Können mobile Luftfilter helfen, das Infektionsrisiko an Schulen zu verringern oder gar einzudämmen? Darüber wird im Land diskutiert. Foto: dpa/David Young

Verbände, Gewerkschaften und Elternbeiräte fordern es schon lange: Schulen und Kitas sollen mit Luftreinigern ausgestattet werden, um Corona-Infektionen zu verhindern. Doch nicht alle Geräte eignen sich dafür.

Stuttgart - Winfried Kretschmann hat Zweifel. Mobile Luftfilter, sagte der Ministerpräsident von den Grünen bei einer Pressekonferenz, seien nicht das Ei des Kolumbus. Aber welche mobilen Luftreiniger gibt es, welche Vor- und Nachteile haben sie? Ein Überblick.

Was für Anlagen gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet das Umweltbundesamt zwischen vier Arten von Luftreinigern: Partikelfiltergeräte saugen die Luft an und geben sie gereinigt wieder in den Raum ab. Würden dabei hocheffiziente Filter verwendet, senken diese Geräte die Zahl der Aerosolpartikel in einem Raum, so das UBA. Allerdings müssen die Filter regelmäßig fachmännisch gewechselt werden. Und das kostet Geld. Zudem könne der Geräuschpegel störend sein. Die Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) jedenfalls hat die Lautstärke solcher Apparate jüngst mit einem Kleinflugzeug verglichen.

Geräte mit UV-C-Technologien arbeiten mit ultraviolettem Licht als Entkeimungsquelle und werden etwa in Labors oder in lebensmittelverarbeitenden Betrieben schon lange eingesetzt. Die Lampen sind laut UBA in der Lage, Bakterien und Viren auszuschalten. Der Vorteil: Die Geräte sind leise. Das Problem: Laut UBA stellt das UV-C-Licht für Haut und Augen ein gesundheitliches Risiko dar. Offene Strahlenlampen lehnt das UBA für den Einsatz in Schulen deshalb ab. Es müsse sichergestellt sein, dass kein UV-Licht im Raum freigesetzt werden könne.

Geräte mit Ionisations- und Plasmatechnologien können ebenfalls Mikroorganismen wie Bakterien und Viren schachmatt setzen, weil sie chemische Abbauprozesse beschleunigen. Die Geräte gelten als wartungsärmer als Filteranlagen, und sie seien leiser. Das UBA bezweifelt aber, ob die handelsüblichen Geräte ausreichen, Coronaviren auch wirksam in größeren, dicht besetzten Räumen zu zerstören – Klassenzimmer zum Beispiel. Zudem kann sich bei dem physikalischen Prinzip, die den Anlagen zugrunde liegt, das Reizgas Ozon bilden.

Geräte mit Ozontechnologien schließlich machen sich dieses unerwünschte Nebenprodukt der Ionisatoren zunutze. Der dreifache Sauerstoff Ozon ist hoch reaktiv, seine desinfizierende Wirkung entfaltet sich bei der Zersetzung des Moleküls in Sauerstoff und wird schon seit dem 19. Jahrhundert eingesetzt, etwa zur Trinkwasseraufbereitung und in Kläranlagen. Einen Einsatz als Luftfilter lehnt das Umweltbundesamt rundweg ab, weil chemische Reaktionen mit unbekannten Folgeprodukten auftreten könnten– zu heikel nach Ansicht des UBA für Räume, in denen sich Menschen aufhalten.

Zu welchen Schluss kommt das Umweltbundesamt?

Mobile Geräte, egal welcher Technologie, könnten die Konzentration zwar reduzieren, aber nicht beseitigen, wenn eine infektiöse Person sich in dem Raum aufhält. Außerdem entfernten mobile Luftreiniger weder das anfallende Kohlendioxid, noch den Wasserdampf aus der Luft. Die Anlagen taugten deshalb nur als Ergänzung, nicht als Ersatz zum Lüften.

Was empfiehlt das Umweltbundesamt?

„Perspektivisch“ sollten alle Schulen und Kitas mit so genannten raumluft-technischen Anlagen (RLT-Anlagen) ausgerüstet werden, fordert das Umweltbundesamt – also mit Klimaanlagen, in die entsprechende Luftfilter eingebaut werden können. Sie beseitigten innenraumhygienische Probleme wie Krankheitserreger, Kohlendioxid, Wasserdampf und Gerüche in dicht belegten Räumen quasi in einem Aufwasch. Aktuell sind Schätzungen zufolge aber nur zehn Prozent der Schulen dementsprechend ausgestattet.

Können die Filterhersteller liefern?

Mobile Lüftungsgeräte, so heißt es bei den Herstellern, die in den vergangenen Monaten massiv ihre Produktion gesteigert hatten, seien jederzeit lieferbar. Bisher sei aber von einem massiven Nachfrageschub im Schulbereich noch nichts zu spüren, dazu seien viele Details der Förderung noch unsicher und auch der verbleibende Kostenanteil für die Schulträger oft nicht zu stemmen.

Welche Kosten kommen auf die Schulträger zu?

Der Ludwigsburger Hersteller Mann + Hummel nennt je nach Raumgröße für drei Geräteklassen folgende Preise: Für einen Raum von 40 Quadratmetern 699 Euro, für 70 Quadratmeter 2485 Euro und für Räume von 200 Quadratmetern 3850 Euro.

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