Schließung des Werkrealschulstandorts Schillerschule aus und kritisierten, dass die Schulen zu wenig in den Prozess einbezogen wurden. „Jetzt schon eine Entscheidung zu treffen, wäre falsch“, sagte der Bezirksbeirat Peter Mielert (Grüne). Seiner Meinung nach sollten zumindest die Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr abgewartet werden. Auch Walter Opfermann (CDU) gab zu bedenken, dass es schon bald viele „Rückwanderer“ geben könnte. Allein der Schillerschule lägen bereits fünf Anfragen von Realschülern vor, die zum neuen Schulhalbjahr zurück auf die Werkrealschule wechseln wollten, sagte Ralf Hermann dem Bezirksbeirat.

Das Gremium stimmte schließlich bei einer Enthaltung der Beschlussvorlage zu – mit Ausnahme der Ziffer, in der es um den Stadtbezirk Bad Cannstatt geht. Außerdem verständigten sich die Lokalpolitiker darauf, den Unterausschuss Schulen einzuberufen, die Schulleiter zu hören und dann eine erneute Entscheidung zu treffen. Der Gemeinderat berät am 28. Februar über die Reduzierung der Haupt- und Werkrealschulstandorte.

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