In die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig: das Hegel-Gymnasium in Vaihingen Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Sie lassen nicht locker. Um eine schnellere Schulsanierung zu erreichen, suchen Elternvertreter des Hegel-Gymnasiums und der Robert-Koch-Realschule in Stuttgart-Vaihingen jetzt den Schulterschluss mit Wirtschafts- und Forschungsunternehmen. Ob das die Stadt beeindrucken wird?

Stuttgart - Elternvertretern des Hegel-Gymnasiums und der Robert-Koch-Realschule geht die Sanierung des Schulcampus in Stuttgart-Vaihingen weiterhin zu langsam. Nach Unterschriftensammlungen, Demonstrationen und einem Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann suchen die Eltern nun mit Wirtschaftsunternehmen und Forschungseinrichtungen den Schulterschluss. In einer nichtöffentlichen Veranstaltung haben sie sich mit diesen über die Wichtigkeit einer „zeitgenössischen Lernumgebung“ ausgetauscht, wie Hegel-Schulleiter Frank Bäuerle es formulierte. Marode Bildungseinrichtungen mit zugigen Klassenzimmern und Schimmel an den Wänden spiegelten das jedenfalls nicht wider. Rückenwind erhalten habe man dabei von Thomas Bürkle (Bürkle und Schock/Vizepräsident baden-württembergischer Handwerkertag), Stefan Kölbl (Dekra), Wolfram Ressel (Uni Stuttgart), Marc Rüger (Fraunhofer Institut Stuttgart), Michael Schober (Friedrich Scharr KG) und Joachim Weber (Duale Hochschule Baden-Württemberg/Stuttgart), teilte Gabriele Raff mit, die Vorsitzendes des Elternbeirats am Hegel-Gymnasium.

Einig seien sich dabei alle darüber gewesen, dass die Stuttgarter Kommunalpolitiker zu wenig beschlussfreudig seien, der Stuttgarter OB Fritz Kuhn (Grüne) zu wenig Interesse am Thema Schulsanierung zeige und Verwaltung und Behörden bei Planung und Umsetzung zu schwerfällig agierten und so die Misere verursacht hätten. Zudem, so Raff, fragten sich die Eltern, weshalb in Stuttgart die Strukturen bei der Schulsanierung nicht grundsätzlich neu überdacht würden, etwa, indem man die Beauftragung eines externen Dienstleisters erwäge oder die Auslagerung in einen Eigenbetrieb.

Eltern wollen „Druck hoch halten“

Zwar hatte der Gemeinderat kurz vor Weihnachten bei der Planung für die Schulneubauten auf dem Vaihinger Campus aufs Tempo gedrückt und eine zeitgleiche Planung von Realschulneubau samt Sporthalle und dem gemeinsamen Campushaus beschlossen. Und außerdem gefordert, die trotzdem notwendigen Sanierungsmaßnahmen in den Bestandsbauten bereits im Vorfeld der Investitionsmaßnahmen zu prüfen. Aber, so Raff: „Das Thema ist nicht in trockenen Tüchern – jetzt geht es darum, den Druck hochzuhalten.“

Auf Planer, Handwerker und Sanierungen warten müssen auch noch viele andere Schulen. Die Stadt schafft es nicht, die bewilligten 40 Millionen Euro pro Jahr dafür auszugeben und die Maßnahmen umzusetzen – viele seien gar nicht begonnen und 131 zurückgestellt worden, teilten die Bürgermeister Isabel Fezer (Jugend und Bildung) und Dirk Thürnau (Technik) dem Gemeinderat im vergangenen Herbst mit. Grund seien der Personalmangel im Hochbauamt und die begrenzten Kapazitäten der Bauindustrie, wie Hochbauamtsleiter Peter Holzer den verärgerten Gemeinderatfraktionen erklärte. Das Schulsanierungsprogramm, das ursprünglich 2016 abgeschlossen werden sollte, wurde deshalb bis 2026 gestreckt.

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