CDU-Nachwuchs fordert von Schulen Internet-Angebot

Stuttgart. Die Sportmuffel in der elften Klasse können sich freuen: Am kommenden Freitag sind Bodenturnen, Ballspiele oder andere Übungen gestrichen, der Unterricht fällt aus. So steht es auf dem Online-Stundenplan, den die Schule, ein berufliches Gymnasium in Württemberg, im Internet veröffentlicht hat und regelmäßig überarbeitet. Schüler, Eltern oder auch jedermann sonst kann kurzfristig nachsehen, wann Stunden verschoben oder Räume gewechselt werden.

Simon-Martin Ponzer gefällt dieses Angebot, vermisst ein solches allerdings an seiner eigenen Schule. Der Vorsitzende der Schülerunion Baden-Württemberg, eine Nachwuchsorganisation der CDU, hat deshalb kürzlich gefordert, landesweit an allen Schulen sogenannte Online-Stundenpläne einzuführen. Stunden- und Vertretungspläne sollten im Internet "immer und vor allem aktuell abrufbar" sein, verlangt der Nachwuchspolitiker. "Aufgrund der rasanten technischen Entwicklungen in den letzten Jahren und der starken Nutzung des Internets vonseiten der Schülerinnen und Schüler ist dies nur die logische Konsequenz."

Ponzer kritisierte auch, dass viele Schulleiter dem Vorhaben skeptisch gegenüberstehen. "Es ist mir unbegreiflich, warum sich so viele Direktoren gegen die Einführung von Online-Stundenplänen aussprechen, da diese Maßnahme doch eine große Erleichterung für die gesamte Schülerschaft darstellt" und "problemlos erfüllbar" sei. Auf diese Weise könnten den Schülern auch kurzfristige Veränderungen noch rechtzeitig mitgeteilt werden. "Gerade bei längeren Fahrwegen können Schüler ihre Zeit so effektiver nutzen", argumentiert Ponzer. Zudem werde auf diese Weise Transparenz über den Unterrichtsausfall an den Schulen geschaffen. An vielen Hochschulen gehöre ein solches Informationssystem bereits zum Standard.

Hilfen, um solche Online-Stundenpläne anzulegen, gibt es im Internet. "Sie sind einfach zu bewerkstelligen und könnten beispielsweise auch von einzelnen Schülern oder Internet-Arbeitsgemeinschaften betreut werden", sagt Ponzer. Der Aufwand für dieses Angebot sei gering.

"Mich freut es, wenn sich Schüler Gedanken über Verbesserungsmöglichkeiten machen", sagt Michael Gomolzig, Sprecher des Verbands Bildung und Erziehung. Der Leiter einer Grund- und Hauptschule hält allerdings nichts davon, die Schulen zu Online-Stundenplänen zu verpflichten. An den Grundschulen seien sie ohnehin überflüssig, weil Kollegen einsprängen, wenn sich morgens ein Lehrer krankmeldet. "Schließlich gibt es die verlässliche Grundschule", so Gomolzig.

Aber auch in den weiterführenden Schulen hält Gomolzig das Projekt nicht für zwingend. Die Schüler könnten sich nach Unterrichtsschluss auf dem Vertretungsplan in der Schule informieren, ob am folgenden Tag Änderungen geplant seien. Online-Informationen über kurzfristige Veränderungen würden viele Schüler auch nicht rechtzeitig erreichen. "Wir können doch Schüler und Eltern nicht dazu verpflichten, morgens erst einmal ins Internet zu gehen", meint Gomolzig. Auch könnten sich ältere Schüler selbst beschäftigen, wenn überraschend eine Stunde ausfallen sollte.

Kultusminister Helmut Rau (CDU) will die Entscheidung über Online-Stundenpläne den Schulen überlassen. "Das kann eine gute Ergänzung sein", sagt Sprecherin Carina Olnhoff. "Allerdings müssen die entsprechenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden." So dürften beispielsweise die Namen von Lehrern nur genannt werden, wenn diese damit einverstanden seien. Auch könnten Schüler und Eltern nicht verpflichtet werden, sich morgens vor Schulbeginn erst einmal zu informieren, welche Stunden stattfinden. Vielmehr müsse in jeder Schule ein Vertretungsplan aushängen.

In den nächsten Wochen werden die Schulen eine neue Datenschutzverordnung erhalten, in der auch das Thema Online-Stundenpläne angesprochen wird. Denn erst vor wenigen Wochen hat der Datenschutzbeauftragte des Landes den Schulen und der Kultusverwaltung vorgeworfen, sie gehe mit Daten nicht sorgfältig genug um.

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