Der Mensa-Neubau an der Hechinger Straße ist für maximal 584 Essen in zwei Schichten ausgelegt. Foto: Alexandra Kratz

Die Architekten haben mit den Schülern der Anne-Frank-Schule und der Heilbrunnenschule einen Workshop zur Fassadengestaltung ihrer neuen Mensa in Stuttgart-Möhringen gemacht.

Möhringen - Die Mensa wird das Herzstück auf dem neuen Campus. Für die Anne-Frank-Schule und die Heilbrunnenschule ist das neue Gebäude in erster Linie ein Muss, um eine angemessene Mittagsversorgung der Mädchen und Jungen sicherzustellen. Darüber hinaus soll sie aber auch der Anfang einer gemeinsamen Identität beider Schulen sein. So formulierte es der Architekt Nils Krause am Mittwochabend im Bezirksbeirat. Er und sein Kollege Joep Kuys vom Stuttgarter Büro Hammes-Krause waren gekommen, um den Lokalpolitikern die Pläne vorzustellen.

Die Mensa ist für maximal 584 Essen in zwei Schichten ausgelegt. Das eingeschossige Gebäude befindet sich an der Hechinger Straße im Eingangsbereich der Anne-Frank-Schule. Das Gebäude gliedert sich in einen Küchen- und Sanitärbereich in Massivbauweise mit Flachdach. Daran schließt sich der Speisesaal an. Und dieser wird etwas Besonderes.

Wand- und Dacheinkleidung aus bunten Aluminiumschindeln

„Wir wollten ein Haus bauen, dass sich bewusst von den bestehenden Betonbauten aus den 60er und 70er Jahren unterscheidet“, sagte Kuys. Darum sei die Entscheidung für ein Satteldach schnell gefallen. Auf Wunsch der Bezirksbeiräte war der Bau gedreht worden, sodass der Giebel mit der großen Glasfassade in Richtung Heilbrunnenschule zeigt. Das allein war den Architekten aber nicht genug. „Wir wollten nicht einfach die Mensa als Campus-Herz implantieren, sondern dessen Gestaltung gemeinsam mit den Schülern entwickeln“, sagte Kuys.

Der Speisesaal wird eine Holzkonstruktion mit einer Wand- und Dacheinkleidung aus bunten Aluminiumschindeln. Mit der Gestaltung dieser Schindeln haben sich die Schüler in einem Workshop beschäftigt. Zu diesem hatten die Architekten gemeinsam mit dem Hochbauamt und dem Schulverwaltungsamt eingeladen.

Workshop-Teilnehmer entwickeln vier Entwürfe

An sieben Nachmittagen trafen sich zwölf Mädchen und Jungen mit den Architekten. Sie legten Muster aus kleinen Mosaiksteinen aus Papier, welche die Schindeln symbolisierten. So entstanden vier Entwürfe mit den Titeln „Blumenwiese“, „Zirkuszelt“, Picknickdecke“ und „Tuned by Letters“. Am Ende entschieden sich die Workshop-Teilnehmer für die Blumenwiese. Die Architekten verfeinerten das Konzept. Sie ließen Elemente aus den anderen Entwürfen einfließen und hellten das Muster so etwas auf. „Das Innere der Mensa ist farblich eher zurückhaltend. Draußen ist ja alles erzählt. Im Innenraum sorgen die Schüler und das Essen für Farbe“, ergänzte Krause.

Die Möhringer Bezirksbeiräte waren von der Beteiligung der Schüler begeistert. „War das ein einmaliges Projekt oder ist so ein Workshop auch an anderen Schulen denkbar?“, fragte Matthias Scheible (CDU). Die in der Sitzung anwesenden Vertreter des Hochbauamts und des Schulverwaltungsamts erwiderten, dass es so ein Verfahren in Stuttgart noch nicht gegeben habe. Die Architekten hätten den Workshop mit großem Engagement begleitet. So ein Vorgehen sei wünschenswert, aber sicher kein Standard.

Die 5,53 Millionen Euro teure Mensa soll 2019 fertig werden

Hartmut Ellinger (Grüne) wollte wissen, ob es genügend Fenster gebe, sodass der Speisesaal von Tageslicht ausgeleuchtet werden könne. Krause antwortete, dass beim Speisesaal viel Glas verbaut werde. Mehr sei aus energetischen Gründen nicht sinnvoll. Björn Selent (SPD) wollte wissen, ob die Kacheln mit der Zeit an Farbe verlieren und ob sie dann nachkoloriert werden könnten. Die Architekten erklärten, dass ein Farbverlust nicht zu erwarten sei. Axel Brodbeck (Freie Wähler) beglückwünschte die beiden Schulen schlichtweg zum „Farbklecks zwischen den sonst eher grauen Betonbauten“. Dies führte dann aber auch zu der Frage, was passiert, wenn ein Nachbar auf die Idee kommt, sein Dach und seine Fassade ähnlich bunt zu gestalten. „Darf der das dann?“, wollte Walter Ulz (CDU) wissen. Krause gab eine persönliche, wenn gleich nicht juristische Einschätzung: Ein Bauherr müsse seine Mehrheiten suchen und finden, unter anderem bei den städtischen Ämtern.

Die Mensa kostet 5,53 Millionen Euro. Der Stuttgarter Gemeinderat hat das Geld im aktuellen Doppelhaushalt eingeplant. Der Neubau soll im Sommer nächsten Jahres fertig sein, sodass die Mädchen und Jungen mit Beginn des Schuljahres 2019/2020 dort essen können.

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