Eine richtige Zeugnisübergabe hat es für Antonia Zeiler nach ihrem Realschulabschluss nicht gegeben. Immerhin hielt der Schulleiter auf dem Schulhof eine kleine Rede – Antonias Familie durfte aber nicht dabei sein. Foto: privat

Dieses Jahr macht schon der zweite Corona-Jahrgang seinen Schulabschluss. Wie beeinflusst die Pandemie die Lebenswege junger Menschen? Wir haben drei von ihnen gefragt.

Fellbach/Alfdorf - Ein halbes Jahr ist es her, dass die Schulabgängerinnen und -abgänger aus dem Corona-Jahr 2020 ins Berufs- oder Studienleben gestartet sind. Was frühere Absolventen gerne gemacht haben, ging bei ihnen nicht: ausgedehnte Reisen, Au-pair, Work and Travel. Wer studiert, darf nicht an die Uni, sondern muss zu Hause bleiben. Groß war außerdem die Sorge, viele Schulabgänger könnten bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz leer ausgehen. Wie heftig hat es sie wirklich getroffen?

Halb so schlimm – so klingt es, wenn Antonia Zeiler erzählt, wie es ihren Mitschülern und ihr ergangen ist. Die 16-Jährige hat vergangenes Jahr ihre Mittlere Reife an der Auberlen-Realschule in Fellbach gemacht. Inzwischen besucht sie dort das Kolping-Gymnasium – und geht damit einen ähnlichen Weg wie die meisten, die sie kennt. Dass mehr als die Hälfte ihrer ehemaligen Mitschüler weiter zur Schule geht, hat mit Corona wenig zu tun, meint Antonia. Nach ihrer Einschätzung lag es nicht daran, dass sie keinen Ausbildungsplatz gefunden hätten – zumal alle, die einen wollten, auch einen bekommen haben. „Bei manchen stand es auf der Kippe, weil die Firmen nicht wussten, ob sie jemand Neues aufnehmen können“, erzählt sie. „Aber es ging bei allen gut, jeder hat in etwa das bekommen, was er wollte“.

Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind nicht schlechter geworden

Die Einschätzung der Schülerin deckt sich mit den offiziellen Zahlen: Die Arbeitsagentur vermeldete in ihrem Bericht zur Situation am Ausbildungsmarkt im vergangenen Oktober, dass sich die rechnerischen Chancen auf den Erhalt einer Ausbildungsstelle sich deutschlandweit gegenüber dem Vorjahr nicht verändert hätten. Es wurden zwar weniger Stellen ausgeschrieben, aber es gab auch deutlich weniger Bewerberinnen und Bewerber als im Vorjahr – kein neuer Trend. Insgesamt wurden sogar mehr Plätze angeboten, als die Firmen besetzen konnten.

Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt

Ähnliches wie Antonia berichtet Max Bareiß aus Alfdorf: Seine Freunde hätten ohnehin alle direkt nach der Schule studieren wollen – unabhängig von der Pandemie. Einige aus seiner Stufe am Gymnasium Friedrich II. in Lorch wären zwar gerne auf Reisen gegangen, das ging natürlich nicht. „Eine hat dann statt Afrika ein FSJ gemacht.“ Ihm selbst ging es aber wie seinen Freunden: „Das Studium war direkt der Plan.“ Das Fach allerdings nicht – eigentlich wollte der 19-Jährige Sport auf Lehramt studieren. „Das Bewerbungsverfahren läuft dabei normalerweise über einen Sporteignungstest Ende Mai oder Anfang Juni“, erklärt er. „Der hat aber nicht stattgefunden wegen Corona.“ Deshalb entschied nur die Abiturnote darüber, wer Sport studieren darf. Max bekam eine Absage. Jetzt studiert er Chemie und Philosophie/Ethik auf Lehramt und muss hoffen, dass der Eignungstest dieses Jahr stattfindet, damit er das zweite Fach noch wechseln kann.

Weniger Studienanfänger aufgrund der Pandemie

Max ist einer von fast 68 000 Menschen, die im Studienjahr 2020/21 in Baden-Württemberg ein Studium begonnen haben. Man könnte vermuten, dass es mehr sind als in den Vorjahren, weil viele direkt angefangen haben, statt ein Auslandsjahr einzulegen. Tatsächlich ist aber das Gegenteil der Fall: Die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger ist seit Jahren rückläufig. Der aktuelle Rückgang fällt sogar noch größer aus als normalerweise – auch, weil durch Corona keine ausländischen Studierenden ins Land kamen und „Hochschulen ihr Studienangebot eingeschränkt haben“, so das Statistische Bundesamt.

Studierende im ersten Hochschulsemester

2021 will Laura Santelli zu den Studienanfängerinnen gehören. Dafür macht die 20-Jährige nach ihrem Realschulabschluss, einer Ausbildung und darauffolgender Berufspraxis nun extra noch die Fachhochschulreife. Das dauert am Kaufmännischen Berufskolleg der DAA-Schulen in Stuttgart nur ein Jahr – bei Laura ausgerechnet das Corona-Schuljahr 2020/21. Benachteiligt oder schlechter vorbereitet fühlt sie sich aber nicht dadurch, dass es lange keinen Präsenzunterricht mehr gab. Zurzeit dürfte sie sogar wieder in die Schule kommen, bleibt aber aus Vorsicht im Homeschooling. „Für mich persönlich klappt das gut, ich merke aber, dass manche Leute aus meiner Klasse ein bisschen Schwierigkeiten damit haben.“ Die konnten inzwischen aber wählen, wieder in die Schule zu kommen. Außerdem erzählt Laura: „Wir haben mitgeteilt bekommen, dass die Abiprüfungen angepasst werden, also einzelne Themen rausgestrichen werden.“

Insofern ist die Fellbacherin mit Blick auf die Prüfungen noch entspannt – und auch auf das, was danach kommt. „Grundsätzlich würde ich vor dem Studium schon gerne reisen“, meint sie. „Aktuell plane ich aber, eher noch ein bisschen zur arbeiten, weil durch Corona Reisen ins ferne Ausland wahrscheinlich gar nicht möglich sein werden.“ Mit dem gesparten Geld könne sie dann aber in den Semesterferien verreisen – große Nachteile sieht sie für sich in der aktuellen Situation nicht.

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