Fächerübergreifender Unterricht in Klasse 7c: Annika und Amira basteln Bommel für Amiras Lebensschnecke. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Man kann die belastete Schulart Realschule in den Griff bekommen. Wie, das zeigt das Stuttgarter Beispiel der Jahn-Realschule. Aber es fordert den Pädagogen viel ab, gibt Inge Jacobs zu bedenken.

Stuttgart - Viele Realschulen sind in Not, weil die Schülerklientel und die Rahmenbedingungen nicht mehr zusammenpassen. Weil das Leistungsvermögen der Kinder zu unterschiedlich ist und viele einen Unterricht auf Realschulniveau nicht packen. Das muss aber nicht in Frust und Aggression enden. Die Jahn-Realschule in Stuttgart probiert neue Wege aus. Die orientieren sich viel stärker an den Bedürfnissen der Schüler als vorher. Gut so.

Aber so ein Weg erfordert auch ein sehr gutes Miteinander der Lehrer. Deren Arbeit im Team funktioniert nur, wenn die Chemie zwischen ihnen stimmt. Das bedeutet aber auch ein Umdenken. Als Einzelkämpfer kann ein Pädagoge heute kaum noch gewinnen. Und: Die Entwicklung eines neuen Schulkonzepts bedeutet sehr viel Zusatzarbeit für die Lehrer, für noch mehr Konferenzen und Absprachen, auch für Besuche an anderen Schulen. Doch auch das kann hilfreich sein, schon weil es den Blick weitet. Dass die Lehrer der Jahn-Realschule sogar Freizeit opfern, um ihren Schülern Arbeitsgemeinschaften anbieten zu können, ist zwar aller Ehren wert. Aber eigentlich wäre es Sache des Landes, dafür Stunden auszuweisen. Bezahlte Stunden. Wenn es denn genügend Lehrer gäbe.

Der Erfolg einer Schule hängt auch von ihrer Bereitschaft zur Veränderung ab

Dass die Jahn-Realschule keine Mühe hat, auf Stellenausschreibungen Pädagogen zu finden, belegt die Attraktivität und den Erfolg ihres neuen Profils. Im Umkehrschluss anderen Schulen vorzuwerfen, dass sie noch nicht so weit seien, wäre aber unfair. Zu unterschiedlich sind die Rahmenbedingungen der Schulen. Das betrifft nicht nur die Personalausstattung, die Zusammensetzung der Lehrerschaft und ihre Bereitschaft zur Veränderung, sondern auch die Schülerschaft. Es ist ein großer Unterschied, ob jeder zehnte dem Realschulniveau nicht folgen kann oder mehr als ein Drittel. Und es hängt auch viel davon ab, wie groß der Prozentsatz an Schülern ist, denen die Lehrer erst einmal einfachste soziale Regeln beibringen müssen.

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