An der Schickhardt-Gemeinschaftsschule ist künftig das Abi möglich. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Als erste in Stuttgart darf die Schickhardt-Gemeinschaftsschule im nächsten Schuljahr eine gymnasiale Oberstufe einrichten. Anmeldeschluss ist bereits am 1. März. Die Aufnahmekriterien müssen noch geklärt werden.

Stuttgart - Für die Schüler an den acht Stuttgarter Gemeinschaftsschulen (GMS) bietet sich vom kommenden Schuljahr an ein neuer Weg zum Abitur: Das Kultusministerium hat an der Schickhardt-Gemeinschaftsschule im Stuttgarter Süden die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe genehmigt. Es ist die erste in der Landeshauptstadt. Die Voraussetzungen dafür – eine Mindestschülerzahl von 60 Schülern – sieht die Behörde als „deutlich erfüllt“ an. Somit steigt die Zahl der GMS mit gymnasialer Oberstufe im Land von bisher vier auf künftig acht. Denn auch in Esslingen, Karlsruhe und Schwäbisch Hall werden neue Oberstufen eingerichtet.

 

Die ersten Anmeldungen sind schon da

„Wir haben uns sehr gefreut“, sagt Sandra Vöhringer, die Leiterin der Schickhardt-GMS. Auch wenn das Ereignis coronabedingt noch nicht richtig gefeiert werden konnte. Am 22. Januar habe sie von der Genehmigung erfahren, so die Rektorin. Bis 8. März (die Frist wurde um eine Woche verschoben) müssen sich die Schüler dafür an der Schickhardt-GMS anmelden. Das Anmeldeformular für die Oberstufe sowie eine Präsentation des Konzepts finden sich dort auf der Homepage der Schule. „Die ersten Anmeldungen haben wir schon“, berichtet Sandra Vöhringer. Am 25. Februar um 19 Uhr findet ein digitaler Infoabend statt. Die Aufnahmekriterien müsse man noch klären – vor allem für den Fall, dass sich mehr als 90 Schüler für die dreizügige Oberstufe anmelden wollen. Ob Gemeinschaftsschüler Vorrang vor Bewerbern aus anderen Schularten bekommen werden oder allein die Noten entscheidend sind und welche Rolle Wohnortnähe spiele, sei noch unklar, so Vöhringer. Allein an der Schickhardt-GMS belegen 29 Zehntklässler die Klasse auf dem erweiterten Niveau, also Gymnasialniveau. 17 Gymnasiallehrer gehören bisher schon dem Kollegium an.

Dass man im Abschlussjahr die Niveaustufen der Schüler nicht mehr mische, sei eine Empfehlung der Kollegen aus Tübingen gewesen, die bereits Erfahrungen mit der Oberstufe gemacht hätten, berichtet Vöhringer. Trotzdem sei in der „E“-Klasse die Leistungsspanne beachtlich. Die je 22 Zehntklässler der beiden Parallelklassen arbeiteten hingegen auf „M“-Niveau, also dem mittleren Niveau, was der Realschule entspreche. Einen ausreichenden Notenschnitt vorausgesetzt können zwar auch „M“-Absolventen auf die Oberstufe wechseln. Aber diese täten sich dort gerade in der Anfangsphase schwerer, hätten die Tübinger Pädagogen festgestellt.

Was die neue Oberstufe von der Kursstufe des Gymnasiums unterscheidet

Damit den Zehntklässlern der Übergang in die Oberstufe leichter fällt, plane man fürs Frühjahr für diese Schüler – auch aus den anderen GMS – Brückenkurse. „Am besten in Präsenz, ansonsten werden wir uns ein Online-Format überlegen“, sagt Sandra Vöhringer im Blick auf die Coronapandemie. Dieses Angebot sei Bestandteil des Konzepts für die Oberstufe, das die acht Stuttgarter GMS gemeinsam erstellt haben, betont die Rektorin. Doch was macht den Unterschied zwischen der dreijährigen Oberstufe an einer GMS und der zweijährigen Kursstufe an einem allgemeinbildenden Gymnasium aus, abgesehen von der längeren Dauer? Vöhringer beschreibt das so: „Ab Klasse fünf arbeiten die Kinder in festen Tischgruppen – und haben eine hohe Verantwortlichkeit füreinander. Das machen wir in Klasse elf weiter.“ Auch das sogenannte Lerntagebuch mit den Wochenzielen, die Art und Weise der Rückmeldung und „dieser individuelle Blick auf die Kinder, diese zentralen Prinzipien ziehen wir durch bis zum Abi“, erklärt die Rektorin. „Für uns ist wichtig, dass wir auch in der Oberstufe erkennbar GMS bleiben.“

Durch diese neue Perspektive rechnet die Rektorin auch in Klasse fünf mit mehr Zulauf: „Wir werden jetzt sicher mehr Anmeldungen bekommen als vorher.“ Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht bereits aufgrund der bisherigen Schülerzahlen ein öffentliches Bedürfnis für die Einrichtung der Oberstufe: „Dass nun auch die Landeshauptstadt solch ein Angebot bekommt, ist ein gutes Zeichen für die Akzeptanz der Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg.“