Die Schulleiterin Marion Katuric und der Konrektor Alexander Wroblewski erklären, wie sich die Schüler über Aufgaben und Lernerfolge informieren. Foto: Roberto Bulgrin

An der Seewiesenschule hat das Leitungsteam ein Zwischenfazit gezogen, wie sie mit E-Learning durch die Zeit der Schulschließung gekommen sind.

Esslingen - Virtueller Elternsprechtag, Videokonferenzen mit Schülern – das alles hätte es an der Seewiesenschule im Esslinger Stadtteil Hohenkreuz ohne die Corona-Pandemie und die daraus folgende Schulschließung wohl nicht so schnell gegeben. Aus der Not heraus hat die Digitalisierung wohl in vielen Schulen in der Region einen gewaltigen Satz nach vorne gemacht.

„Das war ordentliches Neuland“, beschreibt der Konrektor Alexander Wroblewski den Start in die Zeit der Schulschließung. Lag der individuelle Lernplan der Gemeinschaftsschule den Kindern und ihren Lehrern bisher in gedruckter Form vor, musste er plötzlich über den Rechner oder das Smartphone abrufbar sein. Die schuleigene App, mit der die Schüler in der Corona-Zeit ihre Lernpläne einsehen konnten, sei zwar eigentlich schon länger programmiert gewesen. Nur sei sie erst sehr eingeschränkt nutzbar gewesen. Ein Grund dafür stellte die digitale Infrastruktur dar. Das Internet habe gefehlt. „Wir hatten im März noch kein funktionierendes WLAN“, erinnert sich die Schulleiterin Marion Katuric. „Als dann die Schulen geschlossen wurden, haben wir das über Nacht gelauncht.“

Stundenplan nicht einfach übertragen

Verschiedene Apps habe man dagegen schon vor Corona im Einsatz gehabt. „Wir sind ein Standort, der gegenüber digitalen Tools sehr aufgeschlossen ist“, sagt Wroblewski. „Seit zwei Jahren benutzen wir schon im Kollegium einen sicheren Messengerdienst“, so der Konrektor. Seit Corona sind nun auch die Schüler dabei.

Die Schule hat in der Zeit der Schulschließung auch mit dem Vernetzungsprogramm Teams von Microsoft gearbeitet. Trotzdem gehe es nicht darum, Digitalisierung um jeden Preis zu betreiben, sagt Wroblewski. „Wir könnten damit einfach einen reinen Online-Unterricht machen“, sagt er. Es habe durchaus Schulen gegeben, die ihren Stundenplan eins zu eins in den virtuellen Klassenraum übertragen hätten. Aber das sei nicht für jeden Schüler gleich sinnvoll. Nach einer Weile habe man sich im Schnitt auf zwei Online-Stunden pro Prüfungsfach eingependelt. Die Online-Stundenpläne haben die Lehrer erstellt und mit den Schülern und Eltern geteilt.

Mit Schülern Kontakt halten

Die digitalen Werkzeuge sollen Helfer sein, um den individuellen Lernweg der Schüler bestmöglich zu begleiten. Aber die Digitalisierung des Schulalltags stellt die Schüler und Lehrer auch vor Herausforderungen. So spielten in der neuen Realität Kooperation und Teamfähigkeit eine noch größere Rolle als vor Corona. Zum einen, weil es im Online-Unterricht schwieriger sei gegenzusteuern, wenn ein Schüler sich nicht gut benehme oder den Unterricht störe. Zum anderen sei es für die Lehrer schwierig gewesen, sich auf das virtuelle Unterrichten einzustellen. „Das E-Learning bindet die Zeit der Kollegen ganz anders“, sagt die Schulleiterin.

Eine besondere Herausforderung war es für die Lehrer, die Schüler weiterhin auf unterschiedlichen Levels entsprechend ihrer Bedürfnisse zu unterrichten. Wichtiger denn je ist die Rückmeldung, die jedes Kind regelmäßig von den Lehrern bekommt. Es gehe vordringlich darum, den Kontakt zu den Schülern nicht zu verlieren. Die Lehrer dürften nicht aus den Augen verlieren, wie es die Lernstände ihrer Schüler seien. Während der Schulschließungen habe man auch gemerkt, dass ein häufigeres Feedback sinnvoll und wichtig für die Schüler ist. „Es darf nicht drei Wochen dauern, bis wieder eine Rückmeldung in Mathe kommt“, findet der Konrektor.

Ideen aus der Krise

Dass seit Mitte des vergangenen Monats vermehrt Präsenzunterricht stattfinden konnte, hat das Leitungsteam der Seewiesenschule trotz einer klaren Affinität zu digitalen Tools begrüßt. „Präsenzunterricht muss sein“, sagt Katuric. „Wir merken jetzt, dass wir bei manchen Kindern wirklich den Lebensrhythmus vorgeben.“ Die meisten Kinder hätten in der Corona-Zeit keine großen Probleme gehabt, ihren Tag zu strukturieren, aber bei einigen habe die Schule als Strukturgeber merklich gefehlt. Auch die Lehrer wünschten sich in der Shutdown-Zeit zurück in den Schulalltag. Und: um online gut zusammenarbeiten zu können, sei es wichtig, vorher eine Beziehung in der Gruppe und zwischen Lehrer und Schülern aufzubauen.

Der Online-Unterricht werde also zumindest in absehbarer Zukunft den Präsenzunterricht an der Seewiesenschule nicht ablösen. Aber er könnte ihn ergänzen. „Ich kann mir schon vorstellen, dass die älteren Schüler dann ihren Lernplan auch im Unterricht über das Smartphone abrufen dürfen“, sagt Wroblewski. Auch Ergebnisse oder Fotos von Gruppenarbeiten könnten digital rasch geteilt werden.

Das Leitungsteam kann sich ebenfalls gut vorstellen, Eltern-Schüler-Lehrer-Gespräche auch in Zukunft über Videochat zu führen. Viele Eltern hätten signalisiert, das beibehalten zu wollen. „Da wären wir ohne Corona nicht drauf gekommen“, sagt die Schulleiterin. Insgesamt sei man gespannt, wie viele Teile der Praxis im Schulalltag auch nach der Krise noch online stattfänden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: