Mehr als 1,5 Millionen Schüler im Südwesten stehen vor einem neuen Schuljahr. Foto: dpa

Kein Englisch mehr ab Klasse 1, mehr Informatik auf dem Gymnasium und ein neues Fach für Technikfans: Im neuen Schuljahr verändert sich einiges.

Stuttgart - Die Sommerferien sind fast vorbei. Mehr als 1,5 Millionen Schüler im Südwesten stehen vor einem neuen Schuljahr. Folgende Neuerungen kommen auf die Kinder und Jugendlichen zu:

Sprachen später lernen: Die Schulanfänger sind die ersten seit Jahren, die nicht in der ersten Klasse in ein „Sprachbad“ eintauchen. Das spielerische Lernen war für die ehemalige Kultusministerin Annette Schavan (CDU) der Grundgedanke bei der Einführung der ersten Fremdsprache ab Klasse 1 im Schuljahr 2003/04 - Französisch an der Rhein-Schiene, Englisch im Rest des Landes. Die derzeitige Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) verschiebt den Start der Fremdsprache nun auf Klasse 3, um nach dem enttäuschenden Abschneiden von baden-württembergischen Schülern in Vergleichsstudien den Fächern Deutsch und Mathe mehr Zeit zu geben. Über alle vier ersten Klassen hinweg erhalten die Grundschüler jetzt insgesamt vier Stunden mehr Mathe- und Deutschunterricht als im Schuljahr 2015/16. Hinzu kommen - beginnend mit jeweils zwei Stunden für alle ersten Klassen - insgesamt vier zusätzliche Poolstunden, vor allem für die individuelle Förderung in Deutsch und Mathematik.

Gymnasiale Oberstufe an Gemeinschaftsschulen: Die ersten zwei Oberstufen an Gemeinschaftsschulen gehen am 10. September an den Start. Die Gebhardschule in Konstanz und die Gemeinschaftsschule West in Tübingen mit 38 beziehungsweise 50 Anmeldungen betreten damit Neuland. Bislang gehen die Gemeinschaftsschulen im Land nur bis zur zehnten Klasse. Eigentlich müssen mindestens 60 Schüler für eine Oberstufe an der „Schule für alle“ zusammenkommen. Das Land war aber von 61 Kandidaten in Konstanz und 70 in Tübingen auf Basis langfristiger Prognosen ausgegangen. Insbesondere die Berufsschulen fühlen sich durch diese Oberstufe bedroht, bieten doch auch sie ein Abitur nach 13 Jahren an.

Ein Rahmen für Rechtschreibung: Eine von Pädagogen konzipierte Handreichung soll Lehrer der Klassen 1 bis 10 dabei unterstützen, die Regeln für Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung sowie Zeichensetzung zu vermitteln. Das Ministerium reagiert damit unter anderem auf den Bildungstrend 2016 des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Demnach erreicht rund ein Fünftel der Schüler nicht einmal den Mindeststandard bei der Orthografie.

Mehr Förderung für Flüchtlingskinder: Junge Flüchtlinge sollen zum Schuljahr 2018/19 zusätzliche Sprachförderung in den Regelklassen erhalten. Für die Geflohenen gibt es außerdem zielgruppenspezifische Angebote und etwa zusätzliche Stunden in den Vorbereitungsklassen. Grund für das Plus an Förderung sind die ganz unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen der Flüchtlinge, die die Lehrkräfte vor große Herausforderungen stellen. Für das Gesamtpaket werden 565 Stellen verlängert, die 2016 geschaffen wurden und jetzt hätten wegfallen sollen. Dies schlägt mit rund 35 Millionen Euro zu Buche.

Mehr Informatikunterricht: Bislang besuchten nur Schüler der allgemeinbildenden Gymnasien ab Klasse sieben den Aufbaukurs Informatik. Im neuen Schuljahr wird das Pflichtfach auf alle weiterführenden Schulen ausgedehnt. Aus Sicht des Ministeriums gehören Kompetenzen in der Informatik heute zur Allgemeinbildung.

Neues Fach für Technikfans: An 66 Gymnasien mit naturwissenschaftlichem Profil startet im neuen Schuljahr das Fach Informatik - Mathematik - Physik (IMP). Es ermöglicht Schülern im Anschluss an den Aufbaukurs Informatik, sich vertieft mit Informatik, Mathematik und Physik auseinanderzusetzen. Das vierstündige Fach soll die Jungen und Mädchen auch bei der Wahl eines naturwissenschaftlich-technischen Studienfaches unterstützen.

Wirtschaft an Gymnasien: Bei dem Fach „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“ waren die Siebtklässler der Werkrealschulen, Realschulen und Gemeinschaftsschulen im Schuljahr 2017/18 Pioniere. Im neuen Schuljahr startet das Fach auch an den Gymnasien - beginnend mit Klasse 8. Schüler sollen so eine ökonomische Grundbildung und Hilfe bei der Ausbildungs- und Studienwahl bekommen. Es geht dabei etwa um die Bedeutung des Sparens, um Inflation oder die unterschiedlichen Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

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