Gewinner sind die Gemeinschaftsschulen, wie hier die Luise-von-König-Schule in Stuttgart-Münster Foto: Max Kovalenko

Das Staatliche Schulamt Stuttgart hat die Anmeldezahlen für weiterführende Schulen bekannt gegeben. Demnach ist das Interesse am Gymnasium noch groß, es steigt aber erstmals nicht mehr weiter an. Die öffentlichen Werkrealschulen in Stuttgart verlieren erneut an Bedeutung.

Stuttgart - Weil die verbindliche Grundschulempfehlung im Schuljahr 2012/13 weggefallen ist, haben immer mehr Eltern ihre Kinder am Gymnasium angemeldet. Seitdem erleben die Gymnasien einen Zulauf wie nie zuvor. In diesem Jahr sind die Anmeldezahlen erstmals nicht mehr gewachsen, sondern stagnieren auf hohem Niveau.

2315 Kinder haben sich zum Schuljahr 2015/16 bei den öffentlichen Gymnasien in Stuttgart angemeldet – genauso viele wie im Jahr zuvor. Gemessen an den 3887 Anmeldungen, die bis jetzt an den öffentlichen weiterführenden Schulen abgegeben wurden, sind das 59,55 Prozent der Schüler.

Die räumliche Situation an den Gymnasien kann sich deshalb noch nicht entspannen. „Wir sind absolut an unserer Grenze“, sagt Karin Korn. Die Schulamtsleiterin hat ausgerechnet, welchen Zustrom die Gymnasien seit dem Herbst 2012 verkraften mussten: „Jährlich 20 Fünferklassen mehr.“ Zwar haben mit dem Doppelabiturjahrgang vor drei Jahren circa 85 Klassen die Schulen verlassen, „doch dieser Puffer ist im kommenden Jahr aufgezehrt“, sagt Karin Korn.

Deshalb biete die Stadt als Schulträgerin bereits die Einrichtung von Außenstellen an, was aber von vielen Gymnasien abgelehnt werde, obwohl es nicht an allen Standorten Platz für Container gebe.

In den 84 Klassen, die bis jetzt geplant sind, werden durchschnittlich 27,5 Schüler pro Klasse sitzen – wenn nicht sogar mehr: „Wir müssen auch mit Wiederholern und Zuzüglern rechnen“, sagt Korn und erinnert außerdem daran, dass die Schulen ja auch ihrem Inklusionsauftrag nachkommen müssten. Außerdem hätte man die räumlichen Reserven, die Stuttgart gewonnen hatte, zugunsten der Internationalen Vorbereitungsklassen für Flüchtlinge verwenden müssen – für 40 Klassen mehr als im Jahr zuvor, und ein weiterer Bedarf ist absehbar.

Ein deutliches Plus verzeichnen die zum Herbst 2015 bestehenden sechs Gemeinschaftsschulen: Statt 234 Anmeldungen waren es dieses Jahr schon 383 (9,85 Prozent). Ihren Zugewinn verdanken sie nicht nur dem späteren Stichtag, sondern auch der Umwandlung der Realschule Weilimdorf und der Schickhardt-Realschule in Gemeinschaftsschulen. Beide zusammen hatten vor der Umwandlung 147 Schüler in Klasse 5. Bei Realschulen haben sich 938 Schüler angemeldet, das sind 24,1 Prozent.

Landesweit verlieren wegen des demografischen Wandels fast alle Schularten Schüler, teilte das Kultusministerium am Mittwoch offiziell mit. Wie von unserer Zeitung bereits berichtet, sank sogar am Gymnasium die Übertrittsquote auf 42,4 Prozent. Mehr als ein Drittel der Eltern hat sich für eine Realschule entschieden, 15,7 Prozent der Kinder sind auf dem neuesten Schultyp, den Gemeinschaftsschulen, angemeldet. Nur noch 7,4 Prozent besuchen eine der Werkrealschulen im Land.

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