Schulalltag in Ann Arbor: Beim Projekttag arbeiten alle Klassen an einem Thema. Foto: privat/Yvonne Stevens

Yvonne Stevens aus Korntal-Münchingen ist in die USA ausgewandert, hat dort eine deutsche Schule gegründet – und denkt trotz des Erfolgs ihrer Einrichtung nicht daran, sich zurückzulehnen. Nach den Schülern sind die Eltern dran, findet die 52-Jährige.

Korntal-Münchingen - Beim Bäcker Brezeln kaufen – das ist eines der ersten Dinge, die Yvonne Stevens tut, wenn sie Familie und Freunde in ihrer alten Heimat Korntal besucht. Derzeit ist sie wieder im Strohgäu, wie jedes Jahr für einige Wochen.

In Korntal-Münchingens größtem Stadtteil verbringt die 52-Jährige aber nicht den ganzen Juli: Sie macht gerade mit den zwei Töchtern und ihrem Vater in Italien Urlaub. Was Leute, die sie kennen, nicht wundert, ist sie doch umtriebig: Vor fast 25 Jahren wanderte Yvonne Stevens nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in die USA aus. Der Liebe wegen. In ihrer neuen Heimat Ann Arbor, ein Ort mit mehr als 120.000 Einwohnern im Staat Michigan, gründete sie 2008 eine deutsche Schule. Sie ist erfolgreich – und Yvonne Stevens will noch mehr erreichen.

Leidenschaft reichte nicht aus

Das wollte sie schon wenige Jahre nach der Geburt der Zwillinge im Jahr 2000. „Sie sollten eine gute Ausbildung in der deutschen Sprache und Kultur erhalten“, sagt Yvonne Stevens. Bald merkte sie, dass sie, trotz ihrer Leidenschaft fürs Lehren, mit dem Unterricht daheim an Grenzen stieß. Anderen Eltern ging das ähnlich. Gemeinsam entstand die deutsche Samstagsschule. Ihre Arbeit als Controllerin für deutsche Unternehmen im Großraum Detroit hatte Yvonne Stevens aufgegeben.

Was mit neun Schülern und Eltern als Lehrer begann, entwickelte sich zu einer wachsenden Einrichtung mit derzeit 155 Schülern. 23 ausgebildete Lehrer bringen den Kindern bis Klasse zehn Deutsch bei – „nach dem Lehrplan von Baden-Württemberg“, sagt Stevens. Sie nehmen auch an Schreibwettbewerben teil oder feiern Feste wie den Martinstag und Fasching.

Das Umfeld spielte in die Karten

Die Schule finanziert sich über Schulgeld und Spenden. Seit 2013 ist sie offizielle Sprachdiplomschule. Mit dem Abschluss können die jungen Leute in Deutschland studieren. An den US-Schulen, sagt Yvonne Stevens, starte Deutsch frühestens in Klasse sechs mit den elementarsten Grundlagen.

Bei ihren Plänen für eine Schule spielte ihr das Umfeld in die Karten: „Ann Arbor ist eine sehr internationale und kulturelle Stadt“, sagt die 52-Jährige. Das Bildungsniveau der Menschenin der Universitätsstadtist hoch, zeigen Untersuchungen. Und rund 15 Prozent der Bürger sind nach eigenen Angaben deutscher Abstammung.

„Die deutsche Kultur ist prägend in der Welt“

Die Direktorin berichtet von vielen deutschen Institutionen, von spanischen, chinesischen, polnischen Samstagsschulen. „Den Eltern ist es wichtig, dass ihre Kinder international geschult werden“, sagt sie. Viele Schüler hätten deutsche Vorfahren oder wenigstens einen Bezug zu Deutsch. „Die deutsche Kultur ist prägend in der Welt“, meint Stevens, Deutsch sei international anerkannt, werde in vielen Ländern gesprochen – zumal Deutschland eine Wirtschaftsmacht sei.

Als „internationale Botschafter“ sollen die Schüler die Unterschiede zwischen den Nationen als Möglichkeit begreifen, daraus zu lernen. So könnten die Deutschen die Freundlichkeit weitergeben, die den Amerikanern zu eigen ist, die Pädagogen in Michigan wiederum schwören auf das deutsche duale Ausbildungssystem mit Theorie und Praxis.

Vision: Die Schule öffnen

Überhaupt will Yvonne Stevens noch stärker mit Unternehmen zusammenarbeiten, die ihre deutschen Mitarbeiter für einige Jahre in die USA schicken. Familien seien in der Regel daran interessiert, dass ihre Kinder problemlos dem Unterricht folgen können, wenn sie nach Deutschland zurückkehren. Außerdem will die 52-Jährige ihre Schule öffnen und ein deutsches Sprach- und Kulturzentrum aufbauen. Yvonne Stevens schweben zum Beispiel Vorträge vor, die auch die Eltern locken. Für Themen aus Kultur und Gesellschaft ist man schließlich nie zu alt.

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