Bei der Auseinandersetzung unter Jugendlichen sind zwei 16 und 18 Jahre alte Beteiligte schwer verletzt worden. Der Jüngere hat in Lebensgefahr geschwebt. Offenbar hat eine Videokamera den Vorfall festgehalten.
Noch ist unklar, was am Sonntagabend in Ostfildern-Nellingen genau passiert ist. Doch die Eskalation eines Streits unter Jugendlichen hätte einen von ihnen um ein Haar das Leben gekostet. Kurz nach 21 Uhr waren bei der Polizei mehrere Notrufe eingegangen. Zeugen berichteten von Schüssen und flüchtenden Personen im Bereich der Esslinger Straße. Die Einsatzkräfte rückten mit einem Großaufgebot und einem Hubschrauber aus.
Vor Ort war niemand mehr anzutreffen. Dafür wurden vor einem Café aber Patronenhülsen gefunden. Es handelte sich um Munition einer Schreckschusswaffe. Wenig später stießen die Ermittler im Bereich der Maybachstraße auf zwei junge Männer, 16 und 18 Jahre alt. Beide wiesen schwere Stichverletzungen auf und kamen ins Krankenhaus. Der Jüngere befindet sich inzwischen außer Lebensgefahr, beim Älteren waren die Verletzungen nicht lebensgefährlich.
Nach bisherigem Ermittlungsstand geht die Polizei davon aus, dass die beiden Verletzten diejenigen sind, die zunächst Schüsse aus Schreckschusswaffen in Richtung anderer Personen abgegeben haben. Danach sind sie von einem oder mehreren Unbekannten mit einem Stichwerkzeug verletzt worden.
Anwohner berichten am Montag, dass sich an der fraglichen Stelle immer mal wieder Jugendliche treffen und auch schon öfter ein „Knallen“ zu hören gewesen sei. Sie zeigen aber Gelassenheit. Am Vormittag fährt auch die Polizei erneut vor und sichert letzte Spuren, nachdem die Ermittler bis tief in die Nacht vor Ort gewesen waren. Auf dem Platz sind noch mehrere gelbe Kreise mit Nummern auf dem Boden zu sehen.
Die meisten davon befinden sich direkt vor dem Schaufenster von Optikerin Pascale Kienle. „Ich bin froh, dass ich gestern nicht hier war“, sagt sie. Panik habe sie wegen des Vorfalls aber nicht. Ihre Ausbildung habe sie in Stuttgart absolviert und sei dort auch regelmäßig allein unterwegs gewesen. Zwei ihrer drei Hunde liegen neben ihr und schlafen, ein Dobermann und ein American Bulldog. Die gäben ihr genügend Sicherheitsgefühl, sagt sie.
Etwa 20 Beteiligte
Lars Holzwarth, Inhaber des Cafés Pause nebenan, dürfte zur Aufklärung der Tat einiges beizutragen haben. Sein Café schließt sonntags zwar bereits um 17 Uhr, und er war selbst zum Tatzeitpunkt gar nicht anwesend, allerdings wird sein Außenbereich von einer Kamera überwacht. Die Videoüberwachung habe er installiert, weil immer wieder Stühle gefehlt hätten, die andernorts aber meist wieder aufgetaucht seien, erzählt er und spricht von eher harmlosen Jugendstreichen.
Das gilt für den Vorfall am Sonntagabend nicht. Und auch der ist – zumindest in Teilen – auf Video festgehalten. „Am Anfang standen da vier junge Männer, die sich wohl gut verstanden haben“, erzählt Holzwarth. Dann seien 15 Personen durchs Bild gerannt. Alles junge Männer. „Der mit der Pistole hat richtig gezielt. Da läuft es einem schon kalt den Rücken runter“, sagt Holzwarth. Dass es sich wohl um eine Schreckschusswaffe gehandelt hat, habe er erst später erfahren. Die Polizei will sich zur Auswertung der Aufnahmen nicht äußern – die Ermittlungen liefen noch, sagt eine Sprecherin.
Anhaltspunkte für einen Zusammenhang mit der Serie anderer Zwischenfälle mit Schusswaffen in der Region sieht die Polizei derzeit nicht. Auch das Landeskriminalamt betont, darauf deute nichts hin. Die Kriminalpolizei in Esslingen hat die Ermittlungen übernommen und bittet um Zeugenhinweise unter der Rufnummer 07 11 / 3 99 00.