Die Landessiegerin Maria Lönne (2. von rechts) neben Landtagspräsidentin Muhterem Aras Foto: Landtag von Baden-Württemberg

Maria Lönne vom Ebelu tritt beim Bundesentscheid von Jugend debattiert in Berlin an. Vor dem Landesentscheid im Landtag von Baden-Württemberg ist sie sehr aufgeregt gewesen – und hat trotzdem gewonnen.

S-Nord - Wenn das erst Klingeln ertönt an diesem Freitag weiß Maria Lönne Bescheid, dass ihr nur noch ein paar Sekunden bleiben, um ihr Argument zu beenden. Wenn sie das nicht schafft, gibt es Punktabzug. Das wäre heute besonders ärgerlich – denn die Schülerin vom Stuttgarter Eberhard-Ludwigs-Gymnasium (Ebelu) hat gute Chancen das Landesfinale von Jugend debattiert zu gewinnen. Die 13-Jährige bleibt cool, auch wenn sich unter den Zuhörern im Plenarsaal des Landtags so prominente Zuhörer wie Kultusministerin Susanne Eisenmann und die Hausherrin Muhterem Aras befinden. Die beiden Politikerinnen sind am Ende ebenso angetan von den geschliffenen Argumenten des zierlichen Mädchens wie die Jury.

17 000 Schüler haben mitgemacht

Der Teenager argumentiert nicht nur eindrucksvoll und schlüssig gegen die Forderung, in Baden-Württemberg außerhalb von Schulabschluss und Schulwechselzeugnissen an allen weiterführenden Schularten Noten durch Berichtszeugnisse zu ersetzen. Maria Lönne überzeugt in der Altersgruppe 1 (Klassenstufen 8-10) vor allem durch die konsequente Aufdeckung der Schwachstellen in der Argumentation der Gegenseite. „Danach war ich völlig platt, aber letztlich war es ein Supertag“, sagt Maria. Es war ein langer Weg bis dahin. Bei den Schul- und Regionalwettbewerben hatten sich im Ländle rund 17 000 Schülerinnen und Schüler von 138 Schulen beteiligt. Muhterem Aras war vor allem begeistert von der Disziplin der Teilnehmer. Die Regeln bei der Kultur des fairen Streitgesprächs sind streng. Zwei Minuten Redezeit folgen zwölf Minuten freie Aussprache und am Ende bekommt jeder eine Minute für sein Schlusswort. Die Jury bewertet Argumentation, Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft.

Maria Lönne braucht auch Tage danach noch einen Moment, das Erlebte einzuordnen. „Ich war sehr, sehr aufgeregt und es ist unglaublich, dass ich jetzt dabei bin“, erzählt sie. Maria setzt damit eine erfolgreiche Tradition am Ebelu fort. Schon oft stellte die Schule den Landessieger, 2007 hat Georg Lorenz sogar den Bundeswettbewerb gewonnen. Seit 2003 ist Debating ein Wahlfach an der Schule, das Hanns Albrecht Merkle bis vor einem Jahr betreut hat. Zusammen mit den Lehrern Teresa Endres und Johannes Steymanns hat er Maria auf den Wettbewerb vorbereitet. „Ohne diese Hilfe und die Unterstützung von Carla Böhm hätte ich es nicht geschafft“, sagt Maria. Carla Böhm aus der Sekundarstufe zwei belegte in ihrem Wettbewerb unter 32 Kandidaten Platz 15. Seinen Schülern gibt Merkle gerne ein Zitat des Philosophen Hans-Georg Gadamer mit auf den Weg: „Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte“. Maria traut er beim Bundesentscheid in Berlin am 21. und 22. Juni einiges zu. „Sie ist rhetorisch unheimlich begabt, kann schnell denken und ist vor allem sehr schlagfertig“, sagt Hanns Albrecht Merkle. Sie müsse nur noch langsamer sprechen, meint der ehemalige Religionslehrer schmunzelnd.

Andere Meinungen respektieren

Dem Gegenüber genau zuzuhören und dessen Meinung zu respektieren sind wichtige Elemente des Umgangs. Im Debattentraining kann das jeder lernen und so seine kommunikativen Fähigkeiten verbessern. „Jeder, der bei Debating dabei war, profitiert auch bei Referaten und Präsentationen in der Schule oder später an der Uni davon“, sagt Merkle. Statt um die vermeintlich einzig richtige Weltanschauung geht es beim Debattieren um den ausgewogenen Meinungsaustausch. Die Teilnehmer treten in Zweierteams gegeneinander an, wer welche Position zu einem Thema vertritt, wird per Los entschieden. Man argumentiert also nicht immer für die Meinung, die man auch privat vertritt. „Damit habe ich kein Problem, es macht sogar sehr viel Spaß sich in eine andere Position reinzudenken“, sagt Maria. Den letzten Schliff holt sie sich bei einem Seminar mit professionellen Trainern auf Burg Rothenfels. Doch wer es wie Maria in den Bundesentscheid geschafft hat, den bringt so leicht nichts aus der Fassung. Auch die Klingel nicht.

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