Die Container auf dem Parkplatz der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule werden jetzt für den Interims-Schulbetrieb hergerichtet. Foto: /Ines Rudel

Weil die Schülerzahlen rasant steigen und die drei Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) aus allen Nähten platzen, sucht die Esslinger Kreisverwaltung nach einem Grundstück für einen vierten Schulstandort. Eine Fläche ist bereits in den Fokus gerückt.

Die Raumnot in den drei Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) des Kreises Esslingen spitzt sich dramatisch zu. Seit einigen Jahren steigen die Schülerzahlen massiv an. Mit dieser rasanten Entwicklung hat sich der Kultur- und Schulausschuss des Esslinger Kreistages jüngst in einer Klausurtagung beschäftigt. Das Ergebnis der Beratung: Ein neuer, vierter Schulstandort wird unumgänglich. Dafür wird nun ein geeignetes Grundstück gesucht.

 

Seit dem Schuljahr 2017/2018 erhöhten sich die Schülerzahlen am Rohräckerschulzentrum Esslingen um 155 Schülerinnen und Schüler, an der Verbundschule um drei und an der Bodelschwinghschule um 75 Kinder und Jugendliche. Auch die Prognosen sind alarmierend: Bis zum Schuljahr 2033/2034 wird mit einem weiteren Anstieg um 200 Schülerinnen und Schüler, also um rund 28 Prozent, gerechnet.

Es braucht eine Gesamtstrategie

Dass sich die räumliche Enge nicht mehr mit weiteren, kostspieligen Provisorien beseitigen lässt, hatte Landrat Marcel Musolf dem Gremium bereits im vergangenen November verdeutlicht. „Wir brauchen eine Gesamtstrategie“, mahnte er damals an. Schon jetzt sei die Lage ernst, überall seien die Kapazitäten ausgereizt. Ohne zusätzlichen Schulraum für das Rohräckerschulzentrum in Esslingen und die Verbundschule Dettingen könne der Schulbetrieb bereits ab dem kommenden Schuljahr 2025/2026 nicht mehr sichergestellt werden.

Wie das Landratsamt mitteilt, wurde in der Beratung schnell klar, dass die bisherige Praxis der Nachverdichtung in den drei Schulgebäuden nicht mehr ausreicht, um die stetig steigenden Schülerzahlen aufzufangen. Zwar werde mit dem geplanten Interimsstandort in Nürtingen eine zeitweise Entlastung möglich: Die leer stehenden Container auf dem Parkplatz der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule sollen bis zum kommenden September reaktiviert und in den nächsten fünf Jahren als Unterrichtsräume für etwa 130 Schüler genutzt werden.

Mittelfristig aber sei die Erschließung eines weiteren SBBZ-Standortes notwendig. Damit, betont Landrat Musolf, „sichern wir langfristig das qualitativ hochwertige pädagogische Angebot an allen unseren Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren“.

Plätze für mehr als 400 Schülerinnen und Schüler schaffen

Zur Ermittlung der zukünftigen Flächenbedarfe aller SBBZ wurde von den Schulleitungen eine Hochrechnung der Schülerzahlen in den Bereichen geistige Entwicklung und körperlich-motorische Entwicklung erstellt. Laut dem Landratsamt gilt es demnach, für mehr als 400 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Bedarf entsprechende Plätze zu schaffen.

Inzwischen liegt ein Raumprogramm des Regierungspräsidiums Stuttgart vor, das eine Grundstücksfläche von etwa 20 000 Quadratmetern notwendig macht. Der Standort sollte dabei zentral im Landkreis gelegen sein, um die drei bestehenden Schulen gleichermaßen zu entlasten und idealerweise die Fahrwege der Schüler zu berücksichtigen

Ergebnisoffene Grundstückssuche geht weiter

Um ein solches Grundstück zu finden, hat die Kreisverwaltung bereits eine Immobilienrecherche betrieben, informiert das Landratsamt. Zudem wurden eigene Potenziale überprüft. Dabei wurde eine mögliche Fläche in Nürtingen auf dem Säer ausgemacht. Um herauszufinden, ob sich das Grundstück tatsächlich eignet, wurden erste Voruntersuchungen angestoßen. „Gleichzeitig sucht die Verwaltung weiter ergebnisoffen nach möglichen Alternativen“, betont das Landratsamt in der Mitteilung.