Luftballons für den Frieden ließen die Schülerinnen und Schüler des Robert-Bosch-Gymnasiums im Jahr 2018 steigen. Foto: Andreas Kaier

Vom bundesweiten Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ profitieren Gymnasien und Realschulen im Kreis Esslingen. Mit prominenten Paten vermitteln sie den Kindern und Jugendlichen demokratische Werte.

Demokratische Grundwerte vermitteln Schulen mit dem Programm „Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“. Mehr als 4500 Schulen in ganz Deutschland haben sich dem Netzwerk angeschlossen, das unter anderem Austausch in Gang bringt, Vorträge vermittelt und Materialien für den Unterricht liefert. Viele Schulen im Kreis Esslingen haben sich dem Verein angeschlossen, der Aktionen gegen rassistische Ausgrenzung, Extremismus und Mobbing anstößt.

 

Seit November 2024 ist das Heinrich-Heine-Gymnasium in Nellingen als jüngstes Mitglied aus dem Landkreis Esslingen dabei. Was hat die Schulleiterin Judit Vamosi dazu bewogen, dem Netzwerk beizutreten? „Toleranz und Antirassismus müssen gelernt, geübt und vor allem gelebt werden“, begründete die Schulleiterin Judit Vamosi den Schritt. Da will sie den Gymnasiasten eine klare Haltung vermitteln. Als Paten hat das Ostfilderner Gymnasium einen ehemaligen Schüler gewonnen, der als Direktor bei der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, kurz OECD, an der Spitze der internationalen Politik tätig ist.

Er habe die Patenschaft gerne angenommen, sagte Schaal beim Besuch des Nellinger Gymnasiums, und erinnerte dabei an seine eigene Schulzeit. „Als ich selbst 1988/1989 Schülerprecher war, haben wir in einer der ersten SMV-Sitzungen darüber diskutiert, wie wir mit einer kleinen aber signifikanten Gruppe von Mitschülern umgehen sollten, die mit Springer-Stiefeln, Bomberjacken und ausländerfeindlichen Parolen durch das Schulhaus zogen.“ Damals habe man ihnen sachliche Argumente entgegengesetzt und mit politischen und historischen Veranstaltungen „dem doch etwas schlichten Weltbild etwas entgegengesetzt“. Heute bewegt sich der ehemalige Nellinger Gymnasiast auf dem Parkett der internationalen Politik. Als Pate möchte er sein Wissen an die junge Generation an seiner alten Schule weitergeben.

Bereits seit dem Schuljahr 2020/21 ist das benachbarte Otto-Hahn-Gymnasium in Nellingen Teil des Netzwerks. Mit „Aktionen für weniger Diskriminierung und mehr Courage“ möchte die Schule Haltung zeigen und demokratische Werte im Schulalltag vermitteln. Als Paten hatte das OHG die mittlerweile aufgelöste A-cappella-Band Die Füenf gewonnen. Die Musiker übernahmen diese Aufgabe gerne: „Wir stehen als Paten für eine offene und bunte Gesellschaft ein. Dies insbesondere jungen Menschen mitzugeben, ist unsere Pflicht. Rassismus und Diskriminierung dürfen von Anfang an keinen Nährboden finden.“ Mit Aktionen für Frieden auf der Welt und gegen Diskriminierung im Schulalltag setzt das OHG das Konzept einer Courage-Schule um.

Das Erausmus-Programm mit europäischen Schulen läuft am Nellinger Otto-Hahn-Gymnasium erfolgreich. Foto: Ines Rudel/Ines Rudel

Als „Bekenntnis“ beschreibt Mario Lietzau, der Schulleiter des OHG, die Zugehörigkeit zu dem Netzwerk. Das ist für ihn ein weiterer Baustein für ein gutes Miteinander im Schulalltag: „Unser Campus ist multikulti.“ Deshalb findet es der Schulleiter wichtig, Toleranz und Verständnis füreinander und für andere Kulturen zu wecken. Bewusst fasst er den Begriff der Courage-Schule deshalb weiter: „Es geht um Vielfalt der Gesellschaft.“ Als man auf einer Wand im Schulhaus Hakenkreuzschmierereien entdeckte, entschied die Schülermitverantwortung, diese zu übermalen. „Sie haben es ins Positive gekehrt“, lobt Lietzau diesen friedfertigen Ansatz. Über das Netzwerk kam das OHG auch in Kontakt mit dem ehemaligen Neonazi und Straftäter Philip Schlaffer, der die Schülerinnen und Schüler eindringlich vor der rechtsradikalen Szene warnte. Er ist heute als Anti-Diskriminierungscoach unterwegs.

Schlaffer war auch am Wendlinger Robert-Bosch-Gymnasium zu Gast. „Seine Einsichten haben unsere Schülerinnen und Schüler sehr berührt“, sagt Dilara Horlacher, die seit 2019 das Courage-Projekt an der Schule begleitet. Schulungen und Materialsammlungen des Netzwerks bringen ihr viel. Der Pädagogin ist es ein Anliegen, die Jungen und Mädchen niederschwellig über Frieden und Toleranz aufzuklären. „Mit kreativen Aktionen“ möchte sie die Gymnasiasten dazu bewegen, Vielfalt zuzulassen. Um dies nachhaltig zu vermitteln, gab es Projekttage. Mit einem Globus aus Kork zeigte sie, aus wie vielen Ländern Kinder und Jugendliche an der Schule kommen. Vor dem Beitritt zu dem Netzwerk ließen die Schüler bunte Luftballons für den Frieden in den Himmel steigen.

1995 wurde das bundesweite Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ins Leben gerufen. Einige Esslinger Schulen sind schon lange dabei. Das Private Gymnasium Esslingen ist seit 2016 im Netzwerk. Auch die Zollberg-Realschule, die Käthe-Kollwitz-Schule und das Mörike-Gymnasium sind dabei. Seit 2024 ist das Georgii-Gymnasium Teil des Netzwerks, das Esslingens Bürgermeister Yalcin Bayraktar als Paten gewonnen hat und aktiv gegen Diskriminierung im Schulalltag vorgehen will.