Die PGH-Schulleiterin Sabine Witzke (rechts mit Mikrofon) hat das Zepter an die Monarchin Anna-Lena Vetter übergeben. Foto: Julia Bosch

Am Paracelsus-Gymnasium in Stuttgart-Hohenheim leitet derzeit nicht die Rektorin, sondern eine Königin die Geschicke. Zudem gibt es Veganes, Polizei und Wahrsager. Die Schule verwandelt sich bis Samstag, 20. Juli, in einen kleinen Staat.

Plieningen - Dieses Mal sind die Schüler des Paracelsus-Gymnasiums in Hohenheim (PGH) auf alles vorbereitet: Eine Inflation – so wie 2014 –, als die Schüler für einige Tage eine Demokratie ausprobiert haben, soll es dieses Mal nicht geben. Deshalb gibt es nun eine Gewinnsteuer, eine Umsatzsteuer sowie verschieden hohe Mieten für die Räume; je nachdem, wo die jeweilige Firma im Schulgebäude ihren Sitz hat. Umso näher am Eingang, umso mehr Publikumsverkehr – und deshalb auch umso höhere Miete.

Nur biologisch abbaubares Einweggeschirr

Seit Mittwoch findet am PGH kein Unterricht mehr statt. Stattdessen riecht es nach frisch gebackenen Keksen, Besucher laufen mit farbenfrohen Smoothies durch die Klassenzimmer, schauen sich eine Vorstellung im Staatstheater an oder lassen sich von Wahrsagern ihre Zukunft vorhersagen. Die Schüler probieren für vier Tage das Projekt „Schule als Staat“ aus – und haben sich dieses Mal für eine konstitutionelle Monarchie entschieden.

Den jungen Menschen ist dabei vor allem eines wichtig: Nachhaltigkeit. „Viele von uns engagieren sich bei den Klimaschutz-Demonstrationen Fridays for Future“, sagt die Elftklässlerin Carina Schröter aus dem Organisationsteam. Deshalb werde beim gesamten Projekt verstärkt auf Umweltschutz geachtet. Alle Getränke kommen aus Glasflaschen, außerdem gibt es Geldstrafen für falsche Mülltrennung. Weil die Schulküche nicht genügend abwaschbares Geschirr für 500 Schüler, Lehrer sowie Besucher hergibt, wurde zusätzlich biologisch abbaubares Einweggeschirr gekauft. „Es war uns wichtig, dass das Geschirr in den Papiermüll kann und wir keinen unnötigen Plastikmüll produzieren“, sagt Carina Schröter. Zudem gibt es eine Upcyclingfirma, die aus Abfällen unter anderem Pflanzentöpfe, Ohrringe und Teelichter herstellt. Und auch bei den Sendungen des staatseigenen TV-Senders geht es schwerpunktmäßig um Umweltschutz und Politik.

Elf Einkaufswägen vor dem ersten Tag

Abgesehen davon haben die Schüler probiert, alle denkbaren Wünsche zu erfüllen. So gibt es zum Beispiel ein Unternehmen, das ausschließlich pflanzliche Kost verkauft; etwa veganes Sushi oder Bananenbrot. Für das Organisationsteam bedeutet dieses Wünsche-Erfüllen auch einen enormen Aufwand: Im Vorhinein haben sie monatelang Kühlschränke, Herdplatten, Mixer und Co. zusammengesucht – vorrangig aus der Elternschaft. Die Geräte haben die Schüler mit einem gemieteten Lieferwagen bei den Eltern abgeholt. Am Tag vor dem Projektstart waren viele noch bis 22.30 Uhr in der Schule und haben aufgebaut. Außerdem saßen sie vier Stunden lang am Verfassen des Einkaufszettels, haben knapp acht Stunden beim Großhandel verbracht – und kamen mit elf Einkaufswägen wieder.

„Wir haben zwei Jahre lang an dem Projekt geplant“, sagt der Zehntklässler Max Jaeger. „Und ich hoffe, dass die jetzige Unterstufe nach den vier Tagen denkt: ‚Das müssen wir in fünf Jahren wieder machen.’“ Denn bei „Schule als Staat“ würden die jungen Menschen wichtige betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse fürs Leben lernen, etwa wie man Personal sinnvoll einsetzt und effektiv wirtschaftet.

Besuch bis Samstag möglich

Das Paradonische Königreich am Paracelsus-Gymnasium kann am Donnerstag, 18. Juli, noch bis 18 Uhr besucht werden, am Freitag und Samstag, 19. und 20. Juli, jeweils von 9 bis 16 Uhr. Ort ist die Paracelsusstraße 36 in Stuttgart-Hohenheim.

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