Buntstifte gehören in die Federmappe eines jeden Schulanfängers. Manchmal sind auf den Einkaufslisten für die Eltern sogar spezielle Farben aufgelistet. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Zum Schulanfang geht es in den Geschäften oft eng zu. Das darf in Corona-Zeiten so nicht sein – Abstand lautet das Gebot. Wie bereiten sich die Einzelhändler auf diese besondere Situation vor? Wir haben uns umgehört.

Filder/Stuttgart - Manches ist früher einfacher gewesen, zum Beispiel der Kauf von Schulmaterialien. Da gab es nur kleine und große Hefte, liniert oder kariert, mit Rand oder ohne Rand. Heute bekommen Eltern von Grundschülern eine lange Liste mit Material, das sie bis zum Schulanfang zu besorgen haben. Für Ungeübte gestaltet sich der Einkauf im Schreibwarenladen dann durchaus schwierig. Denn dort gibt es eine Vielzahl an Heften. Das ist es nicht leicht, zum Beispiel das Geschichtenheft mit der Lineatur G2 und farblich unterlegten Zeilen zu finden. Entsprechend lang stehen Eltern vor den Regalen, während die Kinder nach schönen Stiften stöbern. Kurzum: in den Läden geht es oft eng zu. Und das darf zu Corona-Zeiten nicht sein. Ein Mindestabstand von 1,5 Metern soll jederzeit eingehalten werden. Wie bereiten sich die Inhaber der Schreibwarengeschäfte auf diese Situation vor?

„Das Thema liegt mir schwer im Magen“, sagt Inge Behrendt-Mertens. Ihr gehören die Villa Leinfelden und die Villa Bernhausen. Fakt sei, dass der Zugang für die Kunden irgendwie reglementiert werden müsse. „Wahrscheinlich stellen wir vor den Geschäften Tische mit Einkaufsschalen auf. Jeder Kunde braucht dann eine Einkaufsschale. Wenn alle weg sind, müssen die Kunden warten. Was Praktischeres ist mir bisher nicht eingefallen“, sagt Inge Behrendt-Mertens. Das Vorgehen wäre also ähnlich dem in den großen Supermärkten, wo die Einkaufswagen sozusagen als Eintrittskarten fungieren.

Bisher wird der Bestellservice nur verhalten genutzt

In den Läden selbst markieren Pfeile das Einbahnstraßensystem. Und selbstverständlich gelten die üblichen Corona-Regeln wie zum Beispiel das Tragen einer Alltagsmaske. Zudem hofft Inge Behrendt-Mertens, dass Eltern beziehungsweise Schüler, die ihre Listen schon haben, möglichst frühzeitig kommen, damit sich die Kundenströme entzerren.

Darüber hinaus wirbt die Geschäftsfrau für ihren Bestellservice. So bietet sie an, dass die Kunden die Listen per Mail oder Fax schicken. Die Mitarbeiter stellen die Materialien zusammen, und es muss dann nur noch in den Filialen abgeholt werden. So sind die Kunden nur kurz im Laden. Dieses kostenlose Angebot habe es schon immer gegeben, sagt Behrendt-Mertens. „Bisher wurde er aber nur vereinzelt angenommen.“ Die Geschäftsfrau hofft, dass es angesichts der Pandemie da ein Umdenken gibt. Und wer noch einen Ranzen oder Schulrucksack braucht, was gewöhnlich länger dauert, der wird gebeten, einen Termin zu vereinbaren.

Ein zweites Regal um Kundenströme zu entzerren

Die Buchhandlung Ebert, die Filialen mit Schreibwarenabteilungen in Möhringen und Echterdingen betreibt, wirbt ebenfalls für ihren Bestellservice. „Der diesjährige Schulanfang stellt nicht nur die Eltern und Schüler vor eine große Herausforderung, sondern auch unsere Läden. Es darf nur eine begrenzte Anzahl an Personen die Geschäfte betreten. Aus diesem Grund möchten wir die Schüler und Eltern entlasten und dennoch einen hochwertigen Service anbieten“, schreibt das Team in seinem Newsletter und auf seiner Internetseite. In aller Regel könne das Material noch am gleichen Tag abgeholt werden. Und im Notfall werde es sogar geliefert, sagt der Inhaber Uwe Ebert.

Noch werde der Bestellservice von den Kunden aber nur verhalten genutzt. „Das ist aber normal, denn die weiterführenden Schulen händigen die Materiallisten erst zu Beginn des neuen Schuljahrs aus“, sagt Uwe Ebert. Ansonsten werden die Mitarbeiter des Teams darauf achten, dass es in den Läden nicht zu voll wird und alle Corona-Regeln eingehalten werden. Und damit sich nicht alle Kunden vor einem großen Regal sammeln, möchte Uwe Ebert auch noch an jeweils einer anderen Stelle in seinen beiden Läden die gängigsten Schulmaterialien anbieten.

Wäscheklammern als Eintrittskarten

Auch Renate Riedel, die Inhaberin von Spielwaren- und Bürobedarf Sinner in Stuttgart-Plieningen ist vorbereitet. Vor dem Laden steht Desinfektionsmittel, im Geschäft gibt es Abstandsmarkierungen und Richtungspfeile. In ihrem Laden an der Filder­hauptstraße dürfen sich entsprechend der Quadratmeterzahl unter den aktuellen Pandemie-Bedingungen 20 Personen gleichzeitig aufhalten. „Bisher hat das gut geklappt“, sagt Riedel. Wenn es zum Schuljahresbeginn eng werde, werde sie sich auch überlegen müssen, wie der Zugang reguliert werden könne. „Vielleicht verteilen wir Wäscheklammern als Eintrittskarten“, überlegt Renate Riedel. Ansonsten wirbt auch sie für ihren kostenlosen Bestellservice, der bisher leider viel zu wenig angenommen werde.

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