Wie fair geht es zu im deutschen Abitur? Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Stefan Düll, kritisiert, es sei unfair, wenn das Abitur in einem Land leichter sei als in anderen. Ein einheitliches „Deutschland-Abitur“, wie es die FDP vorschlägt, lehnt er aber aus mehreren Gründen ab.

Der Deutsche Lehrerverband dringt auf eine stärkere Vergleichbarkeit des Abiturs zwischen den Bundesländern, lehnt aber ein von der FDP gefordertes einheitliches Deutschlandabitur ab. „Das Abitur in Deutschland muss definitiv noch besser vergleichbar werden“, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Stefan Düll, unserer Redaktion. „Die Länder sind wichtige Schritte in diese Richtung gegangen, es müssen aber weitere folgen – und das möglichst zügig“, fügte er hinzu.

 

Der beste Weg dafür sei, dass für Prüfungen der gemeinsame Aufgabenpool auf hohem Anforderungsniveau verstärkt genutzt werde, sagte Düll. „Denn es ist nicht gerecht, wenn die Schülerinnen und Schüler in dem einen Land leichtere Aufgaben bekommen als in anderen.“

Prüfungen an einem Tag?

Zugleich betonte er: „Ein Deutschland-Abitur mit einheitlichen Abschlussprüfungen, wie die FDP es fordert, lehnt der Deutsche Lehrerverband aber ab.“ Es sei schon deshalb nicht praktikabel, weil die Prüfungen dann in ganz Deutschland an einem Tag stattfinden müssten. „Dann bräuchten wir aber auch bundeseinheitliche Ferientermine. Wer würde das wirklich wollen?“

Zum Föderalismus gehöre auch eine gewisse Freiheit für die Länder im Rahmen ihrer Bildungshoheit, so Düll. „Vergleichbarkeit und Fairness sind wichtig. Aber es wird nicht von Ostfriesland bis Bayern ein Einheitsabitur geben“, sagte er. „Die Gefahr ist ja auch, dass Länder mit besonders hohen Standards, wie Bayern oder Sachsen, diese bei einem komplett einheitlichen Abitur absenken müssen“, warnte der Lehrerpräsident. „Ein von Berlin zentral vorgegebenes Abitur auf dem kleinsten gemeinsamen Anspruchsniveau kann nicht das Ziel sein.“

Die FDP schreibt in ihrem Programm zur Bundestagswahl: „Durch einheitliche Abschlussprüfungen (Deutschland-Abitur) stellen wir die bundesweite Vergleichbarkeit von Schulabschlüssen sicher.“