Vor einem halben Jahr schlugen nachts Kugeln am Heininger Rathaus ein. Der Täter wurde von der Polizei bis heute nicht gefunden. Ein einschneidendes Ereignis – aber die Schüsse galten wohl nicht der Verwaltung.
Es mag eine laue Sommernacht gewesen sein, eine Sommernacht in den Ferien, als am Rathaus in Heiningen etwas Gefährliches geschah. Es wurde geschossen. Drei Kugeln schlugen in einer Scheibe des Bürgerbüros ein, das oben am neuen Rathausplatz liegt. Dann verschwanden der oder die Täter im Dunkeln.
Dabei ist es geblieben. Der Täter wurde nicht gefunden. Die Einschläge sind noch da. Aber sie sind so unauffällig, dass man danach suchen muss. Wenn sich nicht gerade das Sonnenlicht in den fingerkuppenkleinen Kratern bricht, sieht die Glasscheibe so glatt aus wie die anderen. Sie liegt auch in niedriger Höhe, und der Rollo dahinter macht die Glasstruktur unauffällig. Es fiel auch den Rathausleuten nicht gleich auf. Es war sogar fast ein Zufall, dass es entdeckt wurde.
Polizei geht nicht von Anschlag auf die Gemeindeverwaltung aus
Dann der Schreck: Wer um Himmels willen hat aufs Rathaus geschossen? Und warum? Aber es war bloß geschwind eine Aufregung, sagte die Hauptamtsleiterin Barbara Dill. Die Polizei hat gleich vermutet, die Einschüsse seien durch eine Softairwaffe verursacht, also nicht von einer scharfen Waffe. Bürgermeister Norbert Aufrecht war im Urlaub, und ihm fuhr der Schreck in die Knochen. Er hat, so erzählte er es im Abstand von drei Wochen, zunächst tatsächlich an den Abbruch seines Urlaubs gedacht. „Solange, bis ich die näheren Umstände von unserer Hauptamtsleiterin und von der Polizei direkt erhalten habe. Ich habe unseren Heininger Polizeiposten nach deren Einschätzung gefragt. Mir wurde erklärt, dass das natürlich keine harmlose Sache war, weil ja mit Stahlkugeln geschossen wurde, entweder aus einer Softair-Waffe oder mit einer Schleuder, aber Stahlkugeln können eben auf jeden Fall Verletzungen zufügen. Trotzdem war es die Einschätzung der Polizei, dass hier jemand seine Waffe oder Schleuder regelrecht ausprobiert hat und dies kein Anschlag auf die Gemeindeverwaltung war. Ich hab mir trotzdem noch Sorgen um das Befinden unserer Mitarbeiter gemacht, aber nachdem auch die Hauptamtsleiterin die Einschätzung der Polizei teilen konnte, war ich beruhigt.“
Ein ungelöster Fall. Die Polizei hat ermittelt und keinen Täter gefunden. Sie schloss die Akten und übergab sie der Staatsanwaltschaft. Dort liegen sie, bis vielleicht nochmal etwas auftaucht.
„Wir hofften natürlich, dass der oder die Täter doch noch ermittelt würden“, sagt der Bürgermeister. Es sei verständlich, dass eine oder mehrere Stahlkugeln nur wenig Anhaltspunkte geben. Wenn er heute zurückblickt: Schüsse aufs Rathaus – „das ist schon ein einschneidendes Ereignis“, sagt er. Aber es relativiere sich dann auch. „Wir haben es abgehakt.“ Er mutmaßt, dass die Schüsse eine blödsinnige Idee waren. Von „Dummejungenstreich“ mag er nicht reden – dafür ist ihm der Vorfall viel zu ernst. Aber eben auch nichts, was sich „in dem Sinne“ gegen die Gemeindeverwaltung gerichtet hätte.
Ob die Versicherung den Schaden übernimmt, ist noch unklar
Was bleibt, ist der Schaden an der Glasscheibe. Sie hat Dreifachverglasung, sagt Aufrecht, „deshalb hat sie auch standgehalten“. Ob die Gemeinde auf den Kosten sitzen bleibt oder die Versicherung einspringt, muss sich noch weisen. „Wir lassen das erst mal so“, sagt Aufrecht. Bis vielleicht mal wieder ein Glaser im Haus ist. Bis sich die Preise hoffentlich wieder beruhigt haben.
Polizei sieht eine gefährliche Tat
Zeitraum
Es sei eine „gefährliche Tat“, auch wenn sie womöglich nachts verübt worden sei. So schätzte ein Polizeisprecher die Schüsse im August 2022 ein. In Frage komme die Zeit zwischen Dienstag, 23. August, 16 Uhr, und Mittwoch, 24. August, 10 Uhr.
Tatvorwurf
Bei der Polizei werde der Vorfall als gemeinschädliche Sachbeschädigung geführt, gemeinschädlich, weil es ein öffentliches Gebäude betraf und der Schaden von der Öffentlichkeit getragen werden müsse. Den schätzte die Polizei im vergangenen Sommer auf mehrere hundert Euro.